
Wer kein Zuhause hat, trägt sein ganzes Hab und Gut rund um die Uhr bei sich – und das ohne sicheren Aufbewahrungsort. In Luzern könnte sich das künftig ändern: Per Postulat forderten Grüne, SP und GLP kostenlose Schliessfächer für obdachlose Menschen. Der Stadtrat erkennt den Bedarf an, verlangt aber institutionelle Einbettung mit Betreuung und klare Sicherheitsregeln.
Aktuell gibt es in der Stadt kein spezifisches Schliessfachsystem für obdach- und wohnungslose Menschen. Gemäss Stadtrat bieten Einrichtungen wie die «Gassechuchi» zwar vereinzelt kurzfristige Ablagemöglichkeiten an – ein längerfristiges Angebot fehlt jedoch.
Gegenüber dem Stadtrat habe die Fachstelle SIP (Sicherheit, Intervention, Prävention) diesen Bedarf bestätigt. Auf Anfrage bestätigt auch Tragwerk Luzern (früher Verein Kirchliche Gassenarbeit) diesen Bedarf. Das ständige Mitführen des gesamten Besitzes bedeute neben der physischen Belastung vor allem Dauerstress. «Die Menschen müssen ihre Sachen immer im Blick behalten und leben in Angst vor Diebstahl», sagt Franziska Reist, Geschäftsleiterin des Tragwerks Luzern. Wertgegenstände und wichtige Dokumente gingen verloren, Konflikte nähmen zu. Zudem erschwere Gepäck den Zugang zu Beratungsangeboten oder Tagesstrukturen und wirke sozial isolierend. Angesichts der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt rechnet die Stadt mit einer weiteren Zunahme des Bedarfs.
Prüfung nur unter bestimmten Bedingungen
Gemäss Stellungnahme der Stadt zeigten Erfahrungen anderer Städte wie Basel, Bern oder Genf sowie Einschätzungen der SIP, dass ein solches Angebot zwingend betreut und institutionell eingebettet sein müsse. Ein frei zugängliches, anonymes Schliessfachsystem sei deshalb aus Sicht des Stadtrats nicht umsetzbar. Als Begründung nennt er Veränderungen in der offenen Drogenszene: Der vermehrte Crack-Konsum habe zu mehr Diebstählen, Beschädigungen und Konflikten geführt. Ohne Aufsicht bestehe das Risiko, dass Schliessfächer für die Lagerung von Drogen, gestohlenen Gegenständen oder verderblichen Lebensmitteln missbraucht würden.
Der Stadtrat weist darauf hin, dass insbesondere der Betrieb eines betreuten Angebots mit zusätzlichem personellem Aufwand verbunden wäre. Er zeigt sich jedoch bereit, gemeinsam mit Partnerorganisationen zu prüfen, wo ein Schliessfachangebot sinnvoll eingebettet werden könnte und welche Kosten für die Umsetzung anfallen würden.



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