Während der letzten Winterspiele 2022 in Peking hatte die Schweiz allen Grund, zu jubeln: Rang 8 im Medaillenspiegel, 15 Medaillen, davon 7 Mal Gold. Nur 1988 in Calgary und 2018 in Pyeongchang gab es ebenfalls 15 Medaille, 2014 in Sotschi gleich viele Olympiasiege. In Peking erlebte die Sportnation Schweiz die erfolgreichsten Winterspiele der Geschichte.
Nun, elf Tage vor der Eröffnungsfeier der Winterspiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo (6. bis 22. Februar), gab Swiss Olympic die letzten Selektionen bekannt. Hier erfahren Sie, wer dabei ist, wer im Aufgebot fehlt, und wie viele Medaillen die Schweiz in Italien gewinnen soll.
Wie ist die Zielsetzung?
Zuletzt in Peking 2022 und Pyeongchang 2018 gab es je 15 Medaillen für die Schweizer Delegation. Dennoch sagt Delegationsleiter Ralph Stöckli: «Wie 2024 bei den Sommerspielen in Paris verzichten wir darauf, ein Ziel auszugeben.» Weshalb? «Wir wollen Erfolg. Aber wir wollen in erster Linie Menschen bewegen und den Nachwuchs fördern, aber nicht überfordern.» Zwar ist die Schweiz in 14 von 16 Sportarten vertreten, aber ob und wie viele Medaillen es gibt, wird sich wohl vor allem im Skisport entscheiden. Fast die Hälfte der 168 Schweizer Medaillen bei Winterspielen (75 von 168) gingen auf das Konto der Alpinen. In Peking steuerten Marco Odermatt und Konsorten 5 von 7 Goldmedaillen und 9 von 15 Medaillen bei.
Welche Athletinnen und Athleten sind dabei?
Total 175 Athletinnen und Athleten (84 Frauen, 91 Männer) vertreten die Schweiz in Mailand und Cortina d'Ampezzo – das sind so viele wie noch nie. Die bisherige Rekordmarke liegt bei 173 (2018 in Pyeongchang). Auch der Frauentanteil ist so hoch wie noch nie. Für etwas mehr als die Hälfte werden es die ersten Olympischen Spiele. Zum fünften Mal dabei ist Fanny Smith (Skicross), die bisher zwei Mal Bronze gewonnen hat. Zum vierten Mal dabei sind sechs Männer und fünf Frauen, darunter Wendy Holdener (1 x Gold, 2 x Silber, 2 x Bronze) und Luca Aerni (1 x Gold), sowie Salomé Kora, die nach drei Sommerspielen als Sprinterin nun im Bob ihre Premiere bei Winterspielen erlebt. Die Jüngsten sind Laure Mériguet (17, Eishockey) und Mischa Zürcher (17, Snowboard), die Ältesten Silvana Tirinzoni (47, Curling) und Alex Fiva (39, Skicross). Das Durchnittsalter beträgt 27 Jahre.

Wer sind die grossen Abwesenden?
Mit vier Goldmedaillen ist Simon Ammann gemeinsam mit Dario Cologna der erfolgreichste Schweizer Wintersportler der Geschichte. Wie von CH Media angekündigt, verpasst der 44-Jährige seine achten Olympischen Spiele, womit er zu den Rekordteilnehmenden Noriaki Kasai (Skispringen) und Claudia Pechstein (Eisschnelllauf) aufgeschlossen hätte. Den Vortritt erhielt der 19-jährige Felix Trunz. Ebenfalls nicht dabei sind die Verletzten Michelle Gisin, Lara Gut-Behrami und Marco Kohler, der sich in Kitzbühel das Kreuzband gerissen hat. Auch für Iouri Podlatchikov platzte der Traum. Der 37-jährige Snowboarder, 2014 in Sotschi noch Olympiasieger in der Halfpipe, leidet nach einem Sturz an einer komplizierten Augenverletzung.

Wer zieht im Überangebot der Ski-Männer den Kürzeren?
Mit einem furiosen Lauf raste Alessio Miggiano Mitte Dezember in Gröden in die Abfahrtsweltspitze – Rang 5! Damit erfüllt der 23-Jährige die Kriterien für eine Olympia-Selektion. Doch im Aufgebot für die Männer-Skirennen in Bormio fehlt der Zürcher. Aus zwei Gründen: Einerseits herrscht im Speedteam der Männer ein Überangebot – mehr als die vier erlaubten Starter erfüllen die Vorgaben. Es musste also auch der Formstand entscheiden. Und in diesem Punkt wurde Miggiano auf den letzten Metern vor der Nomination von Niels Hintermann überholt: Dieser fuhr in Kitzbühel auf Rang 6 und wurde zweitbester Schweizer hinter Marco Odermatt. Miggiano indes wurde nur 26.

Miggianos Pech ist Hintermanns Glück: Der 30-Jährige wagte bis vor Kurzem nicht von einer Olympia-Teilnahme zu träumen. Die vergangene Saison verpasste er wegen einer Krebserkrankung. Bis heute geht es für Hintermann eigentlich immer noch darum, wieder in den Rhythmus zu finden. Das Olympia-Ticket dürfte nun einen zusätzlichen Schub verleihen beim langfristigen Weg zurück in die Weltspitze.
Im Slalom erhielt wie erwartet Daniel Yule nach Rang 12 in Kitzbühel das vierte und letzte Ticket. Die Aussenseiter Ramon Zenhäusern und Marc Rochat gehen leer aus.
Darf die Titelverteidigerin in der Abfahrt trotz schwacher Saison starten?
Schon länger stand fest, dass im Gegensatz zu den Männern nicht genügend Ski-Frauen die theoretischen Selektionskriterien erfüllen werden. Vor allem in den Speed-Disziplinen fahren die Schweizerinnen nach dem Saison-Aus von Teamleaderin Lara Gut-Behrami hinterher, einzig Malorie Blanc und Janine Schmitt erfüllten die Kriterien. Die Olympiasiegerin von 2022, Corinne Suter, sowie Ex-Weltmeisterin Jasmine Flury verpassten zwar die Vorgaben, erhalten wegen ihrer Verdienste aber trotzdem ein Ticket.

In den technischen Disziplinen waren Camille Rast, Wendy Holdener, Sue Piller und Eliane Christen gesetzt, die verbleibenden Startplätze werden mit Nachwuchshoffnungen wie Delia Durrer und Vanessa Kasper besetzt.
Das Aufgebot für Ski alpin
Männer: Luca Aerni, Niels Hintermann, Matthias Iten, Loïc Meillard, Alexis Monney, Tanguy Nef, Marco Odermatt, Stefan Rogentin, Thomas Tumler, Franjo von Allmen, Daniel Yule
Frauen: Malorie Blanc, Eliane Christen, Delia Durrer, Jasmine Flury, Wendy Holdener, Vanessa Kasper, Mélanie Meillard, Sue Piller, Camille Rast, Janine Schmitt, Corinne Suter
In welchen Sportarten tritt die Schweiz an?
Insgesamt werden in 16 Sportarten Medaillen vergeben, in 14 davon kämpfen Schweizerinnen und Schweizer um Edelmetall: Biathlon, Bob, Curling, Eishockey, Eiskunstlauf, Eisschnelllauf, Langlauf, Rodeln, Skeleton, Ski alpin, Ski Freestyle, Skispringen, Skitourenrennen, Snowboard. Einzig im Shorttrack und in der Nordischen Kombination schickt Swiss Olympic niemanden an den Start.



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