Eishockey-WM

Angstgegner? «Ist mir egal!» So will die Schweiz Schweden knacken

26 Niederlagen in den letzten 30 Spielen - na und? Nationaltrainer Jan Cadieux und seine Spieler kümmern sich nicht um die Vergangenheit. Die Mission Gold nimmt Fahrt auf.

Wie sind diese Gesichter zu deuten? Wer die Schweizer sieht nach diesem Abend, der käme im Leben nicht auf die Idee, dass hier gerade Spieler sprechen, die soeben den siebten Sieg im siebten WM-Spiel eingefahren haben. Die soeben erstmals in der Schweizer Eishockeygeschichte die perfekte Vorrunde absolviert haben.

Auf einer Mission: Jan Cadieux und die Schweizer Hockey-Nati.
Bild: CLAUDIO THOMA

Grimmig. Ernst. Finster. Entschlossen. Stechend. So sind sie, die Blicke der Schweizer Protagonisten am Dienstag kurz nach 23.00 Uhr in der sogenannten «Mixed Zone», dem Bereich, wo sich Medien und Spieler nach den Partien zum Frage-Antwort-Spiel begegnen. Als die Nati-Stars ihre Analysen halten, wird schnell klar: Da ist ein Team auf einer Mission. Nur Gold zählt. Die sieben Siege? Schon fast wieder vergessen. Was sie sagen? Weniger entscheidend als wie sie es sagen.

Das grosse Thema, natürlich: Das Schweden-Trauma. Die Erkenntnis: Die Schweizer sind mit jeder Faser bereit, sich ihrer Nemesis zu stellen. Was in der Vergangenheit war, all die Niederlagen, als es wirklich zählte, interessiert heute nicht mehr. Nationaltrainer Jan Cadieux sagt: «Was passiert ist, ist mir egal. Wir können es nicht ändern. Wichtig ist: Wir wollen jetzt etwas Spezielles schaffen.» Am Donnerstag Abend ist es soweit.

Nico Hischier kommt immer besser in Fahrt.
Bild: CLAUDIO THOMA

Als das Spiel gegen Finnland (4:2) beginnt, wissen die Schweizer ganz genau: Im Falle eines Sieges treffen sie auf ihren Angstgegner Schweden. Aber deswegen nicht ganz 100 Prozent geben oder gar mutwillig eine Niederlage in Kauf nehmen? Nein! Nico Hischier sagt: «Ich als Athlet dulde eine solche Einstellung nicht. Um zuoberst anzukommen, muss man gute Teams schlagen. Schweden ist ein gutes Team. Wir fokussieren uns auf uns, schauen nicht nach links oder rechts oder andere Resultate.» Denis Malgin fügt an: «Wir machen unseren Weg. Es spielt keine Rolle, wer gegenübersteht.»

Die WM-Finals 2018 und 2013, die Halbfinals 1998 und 1992. Der Olympia-Viertelfinal 2006. Diese Spiele und noch viele mehr gingen verloren, 26 der letzten 30 insgesamt. Doch nun verströmen die Schweizer dieses Gefühl: Die Schweden sind fällig. Nicht mit Worten. Mit Gesten. Captain Roman Josi sagt: «Ja! Ja! Ja! Das ist das Ziel. Es wird ein schwieriges Spiel. Aber wir freuen uns darauf.»

Der Schweizer Captain am Werk: Roman Josi.
Bild: CLAUDIO THOMA

Josi schwärmt noch einmal von der Stimmung. «Sieben Mal haben wir nun zusammen mit den Fans gefeiert, aber ich könnte noch hundert Mal - es ist einfach wunderbar.» Vor dem Spiel gegen Finnland war Büne Huber in der Schweizer Garderobe, durfte die «Starting Six» vorlesen. «Er hat uns heiss gemacht, schliesslich schossen wir ja schon in den ersten Minuten zwei Tore», erzählt Josi schmunzelnd. «Sein Lied, die W.Nuss vo Bümpliz, verbindet gerade die Schweiz - mega cool, dass er nun bei uns war.»

Drei Siege noch. Dann ist die Mission vollendet. Und dann? Singt Büne Huber live auf dem Eis? Jetzt ist doch noch ein Lachen zu sehen: «Ich hoffe es!», sagt Josi. Und verschwindet in die Nacht.

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