
Damit hätte niemand gerechnet: Der Innerschweizer Gegor Deschwanden sichert sich im Skispringen von der Normalschanze die Bronzemedaille, punktgleich mit dem Japaner Ren Nikaido. Überlegener Sieger wird der Deutsche Philipp Raimund vor dem Polen Kacper Tomasiak.
Deschwanden fliegt in beiden Durchgängen zwischenzeitlich Schanzenrekord – und weil auch die Landungen gelingen, ist die Überraschung perfekt. Nach dem ersten Durchgang lag Deschwanden noch 0,1 Punkte hinter dem Bronzeplatz. Mit seinem zweiten Sprung machte er auf Kosten des Franzosen Valentin Foubert noch einen Platz gut.
Deschwanden, der in seiner Karriere sechs Mal auf dem Weltcup-Podest stand, ist nach dem Coup sichtlich überrumpelt und weiss gar nicht, wen er alles umarmen soll. Auch SRF-Kommentator Beat Sprecher kann den Medaillengewinn kaum fassen und jubelt mit dem Spruch: «Ich glaube, mich knutscht eine Fledermaus!»
Später im SRF-Interview gesteht der strahlende Deschwanden: «Ich habe gar keine Kleider mitgenommen für die Medaillenfeier und musste mir von den Teamkollegen eine Jacke ausleihen. Dafür sind Teamkollegen doch da!» Und weiter: «Ich habe gewusst, dass es für eine Medaille reichen kann, wenn mir zwei Topsprünge gelingen. Nach dem ersten Sprung habe ich mich gleich ein paar Zentimeter grösser gefühlt. Es ist einfach der Hammer, dass es geklappt hat!»
Deschwanden ist erst der dritte Schweizer, der eine Skisprung-Medaille an Olympischen Spielen gewinnt. Über allen thront natürlich Simon Ammann mit seinem Doppel-Doppel-Gold 2002 in Salt Lake City und 2010 in Vancouver. 1972 sicherte sich Walter Steiner in Sapporo Silber von der Grossschanze.
Kontroverse um Simon Ammann vor den Olympischen Spielen
Das Schweizer Skispringer-Team hat bewegte Tage hinter sich: Im Vorfeld der Olympischen Spiele stellte sich dem Trainerteam die Frage, ob Legende Simon Ammann den Vorzug vor dem aufstrebenden Felix Trunz bekommen sollte. Der 44-Jährige Ammann bekam keinen Startplatz, was heisse Diskussionen auslöste. Diese dürften nach Deschwandens Bronze-Coup, mit dem er auf den Spuren des letzten Schweizer Skisprung-Medaillengewinners Simon Amman wandelt, vorerst erledigt sein.
Neben Deschwanden qualifizierten sich auch die anderen Schweizer für den zweiten Durchgangen und beendeten den Wettkampf auf den Rängen 18 (Felix Trunz) und 29 (Sandro Hauswirth).



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