Mitten im Herzen von Luzern ist seit März 2002 das Museum Sammlung Rosengart beheimatet. Unter den 125 Werken von Paul Klee befindet sich hier auch seine 1938 entstandene Darstellung «X-Chen». Es hat eine ganz besondere Beziehung zur kürzlich verstorbenen Museumsgründerin und Kunstsammlerin Angela Rosengart.
Ein mit schwarzer Kleisterfarbe gemaltes kleines, junges Mädchen mit übergrossem Kopf und schwarzen Knopfaugen ist auf dem hochformatigen, schmalen Blatt wiedergegeben. Fast gewinnt man den Eindruck, als würde sich das Kind auf seinem Spaziergang spontan in Richtung des Betrachtenden drehen und ihm direkt in die Augen schauen. Der für den Maler-Zeichner ab 1937 so typische «Balkenstrich» bestimmt die Kopffüssler-Figur. Auf ihrem Kopf trägt sie ein Schleifchen, das aus der Form des Buchstabens X zusammengesetzt ist. Ein zweites Mal lässt sich der Buchstabe «X» und zwar am Schnittpunkt von Kopf und Körper in liegender Form wiederfinden. Klee verlieh seinem Werk zu Recht den Titel «X-chen».
Für Angela Rosengart, die 1948 kaum in der Galerie ihres Vaters Siegfried Rosengart angefangen hatte, als sie dieses so zauberhafte Blatt entdeckte, war es «Liebe auf den ersten Blick». Das «schüchterne und in die Welt blickende, kleine Mädchen», wie Angela Rosengart es so treffend beschreibt, hätte ihre Porträt sein können. Die international geschätzte Grande Dame des Kunsthandels war 1938 mit sechs Jahren ebenfalls ein stilles, schüchternes Meiteli gewesen.
Mit 16 Jahren hat sie das Bild gekauft
Sogar Will Grohmann, ein wichtiger Klee-Experte, sah dies so und liess an ihren Vater Siegfried Rosengart immer Grüsse an das «X-chen» ausrichten. Für fünfzig Franken, dem damaligen Gehalt eines Lehrlings, hat sie mit 16 Jahren ihr «X-chen» erworben. Es war der Startschuss für ihre Sammlung von Werken von Klee, denen später Meisterwerke von Picasso und anderen wichtigen Künstlern des Impressionismus und der klassischen Moderne folgten. Mit grosser Passion und sehr viel Liebe hat sie diese gemeinsam mit ihrem Vater aufgebaut. Das «X-chen» steht so als eine Art «Pars pro Toto» für die Sammlung, die tagtäglich Menschen aus aller Welt erfreut. Serie Wir stellen Entdeckenswertes aus Zentralschweizer Museen vor. Dabei kann es sich um Kunstwerke, Skurrilitäten oder Menschen handeln.





Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.