Es sind noch mehr als zehn Minuten zu spielen, als die schottischen Fans in Strömen das Stadion verlassen. Die Tartan-Army, wie sich die Anhänger nennen, hat genug gesehen. Fast gleichzeitig mit dem Massenexodus erzielt Zeki Amdouni das 3:0 der Schweizer Fussballnationalmannschaft und besiegelt gegen Schottland einen Sieg, der zu keinem Zeitpunkt je in Gefahr war.

Auch, weil sich schon früh in dieser zweiten Nations-League-Partie die entscheidende Spielszene zuträgt. Die Ganzkörper-Gänsehaut bei den Zuschauenden im altehrwürdigen Hampden Park in Glasgow hat sich nach den Nationalhymnen kaum gelegt, als Michel Aebischer – der einzige Neue in der Startelf im Vergleich zum Samstag - Dan Ndoye lanciert. Dieser zieht mit seinem Tempo an und entwischt Jack Hendry. Der schottische Verteidiger weiss sich nur mit einem Foul zu helfen, das nach langer VAR-Überprüfung einen Platzverweis zur Folge hat. Und das in der elften Minute.
Den daraus resultierenden Freistoss direkt an der Strafraumgrenze zaubert Ricardo Rodríguez wunderbar ins Tor. Sein zehntes Länderspieltor im 146. Einsatz für die Schweizer Nati ist wohl eines seiner schönsten.
Wieder hapert es bei der Chancenauswertung
Danach drücken die Schweizer vehement auf den zweiten Treffer. Und wie schon am Samstag in Skopje läuft viel bei den Schweizern über die linke Seite. Doch die Schotten halten in den ersten Minuten nach dem Platzverweis gut mit. Man kann sich fragen, wie diese Partie ausgegangen wäre, wären die Gastgeber nicht so lange in Unterzahl gewesen.
Dass es zur Pause jedoch lediglich 1:0 steht für die Schweizer, liegt trotzdem mehr an der Ungenauigkeit der Abschlüsse von Ndoye, Zeki Amdouni oder dem bei jedem Ballkontakt ausgepfiffenen Johan Manzambi denn an der Abwehr Schottlands. Die Effizienz, sie bleibt wie schon am Samstag beim Auftakt in die Nations-League-Kampagne das grösste Sorgenkind bei der Nati.
Doch während die Schweiz dennoch einen überzeugenden Auftritt hinlegt und die volle Kontrolle hat, verlieren sich die Schotten ein wenig in ihren Emotionen und reiben sich mehr am Schiedsrichter denn am Gegner auf. So ist nach Wiederanpfiff die Energie der Gastgeber gefühlt auch schon verpufft.
Die Schweizer reihen ihrerseits auch im zweiten Durchgang Chance an Chance. In der 55. Minute sorgt Nico Elvedi mit dem 2:0 für die Vorentscheidung. Nach einem wunderbaren Zuspiel Ndoyes schiebt der Innenverteidiger ein. Damit reiht er sich nach Remo Freuler am Samstag und Rodríguez zum 1:0 in die Liste der Routiniers ein, die in diesem Herbst für Tore sorgen. Und krönt seine seit der WM so starken und fehlerfreien Darbietungen.

Nicht allen Schweizer Teams läuft es so gut
Während die A-Nationalmannschaft in Glasgow nie Gefahr läuft, dieses Spiel aus der Hand zu geben, setzte es ein paar Stunden vorher für die Schweizer U21 eine heftige Pleite ab. Gleich mit 1:5 unterlag das Team von Alex Frei Island und bangt nun um die Qualifikation für die EM im nächsten Sommer.
Am letzten Spieltag am kommenden Dienstag müssen die Schweizer ausgerechnet beim Gruppenersten Frankreich gewinnen, um nicht zu riskieren, dass die um zwei Punkte zurückliegenden Isländer mit einem Sieg auf den Färöern die Schweiz noch überholen können. Dann wären die Schweizer nicht am Turnier dabei.
Für die A-Nati geht es derweil nicht um die Teilnahme an einem Turnier, sondern um den Wiederaufstieg in die Liga A in der Nations League. Nach zwei von vier absolvierten Partien in diesem Länderspielfenster stehen die Schweizer mit dem Punktemaximum da. Jetzt folgen noch die zwei Heimspiele gegen die im Vergleich mit Schottland schwächer einzustufenden Slowenen und Nordmazedonier.

Das Team von Murat Yakin, der am Tag zuvor mit Gehörproblemen zu kämpfen hatte, ist folglich voll auf Kurs. Und der Trainer kann sich nicht nur über den zweiten Sieg freuen, sondern auch darüber, wie einzelne Akteure performen. Zachary Athekame zeigt auch am Dienstagabend eine bärenstarke Leistung und Abgebrühtheit, die für einen 21‑Jährigen beachtlich ist. Und auch Ardon Jashari zeigt seine zweite tolle Leistung und nutzt die Abwesenheit von Granit Xhaka.
Damit reisen die Schweizer beflügelt in die Heimat, wo am Samstag in Luzern Slowenien wartet. Alles andere als eine weitere, überzeugende Leistung wäre eine grosse Überraschung.
Hampden Park. – SR: Minakovic. – Tore: 12. Rodriguez 0:1. 55. Elvedi 0:2. 82. Amdouni 0:3. – Schweiz: Kobel; Athekame, Elvedi, Akanji, Rodriguez (62. Britschgi); Freuler, Jashari (70. Sierro); Aebischer, Manzambi (62. Rieder), Ndoye (86. Itten); Amdouni (85. Sanches).
Liga B1: Slowenien-Nordmazedonien 2:0. – Rangliste (alle 2 Spiele): 1. Schweiz 6. 2. Slowenien 4. 3. Schottland 1. 4. Nordmazedonien 0.


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