Eishockey-WM 2026

«Mami, du siehst aus wie der giftige Frosch im Zoo»: Warum TV-Moderatorin Daniela Milanese an der WM das Stadion putzt

Staubsaugen, Stadion putzen, Kaffee bereitstellen – 2000 Freiwillige helfen gratis mit bei der Eishockey-WM. Mit Daniela Milanese auch die Eishockey-Moderatorin von MySports.

Es ist kurz vor 16 Uhr, als Daniela Milanese zur Zürcher WM-Arena schreitet. Sie begrüsst ZSC-Sportchef Sven Leuenberger, der zufällig vorbeigeht. Sein Blick lässt erahnen: TV-Moderatorin Milanese im Outfit der WM-Volunteers – ein ungewohnter Anblick. «Meine Söhne sagen mir jeden Morgen: Mami, du siehst aus wie der giftige Frosch im Zoo…» Leuenberger lacht und sagt: «Da kann ich jetzt nicht widersprechen.»

Daniela Milanese bei der Arbeit als Volunteer im Stadion Zürich.
Bild: Melanie Duchene

Vor ihrer Tagesschicht als Volunteer sitzt Milanese in der Lounge des Hotels Mercure direkt neben dem Stadion. Und erzählt, warum sie, die Eishockey-Journalistin, während der WM Freiwilligenarbeit leistet. 23 Jahre lang war sie bei SRF, seit Oktober 2022 moderiert sie für MySports. Sie ist das bekannteste weibliche Gesicht der Schweizer Eishockey-Berichterstattung. Weil die TV-Rechte für das Nationalteam aber exklusiv bei SRF liegen, ist sie beruflich bei der WM nicht gefordert.

«Für mich war aber stets klar: Ich möchte Teil dieser Heim-WM sein – und zwar arbeitend.» Also entschliesst sie sich im letzten Januar, sich als Volunteer zu melden. «Einmal die andere Seite zu sehen, ist sehr bereichernd. Es ist eine Horizonterweiterung, einmal zu sehen, was es alles braucht, damit ein Grossanlass entstehen kann.» Staubsaugen von Räumlichkeiten, Müll entfernen im Stadion, Betreuen von Journalisten im Mediencenter – Milanese ist sich für nichts zu schade. Und begeistert vom Groove, der unter den Volunteers entsteht. «Wir sind wie eine Mannschaft. Wer sich in Grün begegnet, spürt sofort eine Art Verbindung, egal ob man sich zuvor kannte oder nicht.»

Sobald das Spiel Lettland-Finnland am Donnerstag Nachmittag zu Ende ist, macht sich Daniela Milanese auf, das Stadion zu säubern.
Bild: Melanie Duchene

Hat Milanese den Wechsel weg von SRF bereut?

Wie so viele der insgesamt 2000 Volunteers, die für die Heim-WM im Einsatz stehen, opfert Milanese dafür ihre Freizeit. Wobei man eher von «spenden», nicht «opfern» sprechen sollte. Sie selbst ist von vielen Fans angesprochen worden, die sich wundern, die TV-Moderatorin als Volunteer zu sehen. «Die Wertschätzung für unsere Arbeit – das ist mein Lohn. Viele kannten mich nur als eine Art Kunstfigur aus dem Fernsehen.»

Ist die Solothurnerin in manchen Momenten nicht doch ein bisschen neidisch, die WM nicht als Journalistin begleiten zu dürfen? «Nein, es ist schön, nach so viel TV-Präsenz einmal ein bisschen undercover im Einsatz zu sein.» Im Playoff stand sie im Dauereinsatz. Die Endphase der Meisterschaft, die im ersten Meistertitel für Fribourg Gottéron endete, ist intensiv. Zudem erlebte Milanese bereits zwei Eishockey-Weltmeisterschaften in der Schweiz, 1998 war sie für die Zeitung «Sport» im Einsatz, 2009 für SRF.

Das Moderatons-Trio bei MySports: Jann Billeter (links), Daniela Milanese und Matthias Röthlisberger.
Bild: MySports

Den Wechsel von SRF zu MySports hat sie nie bereut. «Ich bin ein Mensch, den Veränderungen fordern. Aber es war toll, sich nach 23 Jahren einmal neuen Herausforderungen zu stellen, in einem ganz anderen Umfeld.» Der grösste Unterschied: Bei MySports kann sich die 51-Jährige voll und ganz dem Eishockey widmen. Im Winter ist die Agenda voller, im Sommer bleibt mehr Zeit für andere Projekte. Milanese ist selbstständig, gibt auch Auftrittstrainings. Und absolvierte kürzlich den CAS in «Sportmanagement». Abschlussarbeit: Nachhaltigkeit beim FC Schalke 04. «Alles in und um die Arena und das Reisen – der Fokus lag nicht auf dem Bereich des Sports…», entgegnet sie dem erstaunten Blick des Fragenden.

Und wie erlebt sie die Eishockey-Nati bisher? «Die Euphorie berührt mich wirklich. Es ist eine Symbiose zwischen Mannschaft und Fans entstanden. Die Stimmung während der Spiele, das gemeinsame Singen nach den Siegen, die friedliche Stimmung auf den Rängen – einfach mega schön!»

Bleibt die eine, grosse Frage: Wird die Schweiz Weltmeister? Auch Milanese hat aus ihrem Umfeld – trotz der ganzen Begeisterung – erste Nachrichten erhalten, ob man sich denn nicht Sorgen machen müsse mit Blick auf einen möglichen Viertelfinal-Gegner Schweden. Sie sagt: «Ich nehme jetzt in diesen 14 Tagen als Volunteer bewusst die Optik des Fans ein. Und ich sage darum voller Überzeugung: Es kommt gut!»

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