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Engelberg/Goldau

Gondel des «Titlis Xpress» abgestürzt – eine Person stirbt

Im Skigebiet Engelberg-Titlis ist am Mittwoch eine Gondel abgestürzt. Eine Person ist dabei verstorben. Die Unfallursache ist noch unklar. Die Anlage stammt aus dem Hause der Goldauer Garaventa.

«Eine Gondel darf einfach nicht abstürzen», sagte Norbert Patt, CEO der Titlisbahnen, «jetzt ist das Unvorstellbare doch passiert.» Er äusserte sein Beileid an die Angehörigen und war sichtlich mitgenommen vom tragischen Ereignis. Wieso es zum Unfall kam, konnte Patt nicht sagen. Auch hier war wieder die Frage nach den starken Windböen. Patt betonte, dass sie ein Messsystem hätten, welches bei zu starkem Wind Alarm auslöse.

Er verneinte auch vehement, dass die Titlisbahnen den Betrieb trotz Warnungen offen gehalten hätten, um so mehr Einnahmen zu generieren. «Diesen Vorwurf weisen wir entschlossen von uns», sagte Patt. Die letzte Revision der Bahn fand erst im vergangenen September statt.

Nach dem Unfall wurde der Betrieb der Bahn automatisch abgeschaltet. Was zur Abschaltung geführt habe, könne er derzeit noch nicht sagen, so Patt. Die Abklärungen würden laufen. Insgesamt mussten die Insassen von 40 Gondeln evakuiert werden. Wie viele Leute es genau waren, konnte Patt nicht beziffern. Er rechnet mit 150 bis 200 Personen. Nach dem Unfall konnte die Bahn wieder funktionstüchtig gemacht werden und die weiteren Gondeln mit reduzierter Geschwindigkeit in die Stationen zurückgeführt werden.

Wie der Betrieb bei den Titlis-Bahnen in den nächsten Tagen weitergehe, könne er nicht sagen, sagte der Direktor. Die Unfalluntersuchungsstelle Sust werde den Betrieb wieder freigeben. Es müsse jetzt auch untersucht werden, ob irgendetwas kaputtgegangen sei. «Wir gehen davon aus, dass die Klemme, die die Gondel am Seil hält, versagt hat. Aber die genaue Ursache wird noch ermittelt und ist Stand der Untersuchungen», sagt Patt.

«Eine Person ist bei dem Unglück verstorben», sagt Senad Sakic, Chef der Kriminalpolizei und stellvertretender Kommandant der Kantonspolizei Nidwalden, an der Pressekonferenz bei der Talstation der Titlisbahnen in Engelberg kurz nach 15 Uhr. Sie befand sich in der Gondel, die kurz nach der Mittelstation Trüebsee vom Seil fiel, sich mehrfach überschlagen hat und den Hang hinunterstürzte.

Zur Unfallursache und zu weiteren Details äusserte sich Sakic nicht. Vieles sei derzeit noch in Abklärung. Ob der starke Wind einen Einfluss hatte, wurde ebenso wenig beantwortet wie die Frage nach der Anzahl der Menschen, die derzeit von einem Care-Team betreut werden.

Nach dem Unfall wurde der Betrieb bei den Titlis-Bahnen eingestellt, wie Sakic ausführte. Daher mussten alle Insassen, die sich zu diesem Zeitpunkt in einer Gondel befunden haben, evakuiert werden. Diese dauert immer noch an, so Sakic weiter.

Das ist bisher bekannt

Videos, die unserer Zeitung vorliegen, zeigen eine Gondel, die einen schneebedeckten Hang im Skigebiet Engelberg-Titlis hinunterstürzt. Gemäss einer Mitteilung der Kantonspolizei Nidwalden handelt es sich um eine Gondel des «Titlis Xpress». Die Bahn verkehrt zwischen der Station Trübsee und Station Stand.

Die Polizei bestätigt gegenüber unserer Zeitung den Einsatz. Sie sei mit einer alpinen Einsatzgruppe, der Kriminalpolizei und der Spurensicherung im Einsatz. Auch die Rega sei vor Ort. Der Unfall hat sich um 11.30 Uhr ereignet. Noch unklar ist, ob sich in der abgestürzten Gondel Personen befunden haben. Die Polizei wollte sich auf Anfrage dazu nicht äussern. Sie wird um 15 Uhr vor Ort informieren.

Leserreporter berichten gegenüber verschiedenen Medien, dass es wegen starker Winde zum Absturz gekommen sei. Ein FIS-Rennen (National Junior Race) hätte am Mittwoch um 10 Uhr auf der Piste Erika im Gebiet Stand stattfinden sollen, wie auf der Website von Engelberg-Titlis zu lesen ist. Gegenüber «20 Minuten» gibt ein Leser an, dass dieses bereits vor dem Absturz wegen starker Winde abgesagt worden sei.

Eine Karte des Skigebiets zeigte am Mittwochvormittag, dass wegen starker Winde mehrere Anlagen geschlossen waren, darunter auch der «Titlis Xpress» zwischen Trübsee und Stand.
Bild: Screenhot: titlis.ch

Am Mittwochmittag teilte dann das Skigebiet auf seiner Website mit, dass aufgrund starken Winds die Anlagen oberhalb der Gerschnialp geschlossen bleiben.

Am Mittwochmittag wurden alle Anlagen oberhalb der Gerschnialp geschlossen.
Bild: Screenhot: titlis.ch

Das Wetter im Skigebiet war am Mittwochvormittag laut Meteorologen windig. Für die Messstation Titlis wies Meteo Schweiz für die Dauer von 9 bis 16 Uhr eine mässige Windgefahr (Stufe 2 von 5) aus. Laut Beschreibung der Mess- und Prognosewerte ist auf dieser Stufe in den höheren Lagen mit Windspitzen zwischen 100 und 130 km/h zu rechnen.

Meteo Schweiz weist für den Titlis eine um 10 Uhr gemessene Böenspitze von 94,7 km/h aus.
Bild: Screenshot: MeteoSchweiz
Aktuelle Messwerte vom Mittwoch zeigen die windigen Verhältnisse bei der Messstation Titlis.
Bild: Screenshot: MeteoSchweiz

Die Ein-Seil-Umlaufbahn mit 8er-Gondeln im Skigebiet Titlis-Engelberg stammt vom Hersteller Garaventa und wurde laut dem Portal www.skiresort.ch 2015 in Betrieb genommen. Sie überwindet in einer Fahrzeit von rund 8 Minuten einen Höhenunterschied von 781 Meter und kann pro Stunde 2400 Personen befördern.

Zwei 8er-Gondeln des «Titlis Xpress» auf der Fahrt zwischen der Mittelstation Trübsee und der Station Stand.
Bild: Roger Grütter
Eine 8er-Gondel des «Titlis Xpress» in der Mittelstation Trübsee.
Bild: Manuela Jans

Garaventa baut seit über 100 Jahren Seilbahnen auf der ganzen Welt. Das Schweizer Unternehmen, das seit 2002 Teil der österreichischen Doppelmayr-Gruppe ist, hat seinen Zentralschweizer Standort in Goldau. Gegründet wurde das Unternehmen ursprünglich in Immensee.

2015 wurde die 8er-Gondelbahn Titlis Xpress eröffnet. Im Bild: Die erste Sektion der Strecke zwischen der Station Gerschnialp und Mittelstation Trübsee.
Bild: Manuela Jans

 

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