So viele Nationen wie noch nie werden um den Finaleinzug am 19. Juli in New York kämpfen. Setzt Spanien seine Dominanz fort? Kann Argentinien den Titel verteidigen? Besiegt die Niederlande ihren Final-Fluch? Oder ist diesmal die Stunde eines Geheimfavoriten gekommen? Wir haben in einem Power-Ranking die zehn Länder ausgewählt, die vor dem Turnier die meisten Chancen auf den Titel haben.
Platz 1: Spanien
Wiederholt sich das spanische Fussball-Märchen der Jahre 2008 bis 2012? Damals dominierten die Iberer den internationalen Fussball nach Belieben und verbuchten zwei Europameister- und einen Weltmeistertitel. Spanien revolutionierte damals vor allem das Offensivspiel, gewannen sie doch die EM 2012 ohne nominellen Stürmer. 14 Jahre später bahnt sich eine erneute spanische Dominanz an. 2023 entschied man die Nations League für sich und 2024 kehrte man auf den europäischen Thron zurück, nachdem England im Finale mit 2:1 besiegt werden konnte. Auch durch die WM-Qualifikation marschierte das Team von Luis de la Fuente souverän durch, unter anderem deklassierten die Spanier die Türkei auswärts mit 0:6. Das Mittelfeld um Rodri, Gavi und Pedri und der Angriff rund um Superstar Lamine Yamal, Nico Williams und Ferran Torres sind wahre Prunkstücke. Wer soll diese Mannschaft aufhalten? Für uns ist klar: Spanien ist die Mannschaft, die es an diesem Turnier auf dem Weg zum Titel zu schlagen gilt.
Platz 2: Frankreich

Frankreich hat einen der stärksten Kader der Welt mit hochkarätigen Spielern. Spieler wie Eduardo Camavinga oder Kingsley Coman haben den Sprung ins 26-Mann-Kader gar nicht erst geschafft. Das Team verfügt über grosse Turniererfahrung und erreichte regelmässig die Endphasen grosser Turniere. Aufgrund der hohen individuellen Qualität gehört Frankreich zu den Top-Favoriten auf den WM-Titel, auch wenn gelegentliche Leistungsschwankungen nicht auszuschliessen sind. Beispielsweise beim zweitletzten Testspiel vor der WM vor einer Woche, als sich die «Équipe Tricolore» der Elfenbeinküste mit 1:2 geschlagen geben musste. Sollte sich die Stimmung im Team jedoch nicht zum negativen Entwickeln, werden die Franzosen nur schwer zu schlagen sein. Doué, Dembélé, Olise, Mbappé. Bei den Namen in der französischen Offensive kann einem schon mal schwindlig werden.
Platz 3: England
Der WM-Titel wird von Thomas Tuchel erwartet. Jedoch wurde noch nie ein Land mit einem ausländischen Trainer Weltmeister. Für dieses grosse Ziel kann er auf einen sehr starken und ausgeglichenen Kader mit zahlreichen Spielern aus der Premier League zurückgreifen. Die Mannschaft tritt bei grossen Turnieren regelmässig als Titelkandidat an und verfügt über viel Qualität in der Offensive und im Mittelfeld. Das vergangene Freundschaftsspiel gegen Neuseeland, wurde, wie so oft in den letzten Jahren gegen kleinere Gegner, nur knapp gewonnen. Genau wie im letzten Testspiel, dürften die Tore von Harry Kane entscheidend werden. Der Rekordtorschütze der Engländer hat in 113 Länderspielen 79 Mal eingenetzt. Trotz des grossen Potenzials innerhalb der Mannschaft , fehlte in den vergangenen Jahren oft nur der letzte Schritt an grossen Turnieren, weshalb England ganz knapp hinter den Topfavoriten eingeordnet wird.
Platz 4: Portugal

Portugal hat einen äusserst talentierten Kader mit hoher Qualität in allen Mannschaftsteilen. Besonders die Mischung aus erfahrenen Führungsspielern und jungen Talenten macht den amtierenden Nations- League-Sieger zu einem gefährlichen Gegner bei dieser WM. Gespannt darf man auf die Auftritte des 40-Jährigen Superstars Cristiano Ronaldo sein. Kann er in der Endphase des Turniers noch entscheidend Einfluss nehmen? Muss er das überhaupt? Die Mannschaft besitzt das Potenzial, um den Titel mitzuspielen, muss jedoch ihre Konstanz über die gesamte Turnierdauer hinweg unter Beweis stellen. Ebenfalls sollten heissblütige Spieler ihre Nerven unter Kontrolle haben. Dies gelang Rafael Leao zuletzt im Testspiel gegen Chile nicht. Nach einer Tätlichkeit wird er den WM-Start wohl gesperrt verpassen. In den ersten beiden Gruppenspielen gegen den Kongo und Usbekistan dürften die Portugiesen wohl auch ohne Leao siegen.
Platz 5: Argentinien

