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Eishockey-WM

6:1 – Schweizer Machtdemonstration gegen Deutschland: Hockeyfestspiele wie ein Rockkonzert

Die Schweizer Nati demütigt den Rivalen Deutschland so sehr wie nie mehr bei einer WM seit 1937.

Diese Hockey-Festspiele gegen Deutschland sind ein wichtiger Schritt auf dem langen Weg zu höheren Zielen: Mit der Demütigung der Deutschen – es war eine Demütigung! - sind die Voraussetzungen gegeben, die Vorrunde auf dem ersten oder zweiten Platz zu beenden. Das ist im Hinblick auf den Viertelfinal wichtig. Weil die Schweizer dann gegen den dritten oder vierten der anderen Gruppe antreten dürfen.

Die Schweizer Nati setzt im Rivalenduell gegen Deutschland ein Ausrufezeichen und gewinnt souverän mit 6:1.
Bild: Keystone

Ein wenig mahnt die Ausgangslage an die Szene während einer Werbepause im ersten Drittel: Elegant und ohne sichtbare Kraftanstrengung legt Schwingerkönig Christian Stucki das muntere WM-Maskottchen Cooley in einer kurzen Showeinlage zum Gaudi des Publikums auf den Rücken. Die Schweizer haben zweimal gewonnen (3:1 USA, 4:2 Lettland), die Deutschen zweimal verloren (1:3 Finnland, 0:2 Lettland). Da kann eigentlich nichts schiefgehen. Kommt dazu: Es rockt in Zürich auf den Rängen wie es noch nie bei einem Spiel unseres Nationalteams gegen Deutschland gerockt hat. Es ist angerichtet für Hockey-Festspiele – und es werden Hockey-Festspiele mit dem Lärm eines Rockkonzertes.

Auf dem Eis ist es vorerst noch eine mühselige Angelegenheit. Die Schweizer suchen noch die Abstimmung ihrer überlegenen spielerischen Mittel. Die Deutschen vermeiden den offenen Schlagabtausch, verteidigen zäh und kontern schlau und Leonardo Genoni muss auf der Hut sein und die Deutschen werden ihm kurz vor Schluss den 12. WM-Shutout. Es fehlt ihm nach wie vor ein Spiel ohne Gegentreffer zur Rekordmarke von Jiri Holecek. Aber das ist nur das statistische Haar in der Suppe eines rauschenden Hockeyabends.

Der Mini-Makel: Leonardo Genoni wird doch noch bezwungen.
Bild: ANDREAS BECKER

In der ersten Phase hilft eine Qualität den Schweizern, die im Laufe dieses Turniers noch wichtig sein wird: Geduld. Sie machen nicht den Fehler, die Entscheidung mit der Brechstange zu suchen. Sie spielen zügig, aber ohne Hast, darauf vertrauend, dass Tempo, Technik und Intelligenz – kurzum: die spielerische Magie - die Differenz machen werden. Obwohl jetzt erstmals bei einer WM Berlins meisterlicher Titan Jonas Stettmer (196 cm/101 kg) das Tor hütet. Nicht mehr NHL-Lottergoalie Philip Grubauer (in den ersten zwei Partien weniger als 90 Prozent Fangquote). Jonas Stettmer pariert erst einmal alles. Aber er wird nicht einmal eine halbe Stunde lang ein Held sein.

Es wird nämlich tatsächlich bald so einfach wie der kurze Showkampf von Christian Stucki gegen Cooley. Drei Treffer in knapp vier Minuten (zwischen 25:56 und 29:29 Minuten) durch Denis Malgin, Sven Andrighetto und Christoph Bertschy offenbaren einen Klassen-Unterschied. Noch nie haben die Schweizer gegen Deutschland in so kurzer Zeit drei Treffer mit dieser Selbstverständlichkeit, Sicherheit und Eleganz zelebriert. Ja, auf diesem Niveau haben eigentlich nur die einst so überlegenen Sowjets in den 1970er und 1980er Jahren gegnerische Verteidigungen ausgespielt. Das historisch klare Resultat ist nicht in erster Linie das Resultat eines wilden Sturmlaufes. Sondern einer Kontrolle des Spiels durch Intelligenz und Geduld und einer bemerkenswerten Ausgeglichenheit über vier Linien. Die Balance zwischen den Spielern aus der National League und der NHL stimmt. Die Statistik (30:17 Torschüsse) dokumentiert die Dominanz.

Sein erstes Tor des Turniers: Captain Roman Josi trifft.
Bild: ANDREAS BECKER

Das 1:0 ist bereits die Entscheidung. In Unterzahl. Eine magische Kombination mit Nico Hischier, einem der besten Defensivstürmer der Welt und Denis Malgin, dem elegantesten Stürmer ausserhalb der NHL. Dieses 1:0 nimmt den Deutschen den Mut, das 2:0 die Zuversicht und das 3:0 den Glauben. Dann löst sich noch vor der zweiten Pause mit dem 4:0 das letzte Restchen Selbstvertrauen auf und das 5:0 beendet die allerletzten Hoffnungen. Das 6:0 hat dann nur noch Bedeutung für die Statistik und der Riese Jonas Stettmer darf für sich in Anspruch nehmen, mindestens vier oder fünf weitere Treffer verhindert zu haben.

Zuletzt sind die Deutschen von den Schweizern am 26. Februar 1937 in der Finalrunde der WM in London mit 6:0 so gedemütigt worden. Damals holten die Schweizer WM-Bronze.

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