
In der Berliner Abschiedsfolge für die seit 2023 an der Seite von Robert Karow (Mark Waschke) Bodenständigkeit und Verlässlichkeit ausstrahlende Ermittlerin Susanne Bonard (Corinna Harfouch) wird mit dem Stammhirn ermittelt – nicht mit dem Verstand. Der Grund: Ein Wolf soll im Berliner Wald einem Obdachlosen den Kopf abgebissen haben.
Die Betonung liegt auf «soll». Denn wenn ein Wolf, Symboltier für die teuflischen und ungezähmten Anteile im Menschen, seine Pfoten auf einen mitteleuropäischen Waldboden setzt, dann ist das hochpolitisch. Eine ergebnisoffene Ermittlung bei gleichzeitiger Mythenbildung scheitert nicht nur 7100 Kilometer weg von Berlin gerade im US-Bundesstaat Minnesota. Auch Bonard und Karow geraten aus der Spur – Bonard folgt als wilde Wölfin einer Survivaltrainerin (gespielt von der grossartigen Anne Ratte-Polle) in den Wald und harpuniert gegen ihre Angst vor dem Ruhestand Fische, während Kollege Karow als grauer Wolf in Nachtclubs herumstreunert und sich in einen Tatverdächtigen verliebt.
Und so ist die mit herausragenden Schauspielern besetzte Folge «Gefahrengebiet» eine Ausbuchstabierung des lateinischen Sprichworts «Homo homini lupus est» (»Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf»). Ein Kommentar auf die stammhirngetriebenen Panikattacken unserer Zeit, in der Menschen mit wenig Erdung für den Katastrophenfall rücksichtslos Ressourcen preppen, weil ihnen Wolfsgeschichten den Verstand vernebelt haben.
«Tatort» aus Berlin - «Gefahrengebiet». So, 1.2., SRF1. Vier Sterne.












































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