
Der Schwede: «Jetzt gibt es halt nur noch Sightseeing»
Als sich die Hockeynation Schweden letztlich doch noch für die K.O.-Phase qualifizierte, da buchte Krister mit seiner Partnerin Flug und Hotel und gab umgehend seinem Sohn Bescheid: «Hey, wir kommen!» Sein Sohn? Schwedens NHL-Stürmer Linus Karlsson. Die spontane Reise nach Zürich scheint sich für Krister zu Beginn des Viertelfinals besonders zu lohnen: Sein Sohn bringt Schweden gegen die Schweiz 1:0 in Führung.
Doch dann dreht die Schweiz das Spiel zum Sieg. «Verdient», sagt er. Und die Atmosphäre im Stadion? «Amazing!» - «Noch nie so etwas erlebt.» Krister war optimistisch und buchte bis zum Finaltag am Sonntag. «Nun, jetzt gibt es halt nur noch Sightseeing», sagt er und lächelt. Etwa mit seinem Sohn? «Er hat sehr geschwärmt von der WM, vom Spielort in Fribourg. Es hat ihm sehr gefallen in der Schweiz. Aber ich glaube, er will jetzt nach einer langen Saison nach Hause.»
Die Tschechen: Das Derby als grosses WM-Highlight

Petr, Timon und Lukas verlassen nach Tschechiens WM-Aus gegen Finnland geknickt das Stadion. Nicht nur des Resultats wegen, sondern auch, weil es in Zürich kaum tschechische Fans in der Arena hatte. Nun aber haben sie sich zum Ziel gesetzt, die Schweiz zu sehen. Es hat sich herumgesprochen, dass die Stimmung aussergewöhnlich gut sei. «Hopp Schwiiz!», schreien sie immer wieder. «Ich hoffe, die Schweiz wird Champion», sagt Timon, der zuvor während einer Spielunterbrechung einen grossen Auftritt am Videowürfel im Stadion hatte. Für die Tschechien-Gruppenspiele war das Trio jeweils aus Zürich nach Fribourg gependelt. Das grosse Derby gegen die Slowakei war ihr grosses WM-Highlight. «Das war ein einziges grosses Fest», sagt Timon. Und Petr ergänzt: «Nur das Bier hier ist etwas hässlich.»
Die Ungarn: «Es ist doch immer kalt bei euch!»
Am Bahnhof Altstetten stehen Andras, Csaba und Adam. 600 Franken bezahlten die drei Ungarn für ihre zwei Nächte in einem AirBnB in Zürich Oerlikon. «Sind die Preise gestiegen während der WM?», fragen sie aus Neugier. «Natürlich, die Schweiz ist teuer. Aber es ist so, wie wir es erwartet haben. Ganz im Gegensatz zum Wetter – es ist doch immer kalt bei euch!»

Ungarn ist nicht gerade die Eishockey-Nation schlechthin. Trotzdem reisten zahlreiche Fans an die WM. Die drei Freunde sind regelmässige WM-Gäste. «Es ist unsere 16. WM insgesamt. Die meisten Erfahrungen kommen halt von den Ausrichtern der B-Division» Und wie schneidet die Schweiz als Gastgeber ab? «Sehr gut. Besonders gefällt uns, dass auch Zuschauer in der Halle sind, wenn die Schweiz nicht spielt. Das war auch schon anders. Man sieht: Ihr seid eine Eishockey-Nation.»
Die Letten: Bier-Freude und Ticket-Frust
Auf den ersten wirkt Ugis ziemlich zufrieden. Sein Lettland hat sich für den Viertelfinal qualifiziert. Die Hoffnung auf eine nächste grosse Überraschung nach dem 3. Platz 2023 ist gross. Schliesslich heisst der Gegner im Viertelfinal Norwegen. Auch die Preise fürs Bier aus dem nahen Coop-Pronto lösen ein grosses Lachen aus. Warum? Ugis ist zwar in Lettland geboren, lebt aber seit 20 Jahren in Norwegen, wo Alkohol ein halbes Vermögen kostet.

Und doch ärgert sich Ugis. «Wir haben vor drei, vier Monaten schon versucht, Tickets für unsere Spiele zu kriegen – und zwar nahe beieinander. Doch das war nicht möglich.» Hier einmal fünf Plätze, dort einmal fünf Plätze, «wir sind im ganzen Stadion verstreut. Das ist crazy, das geht doch nicht! Normalerweise hat jedes Land seine Fankurve.» Fürs Spiel gegen die Schweiz sei es sogar unmöglich gewesen, an Tickets zu kommen, «das geht eigentlich auch nicht.»
Darum seien viel weniger Letten als sonst an die WM gereist. Jene, die da sind, machen das Beste daraus. Sogar einen lettischen Fanmarsch gibt es jeweils.
Die Finnen: Freunde fürs Leben
Die «Heja Suomi»-Rufe mit Luftgitarrenspiel dazu sind schon fast weltmeisterlich. Und dann antwortet Jonna sogar auf Deutsch: «Ich war vor 20 Jahren zum Austausch in Bern.» Die Freundschaft mit Karin ist geblieben. «Eigentlich wollte ich schon 2020 an die WM kommen, alles war organisiert und bezahlt – dann kam Corona.»

Jonna ist zum 9. Mal an einer WM. «Gesamthaft bin ich für eine Woche in der Schweiz. Zwei Tage in den Bergen des schönen Berner Oberlands inklusive.» Die Stimmung an der WM? «Grossartig. Alles friedlich. Die Schweizer Fans sind crazy. Wir schunkeln zusammen, wie hiess der Song nochmals? Nach links… Nach rechts.» Genau, sogar Holland ist irgendwie dabei an dieser WM.
Die Österreicher: Ein Deal Süssigkeiten gegen Autogramm und Stock

Stolz halten Levin, Moritz und Leo ihre selbst gebastelten Stoffplakate in die Kamera. «Süsses gegen ein Autogramm und den Stock?», ist zu lesen. Ihr Liebling ist Vinzenz Rohrer. Leider hat es mit dem Deal nicht geklappt, aber wer weiss, vielleicht kommt das ja noch.
Die drei Jungs spielen auch selbst Eishockey. Sie sind mit ihren Familien aus dem Vorarlberg angereist. Ein Tagesausflug. Und obwohl Österreich am Ende ausscheidet, überwiegt das positive Erlebnis. «Super organisiert, super Gastgeber», lobt der Vater. Das Versprechen für die Jungs hilt: Auch 2027 gibt's Live-WM-Eishockey - dann in Deutschland.




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