Zum dritten Mal in Folge ist die Schweiz an einer Handball-Endrunde dabei. Am Donnerstag fällt der Startschuss zur Europameisterschaft. Die Nati startet am Freitag gegen Färöer (20.30 Uhr, live: SRF zwei) ins Turnier. Hier erfahren Sie alles, was Sie zum Event, zur Nati und zum Handball wissen müssen.
Wo findet die EM statt?
Die Europameisterschaft findet in drei Ländern statt. Die Co-Gastgeber heissen Dänemark, Norwegen und Schweden. Gespielt wird während der Gruppenphase im dänischen Herning (15'000 Plätze), in Oslo (9000 Plätze) und in den schwedischen Städten Malmö (11'800 Plätze) und Kristianstad (4500 Plätze).
Die Hauptrunde geht in Herning und Malmö über die Bühne. Die Finalspiele finden allesamt in Herning statt.
Auf welche Teams trifft die Schweiz?
Die Schweiz spielt in der Gruppe D gegen die Färöer Inseln, Slowenien und Montenegro.
Der Spielplan der Schweiz (alle Spiele live auf SRF zwei):- Freitag, 16. Januar, 20.30 Uhr: Schweiz – Färöer Inseln
- Sonntag, 18. Januar, 20.30 Uhr: Schweiz – Slowenien
- Dienstag, 20. Januar, 18.00 Uhr: Schweiz – Montenegro
Welche Teams sind dabei?
Gruppe A (in Herning): Deutschland, Spanien, Österreich, Serbien
Gruppe B (in Herning): Dänemark, Portugal, Nordmazedonien, Rumänien
Gruppe C (in Oslo): Frankreich, Norwegen, Tschechien, Ukraine
Gruppe D (in Oslo): Slowenien, Färöer, Montenegro, Schweiz
Gruppe E (in Malmö): Schweden, Kroatien, Niederlande, Georgien
Gruppe F (in Kristianstad): Ungarn, Island, Polen, Italien
Wie ist der Modus?
Die Teams absolvieren je drei Gruppenspiele. Die zwei Besten jeder Gruppe schaffen es in die Hauptrunde. Dort gibt es dann zwei Sechsergruppen. Die Punkte, die man gegen den Vorrundengegner geholt hat, der ebenfalls weiterkommt, werden mitgenommen. In der Hauptrunde trifft man auf die vier Teams, gegen die man zuvor noch nicht gespielt hat. Der Erste und der Zweite jeder Hauptrunden-Gruppe erreichen das Halbfinale.
Wer sind die Favoriten?
Es gibt einen grossen Favoriten: Dänemark. Die Dänen um Welthandballer Mathias Gidsel haben die letzten vier WM-Titel geholt und sind deshalb die heissesten Kandidaten für die Goldmedaille.
Aber auch der aktuelle Europameister Frankreich sowie Co-Gastgeber Schweden werden wohl um eine Medaille mitreden. Aussenseiterchancen haben Kroatien, Portugal und Deutschland.
Wo kann ich die Partien der EM verfolgen?
SRF zeigt alle Schweizer Spiele live. ARD und ZDF haben sich die Rechte gesichert, um die Spiele der Deutschen zu übertragen, und ORF zeigt die Spiele Österreichs. Wer sich noch mehr Handball reinziehen will, ist beim Bezahlsender «Dyn» richtig. Dieser überträgt alle Spiele live. Das EM-Paket gibt es für 15 Euro.
Wo steht der Schweizer Handball im internationalen Vergleich?
In den 90er-Jahren (WM-Vierter 1993, Olympia-Achter 1996) gehörte die Schweiz zur erweiterten Weltspitze. Danach folgte der tiefe Fall. Noch vor zehn Jahren war die Nati etwa so bedeutungsvoll wie ein umgestürztes Velo in China. Unter Trainer Michael Suter gelang 2020 mit der erstmaligen Teilnahme an einer EM seit 14 Jahren die Rückkehr aufs internationale Parkett. Seither wurde der Steigerungslauf kontinuierlich fortgesetzt, hat man sich den Top-Teams weiter angenähert und sind Teilnahmen an Endrundenturnieren die Regel und nicht mehr die Ausnahme.
Was kann man von der Nati an dieser EM erwarten?
