
Die Team-Kombination war schon lange vorbei, da hing die Schweizer Fahne noch immer in der Leaderbox. Franjo von Allmen hatte sie über die Lehne des Stuhls für den Führenden gehängt und dann einfach vergessen.
Noch während des Rennens war von Allmen in die Fahne gehüllt in den Zielraum gestürmt und hatte Tanguy Nef umarmt. Nef hatte gerade einen traumhaften Slalomlauf in den Schnee von Bormio gezaubert und damit die Basis für den gemeinsamen Sieg in der Team-Kombination gelegt. Keiner der noch folgenden Slalomcracks konnte Nefs Zeit unterbieten.
Eigentlich hätte man die Schweizer Fahne auch einfach in der Leaderbox hängen lassen können. Der Leaderthron scheint an diesen Olympischen Spielen für von Allmen reserviert. Am Samstag gewann er die Abfahrt, am Montag folgte der Sieg in der Team-Kombination. Und auch im Super-G am Mittwoch wird der 24-jährige Berner zu den grossen Favoriten zählen.
Odermatt holt sich Vertrauen für den Super-G
Drei Goldmedaillen an den gleichen Olympischen Spielen gewannen in der Geschichte des Skisports erst zwei Athleten: der Österreicher Toni Sailer 1958 in Cortina und der Franzose Jean-Claude Killy 1968 in Grenoble. Als von Allmen gefragt wird, ob er sich der historischen Chance bewusst sei, sagt er: «Ich bin nicht so gut in Geschichte. Warten wir besser mal ab.»
Schweizer Sportgeschichte hat von Allmen ohnehin bereits geschrieben. Als erster Schweizer gewann er zwei olympische Goldmedaillen. Das schafften weder Pirmin Zurbriggen noch Bernhard Russi. Selbst Marco Odermatt hat bisher erst eine olympische Goldmedaille in seinem Besitz.
In der Team-Kombination belegte Odermatt gemeinsam mit Loïc Meillard Rang zwei – zeitgleich mit dem österreichischen Duo Vincent Kriechmayr und Manuel Feller. Die Basis für den Medaillengewinn legte Odermatt als Dritter in der Abfahrt. Nur Giovanni Franzoni und Alexis Monney waren schneller. «Das war eine wichtige Reaktion», sagte Odermatt. «Ich bin wieder mit freiem Kopf gefahren.» Das gebe Zuversicht für den Super-G.
Odermatt hat inzwischen auch analysiert, warum er in der Olympia-Abfahrt am Samstag die Medaillenränge als Vierter knapp verpasst hat. «Nach drei Trainingsfahrten, drei Videoanalysen und unzähligen Visualisierungen wollte ich es zu gut machen und klebte an der Linie», sagte er. Der Start in der Team-Kombination habe diese Blockade gelöst.

Vor einem Jahr an der WM war Odermatt in der Team-Kombination nur Zuschauer, als die Schweizer einen Dreifachsieg feierten. In Bormio war er nun Teil des Teams. «Ich war sehr nervös, als Loïc fuhr», sagte er. «Sonst sind wir im Riesenslalom meist Rivalen, wenn es um die Spitzenplätze geht. Jetzt gemeinsam mit ihm diesen Erfolg zu feiern, fühlt sich gut an.»
Meillard fährt einen schwachen Slalom
Meillard wurde in der Team-Kombination vor einem Jahr zusammen mit Franjo von Allmen Weltmeister. An den Olympischen Spielen ging er nun aber mit Odermatt an den Start, da die Trainer die Teams aufgrund der jeweiligen Klassierungen in den Weltranglisten der Abfahrt und des Slaloms bildeten. Und da schwingen Odermatt und Meillard oben aus.
Dieses Vorgehen hat von Allmen indirekt zum Olympiasieger gemacht. In der Abfahrt war er 14 Hundertstelsekunden langsamer als Odermatt. Weil aber Nef im Slalom Laufbestzeit fuhr und Meillard nur Rang 15 unter den Spezialisten belegte, schob sich das Duo von Allmen/Nef noch deutlich vor Odermatt/Meillard. «Heute hat es Tanguy gerichtet», sagte von Allmen.
Bei Halbzeit schien gar eine Wiederholung des Schweizer Dreifachsieges von der WM denkbar. Doch Daniel Yule konnte die gute Ausgangslage, die Alexis Monney mit Rang zwei in der Abfahrt geschaffen hatte, nicht nutzen. Er fuhr im Slalom auf Rang 19, was dem Duo den 13. Schlussrang brachte.
Ähnlich wie Monney erging es Giovanni Franzoni. Der Italiener, der in der Olympia-Abfahrt hinter Sieger von Allmen Silber gewann, absolvierte die Abfahrt am schnellsten. Sein Teamkollege Alex Vinatzer belegte im Slalom dann aber nur Rang 18. Am Ende klassierte sich das Duo so auf Rang 7. Das vierte Schweizer Team mit Stefan Rogentin und Matthias Iten wurde 18.


Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.