
Die Schweiz hat sich längst ans Gewinnen gewöhnt. Und doch: es gibt gewaltige Unterschiede. Dieser Sieg gegen Schweden ist viel schöner als alles, was zuvor schon war an dieser Heim-WM. Ein Sieg nach sehr viel Leiden und Bangen. Nach Momenten, in denen die bösen Geister der Vergangenheit plötzlich wieder auftauchen. Aber die Schweizer vertreiben sie mit einer Leidenschaft, die einfach nur grossartig ist.
3:1 steht es am Ende in diesem Viertelfinal. Der Sieg ist auch eine Erlösung. Endlich, endlich, endlich besiegt die Schweiz in einem Spiel, in dem es wirklich zählt, Schweden. WM-Finals 2013 und 2018? Viele andere Enttäuschungen? Nein, nach diesem Abend wollen wir uns damit nicht mehr aufhalten.

Kurz vor Spielbeginn erhält die Nati hohen Besuch in der Garderobe. Roger Federer verliest die «Starting Six», also jene Spieler, die zu Beginn auf dem Eis stehen. Dazu sagt er: «Ich gratuliere schon mal! Ich weiss, wir haben noch nicht alles gewonnen, aber jetzt geht es richtig los.»
Der Schweizer Fiebertraum zum Start
Federers Worte stehen für das Final-Wochenende dieser Heim-WM. Es ist nicht so, dass die rotweisse Euphorie bis anhin zu gering gewesen wäre. Aber dieses Spiel toppt noch einmal alles. Gänsehaut-Stimmung ohne Ende. Wohl manch ein Fan hat Tränen in den Augen beim gemeinsamen Singen der «W.Nuss vo Bümpliz», diesem wunderbaren Song, der zur Hymne dieser WM geworden ist.
Was die Schweizer zuvor zeigen, ist mindestens so herausragend. Sie zermürben die Schweden in einer selten gesehenen Art. Ein krachender Check nach dem anderen. Sie nehmen die Herausforderung eines ruppigen Spiels nicht nur an. Sie gehen den Schweden richtig unter die Haut. Vor allem rund um Spielhälfte, als die Partie beim Stand von 1:1 auf Messers Schneide steht. Angeführt von den NHL-Häuptlingen Hischier, Niederreiter, Meier, Josi und Moser.
Es wäre aber völlig falsch, die Schweizer auf ihre NHL-Stars zu reduzieren. Da ist eine homogene Mannschaft am Werk, in der auch die Spieler der National League Tempo und Härte problemlos mitgehen. Es ist kein Zufall, dass mit Malgin und Thürkauf zwei Spieler vom ZSC und von Lugano die entscheidenden Tore schiessen.

Malgins Tanz zum 2:1 ist das Highlight des Abends. Wobei es fast scheint, als würden die Schweden ein bisschen «Schlacht am Morgarten» spielen. «Durch diese hohle Gasse muss er kommen»… aber dann vergessen sie das Wichtigste und lassen Malgin einfach gewähren.
Aber eben, es ist nicht einfach ein «normaler» Sieg der Schweizer. Sie müssen sich ihn auf der ganzen Linie verdient. Und dabei auch eine Frage beantworten, die nach der makellosen Vorrunde mit 39 Toren und sieben Siegen aus sieben Spielen noch offenblieb: Was passiert, wenn es einmal gegen die Schweiz läuft? Wenn das Team in Rückstand gerät? Wenn plötzlich alles misslingt? Gelingt es trotzdem, diese Widerstände zu überwinden – oder platzt der Gold-Traum unvermittelt?
Und nun der Halbfinal am Samstag gegen Norwegen
Nun, nach diesem Spiel haben die Schweizer auch diese Gewissheit erhalten. Ja, wir wachsen an den Herausforderungen. Ja, wir werden nicht nervös. Ja, wir schlagen zurück und zerbrechen nicht.
Der Start ins Spiel ist ein Fiebertraum. Mit dem ersten ernsthaften Vorstoss gehen die Schweden in Führung. Kurz darauf muss die Schweiz fünf Minuten Unterzahl überstehen, weil Dean Kukan seinen Gegenspieler wuchtig mit dem Stock im Gesicht trifft.

Und dann folgt dieser eine Moment, in dem eine ganze Nation den Atem anhält. Wieder liegt der Puck im Tor, wieder jubeln die Schweden. Doch die Schiedsrichter sehen sich die Szene nochmals an. Minutenlang. Der Treffer von Sundqvist zählt nicht, weil er den Puck mit dem Fuss und einer Kickbewegung über die Linie spediert hat. Die ganze Halle jubelt frenetisch. So, als hätte die Schweiz gerade ein Tor erzielt. Im Rückblick erkennen wir: Es ist dieser Moment, in dem die Schweiz an der Klippe steht – aber eben nicht den Berg runterfällt.
Keine zwei Minuten später steht es 1:1. Captain Roman Josi trifft. Das Momentum trägt jetzt nicht mehr Gelb, sondern Rot. Es sollte den ganzen Abend so bleiben. Selbst die vielen Strafen bringen die Schweizer nicht mehr vom Weg ab. Dieser Weg geht nun am Samstagnachmittag weiter. Dann wartet im Halbfinal Norwegen. Aber diese Schweizer Reise geht noch viel weiter.







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