Fussballnationalmannschaft

Der Umbruch beginnt erfolgreich: Vier positive Signale der Schweizer Nati

Zwei Spiele, zwei Siege – und das trotz turbulenter Tage neben dem Platz. Die Nati überzeugt zum Start in die Nations League, während sich Ardon Jashari aufdrängt und die nächste Generation bereits ihre Spuren hinterlässt. Vier Erkenntnisse vor den beiden Heimspielen in Luzern.

Es ist Halbzeit. Zumindest in diesem Länderspielfenster. Zwei von vier Partien hat die Schweizer Fussballnationalmannschaft in der Nations League bereits absolviert, auswärts in Nordmazedonien und Schottland. Jetzt geht es zu Hause erst gegen Slowenien am Samstag und dann erneut gegen Nordmazedonien am Dienstag, 6. Oktober, bevor die Nationalspieler wieder zu ihren Klubs entfliegen. Zeit für ein erstes Zwischenfazit rund um die Nati.

Die turbulenten Tage machen sich nicht bemerkbar

Die Aufruhr war riesig. Erst bleibt mit Granit Xhaka der Captain in diesem Länderspielfenster fern, weil er gefälschte Covid-Impfzertifikate erworben hat. Dann darf Breel Embolo nicht anreisen, weil er Covid-Testzertifikate gekauft hat und zu einer Geldbusse verurteilt wurde.

Der erste Zusammenzug nach der Weltmeisterschaft findet also ohne zwei der wichtigsten Akteure statt. Und was macht der Rest des Teams? Der ist offenbar komplett unbeeindruckt davon. In beiden Partien tritt die Nati reif auf, abgeklärt, souverän. Nichts ist da zu spüren von den Diskussionen. Zwar ist das Thema mitnichten ad acta gelegt, hat sich auch Murat Yakin wiederholt dazu geäussert und durchblicken lassen, dass eine gewisse Leichtigkeit abhandengekommen ist. Auf die jeweils 90 Minuten auf dem Rasen hat das aber keinen Einfluss. Ein starkes Zeichen.

Ardon Jashari nutzt seine Chance im Nationalteam

Einer jener Spieler, denen die Absenz vom Captain insbesondere zugute kommt, ist Ardon Jashari. Der Milan-Spieler musste seit seiner Integration ins Nationalteam im Herbst 2022 stets hinter Xhaka anstehen. Zu ähnlich sind sich ihre bevorzugten Rollen, zu sehr beanspruchen beide denselben Raum im defensiven Mittelfeld, der Schaltzentrale des Spiels.

Gegen Nordmazedonien und Schottland rückt Jashari in die Startelf, und gerade im Heimatland seiner Eltern zeigt er im zwölften Länderspiel eine seiner besten Leistungen im Dress der Nati. Der 24-Jährige läuft clever Räume zu, überzeugt mit Ballsicherheit und garniert seine Auftritte mit schlauen Schnittstellenpässen. Gegen Schottland mag er etwas dezenter agiert haben, aber nicht minder überzeugend. So hat Jashari, dem bei der AC Milan noch immer die regelmässige Spielzeit fehlt, Argumente dafür gesammelt, auch dann mehr Minuten zu erhalten, wenn Xhaka zurückkehrt. Vielleicht auch an der Seite des Captains?

Die neuen Aussenverteidiger machen Hoffnung

Die Nations-League-Kampagne, das war vor den Unruhen schon klar, soll einen leichten Umbruch einleiten. Die Liga B bietet optimale Voraussetzungen, um neue Spieler zu testen und Antworten auf die Frage zu finden, wie die Zukunft dieser Nationalmannschaft aussehen soll.

Eine wichtige Antwort dürfte Murat Yakin schon nach den ersten zwei Partien bekommen haben: Auf den Aussenverteidigerpositionen kommen mit Zachary Athekame und Sascha Britschgi zwei Spieler nach, auf die er wohl wird bauen können. Insbesondere Athekame, der beide Partien von Beginn an bestritt, hat eine starke Visitenkarte abgegeben. Zwei Assists gegen Nordmazedonien, zwei defensiv tadellose Leistungen und ein sattes Lob von Yakin zu seinem Offensivdrang  gab es für den 21-Jährigen.

Britschgi kam jeweils für Routinier Ricardo Rodriguez in die Partie. Den immer noch unverzichtbaren, ewigen Rodriguez zu ersetzen, ist keine einfache Aufgabe. Britschgi hat aber bewiesen, dass er kurzfristig als Backup, langfristig vielleicht auch als Nachfolger eine mehr als valable Option ist. Und: Britschgi kann auch auf rechts verteidigen – und Yakin ist bekanntermassen ein Fan von Variabilität.

Der Flow der Nati begünstigt die Eingewöhnung

Es sind aber nicht nur Britschgi und Athekame, die sich nahtlos und scheinbar ohne irgendwelche Adaptionsschwierigkeiten in die Mannschaft einfügen. Auch Winsley Boteli, der Shootingstar der Super League und Debütant in der Nationalmannschaft gegen Nordmazedonien, scheint im Nationalteam problemlos dort anknüpfen zu können, wo er im Klub mit Sion aufgehört hat.

Das liegt mit Sicherheit an den Neulingen selbst, aber nicht nur. Die Schweizer Nati als Kollektiv bietet einen Nährboden, der das Einleben erleichtert. Das sagt auch Michel Aebischer und ergänzt: «Sie haben die Aufgabe aber auch super angenommen. Sie hören zu, wenn man ihnen etwas sagt. Es waren aber sicher auch zwei gute Spiele für sie, um hereinzukommen. Wir hatten jeweils viel Ballbesitz und ich denke, es ist immer einfacher, gut anzukommen in einer Mannschaft und um Selbstvertrauen zu tanken, wenn man viel den Ball hat.»

Satte 77 Prozent Ballbesitz waren es mit einem Mann mehr gegen Schottland, im Auftaktspiel gegen Nordmazedonien 59 Prozent. Nun folgen mit den Heimspielen in Luzern noch einmal zwei Partien, die sich ähnlich gestalten und diesen Eindruck weiter festigen könnten. Und der Nati die Chance bieten, einen zumindest sportlich makellosen Länderspielherbst fortzusetzen.

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