Auch vier Jahre nach dem WM-Triumph gehört Argentinien weiterhin zum erweiterten Favoritenkreis. Mit Lionel Messi hat die «Albiceleste» nach wie vor über einen Spieler von aussergewöhnlicher Klasse, der insbesondere mit ruhenden Bällen Spiele entscheiden kann. Gleichzeitig ist der Kern der Weltmeistermannschaft von 2022 weitgehend zusammengeblieben. 17 Spieler des damaligen Kaders stehen auch an dieser WM im Aufgebot. Allerdings ist die Mannschaft inzwischen älter geworden, weshalb sich die Frage stellt, ob sie erneut über ein ganzes Turnier hinweg auf höchstem Niveau performen kann. Die erfolgreiche Siegermentalität scheint jedoch weiterhin vorhanden zu sein. Argentinien überzeugt durch taktische Disziplin, hohe Intensität und grosser Turniererfahrung. Viele Spieler haben bereits wichtige Endspiele bestritten und wissen, wie man mit dem Druck in grossen Turnieren umgeht. Dass die fünf Tore in den letzten beiden Vorbereitungsspielen (2:0 gegen Honduras und 3:0 gegen Island) von fünf verschiedenen Spielern erzielt wurden, zeigt zudem, dass Argentinien offensiv nicht mehr allein von Messi abhängig ist.
Platz 6: Niederlande
In der WM-Geschichte gibt es wohl kein unglücklicheres Land als die Niederlande. Dreimal bereits war der Titel zum Greifen nah, doch ausgerechnet auf den letzten Metern verliess die Niederländer das nötige Glück. Hinzu kommen fast genauso bittere Halbfinal- und Viertelfinal-Niederlagen, wie zum Beispiel vor vier Jahren, als der spätere Weltmeister Argentinien in einem hochemotionalen Spiel erst im Elfmeterschiessen triumphierte. Dieses Jahr nimmt die «Elftal» die Mission Weltmeister ein weiteres Mal in Angriff. Die Qualifikation verlief problemlos und ohne Niederlage. Dass mit der niederländischen Mannschaft an jedem Turnier zu rechnen ist, zeigt auch die Halbfinal-Teilnahme an der EM 2024 oder der WM 2014, als mit vielen jungen Spielern der dritte Platz erreicht wurde. Die Gruppenphase wird viel Aufschluss über das Potenzial des Teams von Ronald Koeman geben, denn die Gruppe F mit Japan, Schweden und Tunesien ist alles andere als ein Selbstläufer.
Platz 7: Deutschland
Die letzten beiden Weltmeisterschaften endeten für unseren Nachbarn in einem Desaster. 2018 und 2022 schaffte es Deutschland nicht, die Gruppenphase zu überstehen. Die Mannschaft besitzt das Potenzial, an dieser WM weit zu kommen, muss jedoch mehr Konstanz in ihren Leistungen zeigen, um wieder ganz an die Weltspitze anzuschliessen. Im Vorfeld der WM sorgten einige Personalentscheide von Bundestrainer Julian Nagelsmann für Diskussionen. Insbesondere die Rückkehr von Manuel Neuer ins Tor wurde kritisch hinterfragt, nachdem Oliver Baumann in den vergangenen Monaten solide Leistungen gezeigt hatte. Unabhängig davon hat Deutschland genügend Qualität und Erfahrung, um ein gutes Turnier zu spielen – auch wenn die Erwartungen derzeit etwas vorsichtiger ausfallen als bei früheren Weltmeisterschaften. Klar ist aber auch: In der Gruppe E mit Curacao, der Elfenbeinküste und Ecuador wird von der deutschen Nationalmannschaft nicht anderes als der Gruppensieg erwartet.
Platz 8: Brasilien
In einer solchen Aufzählung darf Brasilien nicht fehlen. Das Land ist durch und durch fussballverrückt und lebt den Sport wie kaum ein anderes. Seit 1990 stiess die «Selecão» immer mindestens bis in den Viertelfinal vor. Doch es scheint, als ob die historische 1:7-Niederlage von 2014 gegen Deutschland ein nachhaltiges Trauma ausgelöst hat. 2018 und 2022 schied man jeweils im Viertelfinale gegen Gegner aus, die auf dem Papier schlagbar gewesen wären. Der Ruf Brasiliens als WM-Supermacht bröckelt, das «Joga Bonito», der künstlerische und verspielte Fussball, wofür Brasilien jahrelang bekannt war, ist einem taktischeren Spiel gewichen. Auch die Qualifikation verlief nicht wunschgemäss. Doch unter Carlo Ancelotti hat sich die Mannschaft nun stabilisiert und ist wieder bereit, für Furore zu sorgen. Auch wenn die «Selecão» nicht mehr so dominant auftritt wie früher, ist aufgrund der Erfahrung, des Kaders und des spielerischen Niveaus mit Brasilien an einer WM immer zu rechnen.
Platz 9: Schweiz

