
Was für eine Ironie der Geschichte: Die Schweizer besiegen auch Finnland, mit 4:2, und als Lohn für die beste Vorrunde der Geschichte (7 Siege ohne Verlustpunkt) müssen sie nun am Donnerstag im Viertelfinal gegen Schweden antreten. Ausgerechnet Schweden.
Wir haben gegen die Skandinavier 26 der letzten 30 Partien verloren und überhaupt jedes Mal, wenn es wirklich zählte: 1992 und 1998 den WM-Halbfinal, 2006 den Olympischen Viertelfinal, 2017 den WM-Viertelfinal sowie 2013 und 2018 den WM-Final. Soeben waren wir in den beiden Testspielen vor der WM chancenlos: 1:8 am 30. April und 0:3 am 9. Mai. Schweden ist unser Albtraum.
Und noch eine Ironie der Geschichte: 2006 haben die Schweden das letzte Gruppenspiel beim Olympischen Turnier gegen die Slowaken absichtlich verloren. Um im Viertelfinal gegen die Schweiz spielen zu können. Die Schweiz spielt um 12:35 Uhr das letzte Gruppenspiel gegen Italien (3:3) und erreicht Rang 2. Die Schweden treten um 20:05 Uhr gegen die Slowaken an und wissen vor ihrem letzten Gruppenspiel nun ganz genau, was zu tun ist. Wenn sie verlieren, ist der 3. Gruppenplatz und damit die Schweiz als Viertelfinalgegner garantiert. Also verlieren sie absichtlich 0:3, bekommen die Schweiz als «Freilos» im Viertelfinal, gewinnen mühelos 6:2 und werden am Ende Olympiasieger.
Der schwedische Nationaltrainer Bengt-Ake Gustafsson hat später den «Bschiss von Turin» zugegeben und sibyllisch von einer «taktischen Niederlage» gesprochen. Das ist so, wie wenn ein Bankräuber seinen Überfall als «alternative Geldbeschaffung» verharmlost.
Und nun mussten die Schweden gestern in Fribourg ausgerechnet gegen die Slowaken unbedingt gewinnen, um überhaupt noch den Viertelfinal zu erreichen. Und treten nach dem Sieg (4:2) nun am Donnerstag in Zürich gegen die Schweiz an.
Zeit, den Betrug von 2006 zu rächen
Es ist Zeit, den Betrug von 2006 zu rächen und das Schweden-Trauma endlich, endlich, endlich zu überwinden. Die Frage ist natürlich: Wie gut sind denn nun die Schweizer? Werden sie nach den sieben Siegen hintereinander, die zeitweise offensive Festspiele waren, überschätzt? Ist die Offensive am Ende gar nicht so wetterfest und taugt nur für spielerische Schönwetterlagen? Ist die Abwehr vielleicht doch nicht robust genug und gerät ins Wanken, wenn es nicht gelingt, das Spektakel vom eigenen Tor fernzuhalten?

Eishockeytechnisch gibt es keinen Grund für Zweifel. Wir haben in Zürich bisher das beste Schweizer WM-Team der Geschichte gesehen. Dominant in allen drei Zonen und gut genug, um jeden taktische Schablone einfach hinwegzufegen. Die Finnen erholen sich zwar vom Blitzstart der Schweizer (2:0 nach 3:59 Minuten) und gleichen noch im zweiten Drittel (36. Minute) zum 2:2 aus. Aber die Schweizer beruhigen das Spiel wieder und nützen ein Powerplay zum Siegestreffer durch Ken Jäger (57. Min). Und im Tor stand nicht einmal Leonardo Genoni. Reto Berra hielt den Sieg fest.
Sieben Siege in Serie, während der ganzen Vorrunde nie im Rückstand, am meisten Tore erzielt, am wenigsten Gegentreffer kassiert, das beste Powerplay und das zweitbeste Boxplay. Mehr geht nicht. Wenn das alles gegen Schweden nicht reicht, dann reicht eine eishockeytechnische Erklärung nicht mehr. Dann ist dieser Gegner wahrlich ein Albtraum und es braucht irgendwie die Hilfe eines Exorzisten.






Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.