Serie «Entdeckungen»

Er malte am gigantischen Panorama und macht nun in der Hängematte Feierabend

Unsere Sommerserie zeigt Entdeckungen in Zentralschweizer Museen. Diesmal: Was eine Malpalette über die Entstehung des Bourbaki Panoramas verrät.

Mitten im Bourbaki Panorama zieht das monumentale Rundbild die Aufmerksamkeit auf sich. Dabei lohnt sich auch ein genauer Blick in die Ausstellung unterhalb der Aussichtsplattform. Dort verbirgt sich ein ungewöhnliches Objekt: eine Malpalette, kunstvoll mit dem Porträt eines ruhenden Herrn gestaltet. Wer ist dieser Mann – und was erzählt dieses Überbleibsel über die Entstehung des Panoramas?

Schalkhafter Einblick in den Feierabend

Überraschend lebendig erscheint der junge Mann auf der Malpalette. Mit überschlagenen Beinen liegt er in der Hängematte und zieht genüsslich an seiner Pfeife. Gerade rutscht ihm der Pantoffel vom Fuss. Hinter ihm erhebt sich das Genfer Panoramagebäude, auf das Soldaten in französischer Uniform anrücken. Neben ihm steht eine Flasche, vermutlich Absinth. Mit dieser Darstellung zeigt Henri Hébert seinen Sinn für Humor. Der Maler und Karikaturist hatte am Rundbild mitgearbeitet. Die Malpalette ist von ihm signiert. Bezeichnenderweise trägt sie die Überschrift «après le panorama».

Der Maler Edouard Castre auf der Malpalette «Mai–Septembre 1881, après le panorama», signiert von Henri Hébert (Öl auf Holz. 33.5 x 63 cm).
Bild: zvg / Bourbaki Panorama

Über zwanzig Maler halfen mit

Henri Hébert porträtierte seinen Chef Edouard Castres, den Hauptmaler des Bourbaki Panoramas. Dieser zog 1870 als Rotkreuzhelfer in den deutsch-französischen Krieg und wurde Zeuge der Internierung der Bourbaki-Armee. Ein Jahrzehnt später verarbeitet er seine Erlebnisse im riesigen Rundbild – als Auftragsarbeit eines belgischen Panoramaunternehmens und mit grossem Ethos für den Frieden.

Bei der Realisierung halfen ihm über zwanzig Maler aus dem Umfeld der Genfer Kunsthochschule. Gemalt wurde das Bild in nur fünf Monaten – von Mai bis September 1881. Mit langen Pinseln arbeiteten die Maler auf hohen Gerüsten und übertrugen Castres‘ Vision präzise auf die riesige Leinwand. Trotz des geringen gestalterischen Freiraums bot die Mitarbeit den Künstlern wohl ein für einige Zeit gesichertes Einkommen.

Mit menschlichem Blick

Henri Héberts augenzwinkerndes Porträt macht den Schöpfer des monumentalen Rundbilds überraschend nahbar. Zugleich erinnert es daran, dass hinter dem Bourbaki Panorama viele Menschen standen, die mit grossem Einsatz, Ausdauer und handwerklichem Können eine grosse Idee Wirklichkeit werden liessen und ein aussergewöhnliches Kunstwerk schufen.

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