
Eine letzte Frage bleibt noch offen an diesem Nachmittag. Wird wieder die «W.Nuss vo Bümpliz» ertönen? Werden Fans und Spieler wieder gemeinsam jubeln und singen? Zum Abschluss des nächsten rauschenden Auftritts?
Nico Hischier brachte die Idee auf, den Kultsong von Patent Ochsner in der Arena abzuspielen. Die erste Aufführung nach der Gala gegen Deutschland erzeugte Gänsehaut. Tatsächlich: Der Stadion-DJ macht seinen Job auch heute. Und es wird wieder emotional. Es könnte das Ritual dieser WM werden.
Zuvor sehen die 10'000 Fans während 60 Minuten das nächste Schweizer Schaulaufen. 9:0 steht es am Ende gegen ein entkräftetes Österreich. Es ist ein Genuss, den Schweizern beim Spielen zuzuschauen. Mit ihrem Tempo überfordern sie die Österreicher wieder und wieder. Wobei diese das ganze fast widerstandslos über sich ergehen lassen. Wirklich verwundern kann das nicht. Für Österreich ist die Partie gegen die Schweiz die vierte innert fünf Tagen. Die müden Beine sind also erklärbar.
Genonis 13.-WM-Shutout
Nach einem 9:0 ist der Torhüter selten der am meisten umjubelte Mann. Doch genau das passiert nach dem Schweizer Schaulaufen gegen Österreich. Leonardo Genoni erhält Sonderovationen. Aus gutem Grund: Dank dieses Shutouts ist er nun alleiniger Rekordhalter. 13 Mal spielte er an Weltmeisterschaften bereits zu Null.
«Diesen Rekord nehme ich gerne mit», sagt Genoni. Aber allzu viel Bedeutung mag er ihm nicht beimessen. Auf die Frage, ob er nun Mannschaft und Staff zum Dank einen Schoggikuchen spendiere, antwortet er: «Schwierig, die kochen so gut bei uns, und auch das Dessertbuffet ist herausragend, da kann ich nicht mithalten…»

Genoni ist mittlerweile 38-jährig. Er ist der erfahrenste im Schweizer Kader. Die WM zu Hause ist seine zwölfte. Doch was er hier erlebt, ist bisher unvergleichlich. «Ich habe mir im Vorfeld der WM vieles vorgestellt, aber dass es so schön ist, in der Schweiz zu spielen, hätte ich nicht gedacht.»
Natürlich tragen die vielen Tore zur Euphorie bei. Und doch: Wenn die Stimmung in der Halle schon in der Vorrunde so ist, wie wird sie erst in der finalen Phase? «Eindrücklich», findet Genoni die Darbietungen seiner Vorderleute, «aber fragen Sie bloss nicht, warum es so gut läuft.»
Darum wird die Hymne von Patent Ochsner zum Ritual
Die Symbiose zwischen Spielern und Fans ist in diesen Tagen augenscheinlich. Und es scheint, als wäre das Schweizer WM-Ritual gefunden. Wenn die Nationalhymne zu Ende ist, die Spieler sich zur Ehrenrunde aufmachen, wird im Stadion «W.Nuss vo Bümpliz» gespielt. Die Momente des gemeinsamen Singens und Jubelns gehen unter die Haut.

