
Die Arena bebt, atmet. Wie ein gewaltiger Organismus aus Licht, Beton, Erinnerung und Erwartung. Die WM beginnt in Zürich mit einer Geschichte, fast zu schön, um wahr zu sein: Schweiz gegen die USA. Da ist noch die Erinnerung an den verlorenen Final vor einem Jahr, an das 0:1 nach Verlängerung. Wieder nur Silber. Zum vierten Mal nach 2013, 2018 und 2024.
Aber diesmal beginnt alles mit einem Donnerschlag und gipfelt in der Schlussphase mit einer Prise Drama in kollektiver Erleichterung einem Happy-End. Der erste Schweizer Angriff, die erste Präsenz im gegnerischen Drittel bringt gleich das 1:0 (3. Minute) durch Pius Suter. Ein Zürcher, der sein Geld in der NHL verdient. Die Amerikaner sind überfordert und bevor sich ihre Reihen schliessen können, folgt das 2:0. Durch Sven Andrighetto. Ein Zürcher auch er, aber nicht mehr in der NHL. Sondern bei den ZSC Lions. Sein Schuss aus spitzem Winkel trifft mit einer Präzision, als habe ein Geometer den Flugweg des Pucks berechnet den entfernten Pfosten und prallt ins Tor zum 2:0 (12. Minute).
Eine Kür sondergleichen zum Auftakt. Ein Beweis für die Reife dieses Teams, das sich durch die hohen Erwartungen nicht beirren lässt. Keine Nervosität. Keine Unsicherheit. Keine Hektik. Keine Zweifel.
Noch erstaunlicher als der furiose Auftakt ist nun die lange, und letztlich erfolgreiche Pflicht mit Spielkontrolle, die in einem so unberechenbaren Spiel sowieso extrem schwierig ist. Erst recht auf diesem hohen Niveau und gegen den Weltmeister, der zwar keinen Weltmeister und nur einen Olympiasieger in seinen Reihen hat, aber ein Titelanwärter bleibt.
Die Amerikaner dominieren zwar das zweite und dritte Drittel. Aber die Schweizer halten dagegen (Schussverhältnis 20:20) und lassen sich nie aus der Ruhe bringen, auch nicht nach dem Anschlusstreffer (2:1, 49. Minute), der die Schlussphase mit einer Prise Drama veredelt. Bevor die Amerikaner noch einmal alles auf eine Karte setzen können, macht Ken Jäger mit dem 3:1 alles klar (57. Minute).
In der Offensive immer noch mit Reserven
Die Schweizer sind letztlich in allen Belangen überlegen. Sie haben den viel besseren Goalie und darüber hinaus noch offensive Reserven. Kein Tor und kein Assist für offensive Titanen wie Timo Meier, Nico Hischier, Nino Niederreiter oder Roman Josi, nach wie vor einer der besten Offensiv-Verteidiger der Welt.
Was, wenn auch sie ihre Produktion aufnehmen? Wir werden ihre Tore und Assists noch brauchen und wollen ein wenig träumen. Aber auch die Frage stellen: Was ist dieser Auftakt, diese erfolgreiche Finalrevanche wert? Es ist ein Sieg fürs Selbstvertrauen, für die stille Autorität des neuen Nationaltrainers Jan Cadieux, fürs helvetische Hockeygemüt. Das ist zum Auftakt eines Turniers im eigenen Land viel wert.

Aber die Amerikaner sind in den ersten Partien im Quadrat einfacher zu bodigen als in der zweiten Phase einer WM. Sie reisen ohne Vorbereitung an und müssen sich im Laufe des Turniers erst finden und den taktischen Maschinenraum einrichten. Bei der Auftaktniederlage befand sich das Team noch im Rohzustand: Viel Talent, Kraft und Tempo, aber noch zu wenig Struktur und Organisation. Die Schweizer profitieren hingegen von einer guten Vorbereitung. Sie sind eingespielt, die einzelnen Linien funktionieren, die Defensivorganisation ist stabil und Leonardo Genoni war aufmerksam, ruhig und sicher. So als hätte er beschlossen, zum Auftakt höchstens einen Puck reinzulassen und er wird als bester Spieler der Schweizer ausgezeichnet.
Ein wunderbarer Auftaktsieg. Aber Titelturniere werden im letzten, nicht im ersten Spiel gewonnen. Die Helden des ersten Tages sassen schon oft am letzten Tag bereits zu Hause vor den TV-Apparaten.


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