«Die Vielseitigkeit ihrer Begabung war fast ohne Grenzen. Was für ein kunstgewerbliches Gebiet sie bearbeitet, ihre Schöpfungen waren immer gänzlich materialgerecht und originell.» Die so überschwänglich gepriesene Künstlerin Gertrud Bohnert konnte sich dieses Lobs nicht mehr freuen. Denn die Würdigung findet sich 1948 im Nachruf in der Luzerner Zeitung «Vaterland», nachdem die 40-Jährige bei einem Reitunfall zu Tode gekommen war.

Gertrud Bohnert, die Frau des berühmten Künstlers Hans Erni, dürfte im konservativen Luzern der Zwischen- und Nachkriegszeit eine Ausnahmeerscheinung gewesen sein: Ganz der Typ der modernen, unabhängigen Frau absolvierte sie eine Ausbildung an der hiesigen Kunstgewerbeschule und eröffnete ein kunsthandwerkliches Atelier. Über die Grenzen der Stadt und der Schweiz hinaus bekannt wurde die Gestalterin durch die von ihr wiedererweckte Technik der Diamantzeichnung auf Glas. Ihre hauchzarten Zeichnungen auf dem zerbrechlichen Material entsprachen dem Zeitgeist, fanden viel Beachtung und grossen Absatz.

Die Künstlerin kannte sich in ihren Motiven – vornehmlich Pflanzen und Insekten – hervorragend aus. Dies belegen zahlreiche botanische und insektenkundliche Bücher in der gemeinsamen Bibliothek von Gertrud Bohnert und Hans Erni. Diese kannten sich seit ihrer gemeinsamen Studienzeit an der Luzerner Kunstgewerbeschule. Gemeinsam verbrachten sie häufig Aufenthalte im Kunstzentrum Paris, bereisten die anderen europäischen Metropolen, stellten zusammen 1936 an der Triennale in Mailand oder 1939 an der Landesausstellung in Zürich aus, heirateten jedoch erst 1946.

Die Hans Erni-Stiftung hat jüngst von privater Hand grosszügigerweise zahlreiche Arbeiten der zu früh verstorbenen Künstlerin erhalten. Diese werden 2028 in einer Ausstellung über alle künstlerisch tätigen Angehörigen der Familie Erni im Hans Erni Museum präsentiert.

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