«Ich hatte schon gegen Deutschland Gänsehaut, jetzt auch wieder», erzählt Nico Hischier. Dieser war es, der die Idee aufbrachte, das legendäre Lied von Patent Ochsner zur Hymne zu küren. «Ich erinnerte mich an die WM in Helsinki vor ein paar Jahren, da gab es ein Spiel über Auffahrt, wir gewannen, dann wurde dieses Lied gespielt und die Stimmung mit den Fans war bombastisch. Darum dachte ich: Das könnte auch hier funktionieren.» Und er fügt mit einem Lächeln an: «Ich glaube, es sind alle zufrieden.»
Hischier wird zurecht als bester Spieler dieses 9:0 über Österreich ausgezeichnet. Nicht nur wegen seiner zwei Tore. Es ist spürbar, wie sich der 27-Jährige mit jedem Einsatz wohler fühlt. Vielleicht ist er ja genau das Puzzleteil, das im letzten WM-Final gefehlt hat. Vor einem Jahr verletzte er sich früh im Turnier und musste danach zusehen. Doch Hischier reiste nicht ab, sondern bliebt beim Team. Es ist eines von vielen Beispielen, um den Zusammenhalt und die gute Chemie unter den Schweizern zu beschreiben. «Ich bin auf jeden Fall viel lieber auf dem Eis dabei, als nur zuzuschauen», sagt der Walliser.
Blick Richtung Gruppenfinale gegen Finnland
Vor allem eines gefiel Hischier an der Leistung gegen Österreich. «Wir haben trotz der frühen Führung nicht begonnen, irgendwelche Dinge auszuprobieren. Wir blieben gradlinig.» Es ist ein gutes Zeichen für den weiteren Verlauf des Turniers. Der Blick von Fans und Medien richtet sich nun bereits auf das Gruppenfinale vom Dienstag gegen Finnland. Davon wollen Spieler und Trainer noch nichts wissen. «Es ist wichtig, die Balance zu finden. Es ist viel Hype um uns herum. Wir müssen jene Dinge kontrollieren, die wir kontrollieren können», sagt Hischier. Heisst: Als nächstes zählt das Spiel von heute gegen Grossbritannien. Danach folgt Ungarn.
Frühe Entscheidung – Selbstvertrauen für Rochette
Mit vier Toren innert acht Minuten sorgen die Schweizer bereits im ersten Drittel für die Entscheidung. Rochette, Meier, Hischier und Riat treffen. Die Party im ausverkauften und stimmungsvollen Stadion beginnt früh.
Danach ist die grösste Herausforderung für die Schweiz, die Geradlinigkeit im Spiel zu behalten. Das gelingt meist. Wobei in einigen Momenten natürlich auch die Lust an der Kunst aufkommt. Drei Tore im Mitteldrittel folgen, zwei weitere im Schlussdrittel.

Besonders in den Vordergrund spielt sich auch Théo Rochette. Seine zwei Tore sind für ihn eine kleine Befreiung. Nachdem er in den ersten drei Spielen häufig unglücklich kämpft und gegen die Deutschen ab Spielmitte gar zuschauen muss, gelingt ihm endlich ein guter Auftritt. Das 1:0 ist sein erstes WM-Tor. Im zweiten Drittel legt er nach. Beinahe gelingt ihm gar der Hattrick (doch beim dritten Tor pfeift der Schiedsrichter kurz zuvor ab). Trotzdem: Die Fragen, ob er körperlich robust genug ist, um in einem Viertel-, Halb-, oder Final zu bestehen, werden bleiben. Aber vielleicht schöpft er aus seinen Toren einiges an Selbstvertrauen.
Rochette profitiert auch von der Absenz Pius Suters. Dieser ist leicht angeschlagen und verzichtet mit Blick auf das weitere Turnier auf einen Einsatz. Rochette rückt deshalb in die «ZSC-Linie» um Malgin und Andrighetto auf. Attilio Biasca bleibt derweil an der Seite des New-Jersey-Duos Hischier/Meier – und weiss ebenso zu gefallen. Diese Linie ist die stärkste an diesem Nachmittag, nicht nur wegen den Toren.
Neben Hischier und Rochette trifft auch noch Riat doppelt, jeweils im Powerplay aus dem Slot.
Auch für Österreich ist der Viertelfinal realistisch
Für die Schweiz geht es nur noch darum, ob es Rang 1 oder 2 wird nach der Vorrunde. Wobei für den weiteren Verlauf des Turniers die Bedeutung des Gruppensieges nicht zu unterschätzen ist. Damit würde die Nati aller Voraussicht nach Topfavorit Kanada bis zum Final aus dem Weg gehen.

Für die Österreicher mit dem Schweizer Trainer Roger Bader sieht es trotz der Niederlage gegen die Schweiz gut aus. Dank den drei Siegen zum Auftakt ist das Ziel Viertelfinal weiter realistisch. Ein weiterer Sieg reicht sicher, am liebsten bereits am Samstag im Duell mit Deutschland.






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