Die Schweiz der Favoritenschreck schlechthin und kann an einem guten Tag jede Nation schlagen. Vor allem an der EM zeigte sich das bereits deutlich, als 2021 Weltmeister Frankreich und 2024 Italien von den Eidgenossen aus dem Turnier befördert wurden. Die Schweiz wartet sehnlichst auf den ersten Viertelfinal seit 1954. Das Potenzial ist definitiv vorhanden, vor allem in den letzten beiden Turnieren konnte die Mannschaft allerdings ausgerechnet im Achtelfinal nicht die gewünschte Leistung abrufen. Die Schweiz reist mit einem starken Kader an und die Qualifikation macht Mut und Hunger auf mehr. Sobald im Achtelfinal der Schalter umgelegt und der Achtelfinal endlich überstanden werden kann, ist dieser Schweizer Mannschaft einiges zuzutrauen.
Platz 10: Uruguay
Uruguay ist eine der konstantesten Nationen der jüngeren WM-Geschichte. Ausser 2022 überstand das Land seit 2010 immer die Gruppenphase und stiess 2010 bis in den Halbfinal vor. 2014 konnte Uruguay sich in der Todesgruppe mit Italien und England durchsetzen und 2018 schied man erst im Viertelfinal gegen den späteren Weltmeister Frankreich aus, nachdem im Achtelfinal mit Portugal der amtierende Europameister ausgeschaltet wurde. Das oft unterschätzte Uruguay setzte in der Qualifikation mit Siegen gegen Brasilien, Argentinien und Kolumbien erste Ausrufezeichen und hat das Potenzial, mit Spielern wie Ronald Araujo, Federico Valverde und Darwin Nuñez eine der Überraschungsmannschaften des Turniers werden. Das Gruppenspiel gegen Spanien verspricht bereits viel Spannung.
Unsere Geheimfavoriten
Marokko war bereits vor vier Jahren die Überraschung schlechthin, als die Nordafrikaner auf dem Weg in den Halbfinal Spanien und Portugal besiegten und das beste Ergebnis einer afrikanischen Mannschaft der WM-Geschichte realisierten. Vier Jahre später ist das Selbstverständnis ein anderes, viele trauen Marokko wieder ein magisches Turnier zu. Marokko dominiert den afrikanischen Fussball, was sich auch in der Qualifikation zeigte: als einzige Mannschaft konnte Marokko alle Quali-Spiele gewinnen. Die Spieler strotzen vor Selbstvertrauen, ein Sieg über Brasilien im ersten Gruppenspiel ist keinesfalls ausgeschlossen. Wenn alles passt, sehen wir dieses Jahr vielleicht sogar erstmals eine afrikanische Mannschaft in einem WM-Final. (ank)

Die Türkei könnte als grosse Überraschung dieser Weltmeisterschaft in Erinnerung bleiben. Das ganze Land ist nach der ersten WM-Teilnahme seit 24 Jahren in eine riesengrosse Euphorie verfallen. Sollte sich diese Euphorie auf die türkische Mannschaft übertragen, könnte sie bei der Weltmeisterschaft für die eine oder andere Überraschung sorgen. Mit Spielern wie Arda Güler von Real Madrid, Kenan Yildiz von Juventus Turin oder Hakan Calhanoglu besitzt die Türkei im Mittelfeld Spieler mit Weltklasse-Format. Dank dem 4:0-Sieg über Nordmazedonien und dem 2:1-Erfolg über Venezuela in den letzten beiden Vorbereitungsspielen, dürfte die Türkische Mannschaft voller Selbstvertrauen sein. Bei der letzten WM-Teilnahme 2002 in Japan und Südkorea, belegten die Türken den sensationellen 3. Platz. In der Gruppe D mit Paraguay, Australien und Gastgeber USA ist der Gruppensieg ein realistisches Ziel. Passt alles zusammen, ist wie bei der letzten WM-Teilnahme eine Top-Platzierung möglich. (dal)


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