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Olympische Spiele

Einst sammelten Freunde Geld, um seine Karriere zu retten – jetzt ist Franjo von Allmen dreifacher Olympiasieger

Nach Abfahrt und Team-Kombi räumt der 24-jährige Franjo von Allmen auch im Super-G gross ab. Auf Rang drei landet Marco Odermatt.

So wirklich fassen konnte es Franjo von Allmen nicht, das sah man ihm an. Dreimal olympisches Gold hat er gewonnen. Und das innerhalb von nur fünf Tagen. Immer wieder schüttelte er seinen Kopf. Dann strich er sich Sonnencreme ins Gesicht. Drei Streifen pro Backe – für jeden Titel einen.

Das Bild passt perfekt. Franjo von Allmen ist der strahlende Held dieser so wunderbar-verrückten Tage in Bormio. In der Abfahrt schien die Sonne, in der Team-Kombination auch. Und als dann am Mittwochmorgen Wolken über der Strecke hingen, drückte die Sonne gerade noch rechtzeitig vor dem Super-G-Start über die Berggipfel – direkt über der Olympia-Piste.

Schon wieder Gold: Franjo von Allmen gewinnt auch den Super-G.
Bild: AP

Das Glück mit der frühen Startnummer

Franjo von Allmen, der Sonnengott. Zumindest im Super-G stimmte das teilweise. «Als ich ins Ziel kam, hätte ich nicht gedacht, dass meine Fahrt für eine Medaille reicht, doch dann wurde die Piste langsamer», sagt er. Die Temperaturen in Bormio setzten der ohnehin weichen Piste zu. Je länger das Rennen dauerte, desto unwahrscheinlicher wurden Topzeiten.

Direkt nach seiner Fahrt wusste Franjo von Allmen noch nicht, wie gut seine Leistung wirklich war.
Bild: Keystone

Franjo von Allmen trug die Startnummer sieben. Der US-Amerikaner Ryan Cochran-Siegle fuhr mit der Drei auf Rang zwei. Marco Odermatt – er startete als Zehnter – war der Letzte, der einigermassen mithalten konnte. Am Ende gewann er Bronze. Nur 28 Hundertstel war er langsamer als von Allmen. «Man hat schon gesehen, dass die Piste leidet», sagte auch er.

Odermatt war aber wichtig zu betonen, dass seine Startnummer schon noch okay gewesen sei: «Ich machte ein, zwei kleine Fehler zu viel. Und wenn einer in einem Flow ist wie Franjo gerade, verträgt es das nicht.»

Marco Odermatt verlässt den Zielraum enttäuscht.
Bild: EPA

Ein Erfolg von historischer Dimension

Ein Flow – das trifft es ziemlich gut. Franjo von Allmen schrieb in Bormio gleich in mehrfacher Weise Skigeschichte. Als erster Schweizer Skifahrer gewann er erst zwei – und nun sogar drei olympische Goldmedaillen. Selbst ehemalige Grössen wie Pirmin Zurbriggen, Bernhard Russi oder Beat Feuz haben nur eine olympische Goldmedaille bei sich zu Hause.

Bei den Frauen bringt es Vreni Schneider als erfolgreichste Schweizerin ebenfalls auf drei Goldmedaillen, allerdings gewann sie diese an zwei verschiedenen Spielen – 1988 in Calgary und 1994 in Lillehammer.

Drei Goldmedaillen von einem Sportler an den gleichen Olympischen Spielen gab es in der Geschichte des Schweizer Sports überhaupt erst dreimal. Neben von Allmen gelang dieses Kunststück auch dem Turner Georges Miez und dem Schützen Konrad Stäheli. Das liegt allerdings schon weit zurück. Stäheli war im Jahr 1900 dreimal erfolgreich, Miez 1928.

Bei von Allmen geht alles etwas schneller

Innerhalb von nur einem Jahr wurde Franjo von Allmen zu einem der erfolgreichsten Schweizer Sportler überhaupt – zumindest gemessen an gewonnenen Goldmedaillen bei Grossanlässen. Vor einem Jahr wurde der Berner schon Weltmeister in der Abfahrt und gewann dann ebenfalls die Team-Kombination – damals gemeinsam mit Loïc Meillard. An den Olympischen Spielen in Italien siegte er an der Seite von Tanguy Nef.

Dabei ist von Allmen erst 24. Vor nicht einmal drei Jahren debütierte er im Weltcup. Nun steht er ganz oben auf dem Olymp. Doch bei von Allmen geht alles ein wenig schneller als bei anderen. In seiner erst zwölften Abfahrt im Weltcup stand er erstmals auf dem Podest. Selbst einem wie Beat Feuz gelang das erst nach über 30 Abfahrten – nur zum Vergleich.

Franjo von Allmen wird oft mit Beat Feuz, dem heutigen SRF-Experten, verglichen.
Bild: Keystone

Mit Feuz wurde von Allmen vor allem zu Beginn seiner Karriere ohnehin oft verglichen. Vor allem natürlich, weil beide Berner sind. Aber nicht nur. Von Feuz übernahm von Allmen einst auch einen Renn-Ski und wurde damit vor einem Jahr Weltmeister. Und seit zwei Jahren kümmert sich mit Sepp Kuppelwieser jener Servicemann für von Allmens Ski, der schon die Siegerlatten von Feuz bei dessen Olympiasieg 2022 in Peking präparierte.

Ein Schweizer Olympiasieger im Super-G gab es vor von Allmen allerdings noch nie. Beat Feuz gewann 2018 Silber, genau wie Didier Cuche 1998. Dazu kommt der Bronzegewinn von Ambrosi Hoffmann bei Olympia 2006. Auch dieser Fakt unterstreicht die historische Komponente des Erfolgs.

Das Skifahren lernte von Allmen am Jaunpass. Als Kind baute er am liebsten Schanzen und sprang mit Salti darüber. Von einer Skikarriere träumte er anders als beispielsweise Marco Odermatt nie. Trotzdem schloss er sich dem Skiklub Boltigen an – und war schon früh schnell.

Als von Allmen 17 war, geriet seine Karriere allerdings in Gefahr. Nach dem unerwarteten Tod seines Vaters wurde das Geld knapp. Doch Freunde und Fans sammelten für ihn. Rund 16'000 Franken kamen zusammen – und von Allmens Weg als Skifahrer ging weiter. All diese Erlebnisse haben den heute 24-Jährigen geprägt. Er selbst schloss eine Lehre als Zimmermann ab, als zweites Standbein, falls es mit der Skikarriere nicht klappen sollte.

Jetzt ist er dreifacher Olympiasieger. «Unglaublich geil», findet er das. Trotzdem denkt von Allmen, der mit seinem Bruder noch immer im ehemaligen Elternhaus wohnt, oft zurück an das Leben auf der Baustelle. Sein Weg hat ihn gelehrt, demütig zu bleiben. Selbst als neuer Ski-König.

In Boltigen, der Heimatgemeinde von Franjo von Allmen, verfolgte auch der Gemeindepräsident den sensationellen Super-G-Sieg des Berners und freut sich über dessen drittes Olympia-Gold:

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