Eishockey-WM

Der «Josi-Faktor» kann die Differenz machen - nicht nur gegen Ungarn

Ein Mitteldrittel der absoluten Weltklasse macht den Unterschied an diesem Samstagnachmittag. Die Schweiz fliegt mit dem sechsten Sieg im sechsten Spiel weiter durch die Gruppenphase. Dabei könnte einer zur prägenden Figur werden.

Rocken in der Gruppenphase, scheitern wenn es drauf ankommt: So war es 2022 und 2023. Aber 2026 ist etwas anders: Roman Josi ist dabei. So wie er die Schleusen zum Spass- und Spektakelhockey gegen Ungarn (9:0) geöffnet hat, kann er zum Goldschmied werden.

Mit diesem Streich eröffnete Roman Josi den Reigen gegen Ungarn.
Bild: Pascal Muller/freshfocus

Die Schweizer fliegen nicht übers Eis. Ungarn ist ein tapferer, mutiger Gegner. Taktisch geschickt organisiert. In den ersten Sekunden rettet der Pfosten gegen Attilio Biasca und ein Treffer von Nino Niederreiter wird annulliert (Offside). Ein Kanter-Sieg wie vor einem Jahr (10:0)? Wohl nicht. Oder doch?

Aber dann öffnet Roman Josi mit drei Toren hintereinander zwischen der 19. und 23. Minute die Schleusen. Aus dem 3:0 wird schliesslich ein 9:0. Bei 48:10 Torschüssen. Ein offensives Hagelwetter ist über Ungarn hereingebrochen.

Sechs Siege in Serie. 35:5 Tore. Schweizer, wie hoch wollt ihr noch fliegen? Erinnerungen werden wach an die Vorrunde von 2022 (sogar sieben Siege in Serie) und von 2023 (fünf Siege hintereinander und nach fünf Spielen schon Platz 1 auf sicher). Aber 2022 und 2023 war im Viertelfinal sang und klanglos alles vorbei: 2022 gegen die USA (0:3) und 2023 gegen Deutschland (1:3). Bittere Enttäuschungen. Denn die Schweizer waren schon damals gut genug, um Weltmeister zu werden.

Roman Josi könnte zur Schlüsselfigur werden

v.l.n.r.: Simon Knak, Torschütze Roman Josi, Dominik Egli, Damien Riat , und Ken Jäger jubeln nach dem Tor zum 0:1.
Bild: Pascal Muller/freshfocus

Und nun also wieder eine grandiose Vorrunde. Das ist die eigentliche Prüfung für eine grosse Mannschaft, die zum ersten Mal Weltmeister werden will: Nach der spielerischen Brillanz in der Vorrunde das «Überleben» unter maximalem Druck. Im Viertelfinal. Im Halbfinal. Im Final. Wenn aus spielerischer Leichtigkeit Arbeit wird. Am Dienstag wartet im letzten Gruppenspiel gegen Finnland (es geht um Rang 1) die Hauptprobe für den Viertelfinal. Die Party muss in Zürich nicht schon nach dem Viertelfinal zu Ende sein. Etwas ist anders als 2022 und 2023: Roman Josi ist dabei.

Ja natürlich: Namen sind nur aufs Leibchen genähte Buchstaben und Hockey gilt zu Recht als letztes echtes Mannschaftsspiel. Systeme, Linien, Automatismen und kollektive Disziplin zählen mehr als jede Individualität. Aber es gibt Spieler, deren Einfluss weit über Tore, Assists oder Eiszeit hinausgeht. Männer, die durch ihre Präsenz Ruhe, Gelassenheit und Selbstvertrauen ausstrahlen. Der Einfluss einer charismatischen, starken Persönlichkeit auf die Chemie einer Mannschaft kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Unter den vielen Leitwölfen ist Roman Josi der wichtigste. 2022 und 2023 war er nicht dabei und die formidable Ausgangslage nach der Vorrunde konnte nicht umgesetzt werden. 2013, 2018 und 2024 gehörte er zum WM-Silberteam.

Roman Josi ist neben Torhüter Leonardo Genoni der wichtigste Einzelspieler im Team. Er ist keiner, der laut werden muss. Keiner, der sich in den Vordergrund drängt. Seine Autorität ist eine natürliche. Durch spielerisches Genie, Ruhe und Persönlichkeit. Wenn er in einer Kabine sitzt, verändert sich die Temperatur eines Teams. Nicht sichtbar. Aber spürbar.

Gegen Ungarn war es nicht anders. Er hat einmal mehr spielerische Leichtigkeit, die Lust am Spiel mit taktischer Seriosität kombiniert. Eine Mischung, die nur die ganz grossen Spieler aufs Eis bringen. Drei Tore, ein Assist und ein Pfostenschuss. Zwischendurch bekommt er Szenenapplaus. Der «Josi-Faktor» kann in jedem Spiel entscheidend sein. Nicht nur gegen Ungarn.

Erfahrung ist und bleibt ein unbezahlbares Gut

Die Schweiz lässt sich nach dem Spiel ein weiteres Mal von den Fans feiern.
Bild: Pascal Muller/freshfocus

Noch etwas ist anders als 2022 oder 2023. Nationaltrainer Jan Cadieux hat fast beiläufig gesagt, dass in der Garderobe so viele Leader sitzen. So viele Männer, die aus Erfahrung wissen, wie WM geht. Und tatsächlich: Zum ersten Mal hat die Schweiz das erfahrenste Team bei einer WM (29,48 Jahre im Schnitt).

Das hat durchaus eine Logik: Die «goldene Generation» ist älter geworden. Zum Vergleich: Die ersten WM-Silberhelden unter Patrick Fischer wiesen 2018 ein Durchschnittsalter von 25,44 Jahren auf – es war das zweitjüngste Team des Turniers. Damals schafften die Schweizer erst im letzten Gruppenspiel (5:1 gegen Frankreich) doch noch Platz 4 und den Viertelfinal. Energie, Emotionen und Unbekümmertheit beflügelten den Aussenseiter, der kein Medaillenanwärter war.

Nun sind die Schweizer Titelanwärter. Je erfahrener die Spieler, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass sie mit dieser Erwartungshaltung umgehen können, eine Situation richtig einschätzen und auch eine Serie von sechs Siegen nicht zu Nachlässigkeit führt. Erst recht, wenn Roman Josi der Leitwolf ist.

Und: Erneut «zu null» für Leonardo Genoni. Wenn die Schweizer 2026 nicht Weltmeister werden – wann dann?

Die Partie im Ticker zum Nachlesen:

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