
Der Gipfel ist zum Greifen nah. So nah wie noch nie. Die Schweiz steht wieder im WM-Final. Zum dritten Mal in Serie. Nach einem 6:0 über Norwegen. Am Sonntagabend kann sie zum ersten Mal überhaupt Weltmeister werden.
Das Land ist bereit für die grösste Eishockey-Party der Geschichte. Und die Spieler offensichtlich auch. Sie tun das, was beim Erklimmen eines Berges unerlässlich ist: sie schauen nicht ständig hoch zum Gipfel und träumen von der Aussicht. Nein, sie konzentrieren sich einzig und allein auf den nächsten Schritt.
Es ist alles angerichtet für die grosse Party am Sonntag. Aber ganz ohne Stossgebete geht es natürlich nicht: «Einfach nicht mehr Silber!», denkt sich jeder und jede mit rot-weissem Eishockey-Herz. Nicht noch einmal nach den vier verlorenen Finals 2013, 2018, 2024 und 2025.
Wer ist der Schweizer Finalgegner: Kanada oder Finnland?
Die Fans verabschieden die Spieler nach diesem stimmungsvollen Nachmittag wie mittlerweile gewohnt mit der «W.Nuss vo Bümpliz» in die Garderobe. Die Euphorie ist gross, aber nicht grenzenlos. Es ist zu spüren: Die Steigerung kommt noch.
Es ist das erste Mal, dass die Nati den Final vor heimischem Publikum bestreiten darf. Und erstmals besitzt sie überdies den Vorteil, sich länger ausruhen zu können als der Finalgegner (entweder Kanada oder Finnland). Bei den bisherigen vier Finals bestritt sie jeweils den zweiten Halbfinal. Ein paar Stunden mehr Erholung - es ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Norwegen hält nur zu Beginn mit
Im Final wieder mit dabei sein wird Timo Meier. Der Powerflügel wurde nach dem Viertelfinal von der IIHF noch gesperrt für seinen Kniecheck gegen den Schweden Sundqvist. Meiers Fehlen ist gegen Norwegen zu Beginn spürbar. Die Skandinavier, erstmals überhaupt in einem WM-Halbfinal, beginnen die Partie kraftvoll, setzen einige Checks, kommen zu Chancen. Doch ein frühes Tor gelingt ihnen nicht. Die Schweizer bleiben geduldig und werden belohnt.

Gottéron-Meisterheld Christoph Bertschy ist es, der in der 18. Minute das 1:0 schiesst. Das Tor kommt zum richtigen Zeitpunkt, um einer aufkommenden Nervosität gar nicht erst die Chance zu geben. Spätestens nach Denis Malgins 2:0 nach knapp 25 Minuten ahnt man: dieses Spiel ist entschieden. Die Beine der Norweger werden mit jedem Einsatz schwerer. Jäger, Riat, Hischier und Rochette schiessen die weiteren Treffer zum am Ende nie gefährdeten 6:0-Triumph. Beim letzten Treffer assistiert mit Pius Suter ein Rückkehrer. Suter fehlte seit dem Spiel gegen Deutschland verletzt, nun gibt er rechtzeitig sein Comeback.

Die letzte offene Frage ist: Feiert Leonardo Genoni wie schon im Halbfinal 2025 beim 7:0 gegen Dänemark einen Shutout? Um kurz vor 18 Uhr ist klar: Ja, Genoni bleibt makellos. Am 38-jährigen Torhüter lag es bestimmt nicht, dass sowohl 2024 und 2025 nach den Finals nur die Tränen bleiben. Sowohl gegen Tschechien 2024, wie auch gegen die USA 2025 erzielten die Schweizer keinen Treffer. Das darf sich morgen nicht wiederholen. Genoni sagte kürzlich, ergriffe von der Euphorie in der Schweiz: «Ich würde jeden meiner Meistertitel gegen einen Weltmeister-Titel eintauschen.» Muss er nicht. Es reicht völlig, wenn er die Schweiz als Krönung seiner Karriere zu Gold führt.
Ex-Nati-Trainer Ralph Krueger in der Garderobe
Es hat sich mittlerweile zum Ritual entwickelt, dass die Schweizer einem prominenten Gast die Ehre übertragen, in der Garderobe die «Starting Six» zu verlesen. Nach Marco Odermatt und Roger Federer ist diesmal Ralph Krueger zu Gast. Im Stadion gibt derweile Rekordspieler Andres Ambühl den Einpeitscher. Er schwingt die Kuhglocke mit so viel Verve wie noch keiner vor ihm. Es hilft ganz offensichtlich.







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