Serie «Entdeckungen»

Ein Gestein soll mütterlichen Milchfluss fördern – die «Mondmilch» vom Pilatus

In unserer Sommerserie geht es um Entdeckungen in Zentralschweizer Museen. Dabei kann es sich um Kunstwerke, Skurrilitäten oder Menschen handeln. Diesmal geht es ins Museum Luzern.

Weich wie Butter, weiss wie der Mond und früher als Universalheilmittel heiss begehrt: Die «Mondmilch» wurde vor langer Zeit in einer Karsthöhle am Pilatus entdeckt. Das entsprechend benannte Mondmilchloch liegt auf der Südseite des Widderfeldes auf 1710 m ü. M. und führt über 150 Meter in den Berg hinein. Vor allem in der hinteren Hälfte des Mondmilchlochs findet sich der weisse, schwammige Niederschlag an den Wänden.

Er entsteht, wenn kalkhaltiges Wasser aus Spalten im Gestein austritt und weiche, poröse Calcitablagerungen hinterlässt. Wird die Mondmilch aus der dunklen, feuchten Pilatushöhle an die frische Luft gebracht, trocknet sie ein und bildet eine mürbe, leichte und fast bröcklige Substanz.

Gegen Fieber und für mehr Milchfluss

Lange wurde die Mondmilch in der Höhle am Pilatus und anderen Höhlen der Innerschweiz gewonnen und als Umschlag und Wickel bei fiebrigen Erscheinungen, Entzündungen, Kopfschmerzen, Halsbeschwerden und bei Müttern und Ammen zur Förderung des Milchflusses verwendet.

Zu diesem Zweck wurde die Mondmilch mit Wasser zu einem Brei gerieben, dann aufgelegt und mit Tüchern verbunden. Auch innerlich wurde die Mondmilch verwendet: Dazu stellte man einen wässrigen Auszug her und benutzte diesen zum Trinken und Gurgeln. Das vielbegehrte Heilmittel wurde in den Apotheken als «Lac Lunae» gehandelt.

Vor etwa 300 Jahren hat der damalige Luzerner Stadtarzt Karl Niklaus Lang (1670–1741) die Pilatushöhle erforscht und unterschied verschiedene Arten von Mondmilch, je nach Festigkeit, Farbe und anderen Eigenschaften. Lang beschäftigte sich neben seinem Beruf vor allem mit dem Sammeln von Versteinerungen und Pflanzen und ist der Gründer des Vorläufers des Museums Luzern: Er baute das «Museum Lucernense Langianum» auf und präsentierte in diesem Kuriositätenkabinett verschiedene Muscheln und getrocknete Pflanzen.

1980 begab sich ein Teil der damaligen Museumscrew auf die Spuren von Karl Niklaus Lang. Zusammen mit Peter Wick, dem Direktor des Gletschergartens, krochen Peter Herger, Edy Felder und René Heim in den hintersten Winkel des Mondmilchlochs am Pilatus, um neue Proben zu sammeln. Diese Mondmilch kann zwar nicht verkostet werden, sie ist aber nach wie vor in der Ausstellung des Museums Luzern zu bewundern.

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