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Olympische Spiele 2026

Vom Trainer im Stich gelassen: Wie Olympiasiegerin Mathilde Gremaud allen Widerständen trotzte

Mathilde Gremaud zeigt im Slopestyle-Final eine entfesselte Leistung. Die Freiburgerin gewinnt zum zweiten Mal nach 2022 Olympiagold. Es ist ein Sieg mit einer speziellen Vorgeschichte.
Mathilde Gremaud präsentiert am Montag ihre Goldmedaille.
Bild: IMAGO/Jari Pestelacci

Ungläubig hielt sie die Hände vor das Gesicht. «Oh my God», war von Mathilde Gremaud zu hören. Mit ihrem zweiten Run entrückte sie im Olympischen Slopestyle ihren Konkurrentinnen. Die Jury notierte 86,96 Punkte für die Performance. Gremaud liess das Schwierige so leicht aussehen. Über den zweiten Kicker zeigte sie einen Switch Double Cork 1260. Rückwärts anfahren, zwei Schrauben, dreieinhalb Drehungen – ein wahnsinniger Sprung, ausgeführt mit der Lässigkeit jahrelanger Erfahrung.

«Es ist einfach krank, dass ich das geschafft habe», sagte Gremaud später im Ziel. Ihre wunderbare olympische Erfolgsgeschichte bekam damit eine Fortsetzung. 2018 in Pyeongchang gewann sie die Silbermedaille im Slopestyle. 2022 in Peking komplettierte sie den Medaillensatz und gewann Gold im Slopestyle und Bronze im Big Air. Und nun verteidigte sie den Olympiasieg. Trotz schwierigen Umständen.

Der beste Trainer der Szene

Es ist eine Medaille mit einer speziellen Vorgeschichte. Kurz vor Olympia verlor Gremaud ihren Trainer Misra Torniainen an ihre härteste Konkurretin Eileen Gu. Bei Gu handelt es sich um einen Star der Szene. Sie ist in San Francisco geboren und startet für China, das Heimatland ihrer Mutter. Sie ist Stanford-Studentin, Model und nicht zuletzt eine begnadete Freeskierin. Laut Forbes verdient sie 23 Millionen Dollar jährlich.

Torniainen entschied sich also, Eileen Gu zu Olympiagold zu coachen. Man muss zum Schweizer mit italienischen und französischen Wurzeln wissen: Er gilt als der beste Trainer dieses Sports. Torniainen hat nicht nur Gremaud und Sarah Höfflin an die Weltspitze gebracht, sondern auf der Männerseite auch Andri Ragettli oder Fabian Bösch.

Für Gremaud war es ein schmerzhaftes Déjà-Vu. Denn sie wurde nicht zum ersten Mal von Torniainen verlassen. Schon vor Olympia 2022 sprang er ab. Und auch damals, um Eileen Gu zu unterstützen. Gremaud sagte deshalb im Vorfeld der Olympischen Wettkämpfe: «Zweimal ist genug. Das Kapitel ist nun für mich abgeschlossen.» Und gleichwohl offenbarte sie, dass die vergangenen Wochen sehr belastend gewesen seien.

Mathilde Gremaud auf ihrer Triumphfahrt.
Bild: Sergei Ilnitsky/EPA

Harte Bewertung im ersten Run

In der Qualifikation zum Slopestyle-Final schien sich aber alles zu entkrampfen. Gremaud sagte nach erfolgreicher Quali: «Ich spürte, wie sich der Druck löste. Das half mir, befreit zu fahren.» Sie erzielte die höchste Punktzahl und liess ihre ärgste Konkurrentin, Gu, hinter sich. Die restlichen Fahrerinnen konnten mit den beiden nicht wirklich mithalten. Es zeichnete sich ein Duell ab in der Medaillenentscheidung.

Als es am Montag um die Medaillen ging, startete Gremaud stark. Sie zeigte einen technisch anspruchsvollen Run. Einzig im oberen Sektor, dort wo die Rails sind, unterlief ihr eine klitzekleine Unsicherheit. Die Jury bewertete den Wackler streng.  Gremaud kam auf eine tiefere Punktzahl als Eileen Gu und stand erneut unter Druck. Auch SRF-Experte Elias Ambühl befand: «Das ist hart bewertet.»

Von Gremaud war erneut Resilienz gefragt. Sie sagte: «Das hat mich motiviert, um es noch besser zu machen.» Die Freiburgerin, die am Sonntag ihren 26. Geburtstag feierte, zerbrach aber nicht, sondern setzte mit einer spielerischen Performance nach. Der zweite Run sollte ihr die Goldmedaille bringen. Den Abschnitt mit den Rails brachte sie ohne Wackler hinter sich. Und bei den drei Sprüngen flog sie allen übrigen Teilnehmerinnen davon.

Der dritte Durchgang verkam schliesslich nur noch zur Triumphfahrt. Weil Eileen Gu in der Rail-Sektion patzte, konnte sie Gremaud nicht mehr von Platz 1 verdrängen. Mit einer Schweizer Flagge umgehängt, fuhr sie ein letztes Mal den Parcour ab. Gu musste sich mit der Silbermedaille begnügen. Bronze ging an die Kanadierin Megan Oldham. Die Bündnerin Giulia Tanno, die zweite Schweizerin im Final, gewann als Sechste ein Diplom.

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