Wenn ein Trainer bei einem Handballspiel bereits nach sieben Minuten ein Timeout bezieht, stimmt irgendetwas nicht. Genau so ist das in der Partie zwischen der Schweiz und Slowenien am Sonntagabend. Der slowenische Coach Uros Zorman staucht seine Mannen wutentbrannt zusammen und verwendete während einer Minute mehrfach nicht druckreife Ausdrücke.
Die Schweiz liegt zu diesem Zeitpunkt mit 6:2 in Front. Und ihr gelingt nahezu alles. Einer, der gleich zu Beginn heiss läuft, ist Nikola Portner.

Der Schweizer Keeper hat schwierige Monate hinter sich, weil er nach einer Dopingsperre bei seinem Klub Magdeburg seit dem 10. Dezember wieder hätte spielen dürfen, aber seither noch nicht eingesetzt worden ist. Die Spielpraxis vor der EM beschränkte sich auf die drei Testspiele am Yellow Cup. Dort unterstrich der 32-Jährige zwar, dass er schon wieder auf einem hohen Niveau ist, doch die ganz grossen Gradmesser waren die Gegner dort noch nicht.
Phasenweise mit neun Toren vorne
An der EM nun sieht das anders aus. Slowenien ist der Gruppenfavorit, doch davon ist in der ersten Halbzeit nichts zu sehen. Die Schweizer, die sich den Gruppensieg insgeheim zum Ziel gesetzt haben, sind früh 3:0 vorne, dann 6:2, später 11:6 und 19:12. Zur Pause heisst es 20:14. Und mitverantwortlich ist auch Portner mit seinen acht Paraden. Es sind alles sogenannte «Big Saves». Zu diesem Zeitpunkt wirkt es, als könnten sich er und seine Vorderleute nur noch selbst schlagen.
Kurz nach dem Seitenwechsel wird dann auch noch der slowenische Coach auf die Tribüne geschickt, weil er sich zu heftig über die Leistung der Unparteiischen enerviert. Eigentlich läuft alles für die Schweiz, die zwischenzeitlich mit neun Toren in Front liegt.
Portner ist weniger gut im Spiel, hat weniger Einfluss mit Paraden. Das liegt aber vor allem auch daran, dass die Schweizer Defensive einen weniger guten Job verrichtet als noch in der ersten Hälfte. Hinzu kommt, dass das Team von Andy Schmid plötzlich vergisst, wie es angreifen muss. Es wirkt hektisch und fahrig, verzettelt sich zunehmend.

Die Breite ist eine der grossen Stärken der Schweiz an diesem Turnier. Eigentlich. Doch in der zweiten Hälfte macht Andy Schmid davon quasi keinen Gebrauch mehr. Er schenkt Felix Aellen und Mehdi Ben Romdhane über weite Strecken das Vertrauen, obwohl er mit Manuel Zehnder und Luca Sigrist Alternativen gehabt hätte. Zehnder bringt er zwar, aber nur kurz. Weil er zweimal verwirft.
Zwölf Minuten vor dem Ende beträgt der Vorsprung noch zwei Tore, zehn Minuten vor Schluss noch ein mikriges Törchen. Nach 52 Minuten erzielt Domen Makuc, der bei Barcelona spielt, den Ausgleich. 90 Sekunden später ist es Klubkollege Blaz Janc, der den Favoriten in Führung wirft.
Jetzt droht das Aus
Und dann geht bei den Schweizern gar nichts mehr. Sie verlieren die Nerven, die Geduld und damit auch das Spiel mit 35:38. Sie kassieren in der zweiten Hälfte sage und schreibe 24 Tore.

Trainer Andy Schmid sprach im Interview mit dem Schweizer Fernsehen SRF von einer bitteren Niederlage. «Wir haben heute die beste und die schlechteste Halbzeit in unserer gemeinsamen Zeit gespielt.» Der 42-Jährige zeigte sich auch selbstkritisch und sagte, dass er eine Auszeit wohl zu früh genommen habe. Auch ihn nahm die Niederlage sichtlich mit.
Damit steht die Schweiz vor dem Aus in der Gruppenphase. Dies, weil der direkte Konkurrent Färöer gleich mit 13 Toren Unterschied gegen Montenegro gewinnen konnte und aufgrund des besseren Torverhältnisses im Vorteil ist. Für die Schweiz steht am Dienstag das Duell mit den Montenegrinern an. Im Fernduell mit den Färingern müssen sie 2 Punkte und 16 Tore Differenz gutmachen. Die Slowenen stehen, obwohl nicht über alle Zweifel erhaben, fix in der Hauptrunde.
Gruppe D: Montenegro – Färöer 24:37, Schweiz – Slowenien 35:38. Tabelle (alle 2 Spiele): 1. Slowenien 4, 2. Färöer Inseln 3, 3. Schweiz 1, 4. Montenegro 0.



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