Nachdem die Schweizer Handball-Lichtgestalt Andy Schmid 2024 vom Feld auf die Bank wechselte und Nationaltrainer Michael Suter ablöste, folgte der nächste Entwicklungsschritt. Mit der jüngsten Mannschaft des Turniers belegte die Nati an der letztjährigen WM Rang 11. Es war die beste Klassierung seit den 90er-Jahren. Trotz gestiegenen Ansprüchen nun einen Top-10-Platz zu erwarten, wäre aufgrund einiger Fragezeichen im Team leicht vermessen. Doch Platz zwei in der Gruppe mit Slowenien, Färöer und Montenegro und damit der Einzug in die Hauptgruppe sollte möglich sein.
Was sind die Fragezeichen im Team?
Torhüter Nikola Portner, gleichzeitig auch Captain, hat schwierige Monate hinter sich. Wegen eines positiven Dopingbefundes – bei ihm wurden Mini-Spuren von Crystal Meth nachgewiesen – wurde er monatelang gesperrt. Obwohl Portner seit 10. Dezember wieder spielberechtigt ist, reiste er ohne Spielpraxis ins EM-Camp der Nati. Bei Champions-League-Sieger Magdeburg wurde er zur Nummer 3 degradiert. Am Mittwoch wurde zudem bekannt, dass er Ende Saison wechseln wird.
Das andere Schweizer Fragezeichen ist ebenfalls bei Magdeburg unter Vertrag. Manuel Zehnder ist der vielleicht begabteste Natispieler. Vor ziemlich genau einem Jahr zog er sich kurz vor der WM einen Kreuzbandriss zu. Seit Wochen wäre er einsatzfähig. Aber in der Star-Equipe von Magdeburg schaffte er es bislang nicht aufs Matchblatt. Wie Portner fehlt auch Zehnder die Matchpraxis, weshalb er sich in der Nati mit einer Jokerrolle begnügen muss.
Der Yellow Cup in Winterthur, das Vorbereitungsturnier der Nati, hat aber gezeigt, dass die beiden Akteure in starker Form sind. Portner parierte in gewohnter Manier, während Zehnder in zwei von drei Spielen zum Einsatz kam und bereits wieder einen unheimlichen Zug zum Tor hatte. Aus anfänglich grossen Fragezeichen sind kleine Fragezeichen geworden.
Wer sind die Hoffnungsträger unserer Nati?
Da ist mal sicher Manuel Zehnders Konkurrent auf der Spielmacher-Position zu nennen: Felix Aellen. Der Berner ist letzten Sommer in die beste Liga der Welt gewechselt und hat in Deutschland gleich eingeschlagen. In Eisenach hat er sich innert kürzester Zeit als unverzichtbare Kraft etabliert. Der 22-Jährige wurde kürzlich für den German Handball Award in der Kategorie «Überraschung des Jahres» nominiert.
Eine Schlüsselrolle kommt zwei Spielern zu, die in Stuttgart beim Schweizer Trainer Misha Kaufmann engagiert sind: Verteidigungsminister Samuel Röthlisberger und dem wurfstarken Lenny Rubin (beide 29), mit 338 Länderspieltoren Topskorer dieser Nati.
Welcher Schweizer hat das grösste Starpotential?
Noam Leopold, keine Frage. Einerseits, weil er schon mit 23 auf seiner Position am linken Flügel zu den Weltbesten zählt. In seinem zweiten Jahr bei Champions-League-Halbfinalist Nantes hat er definitiv den Durchbruch geschafft. Derzeit liegt er in der Torschützenliste in Frankreich mit 106 Treffern auf Position vier und weist eine sagenhafte Trefferquote von 82,8 Prozent auf.
Aber Leopold, dessen Mutter aus El Salvador stammt, hat neben seiner kunstvollen Wurftechnik noch einiges zu bieten. Da wäre einerseits seine Attitüde. Leopold kann bisweilen arrogant wirken. Welcher Star hat das nicht? Aber bei Leopold gründet das nicht Abgehobenheit, sondern in einem starken Selbstbewusstsein. Ausserdem versteht er seinen Sport ein Stück weit als Unterhaltung, weshalb man seinen Spielstil durchaus als ernstgemeinten Zirkus bezeichnen kann. Und: Leopold ist hochintelligent und auch ein begnadeter Comiczeichner.
Warum ist Hecht-Frontmann Stefan Buck Fan der Handball-Nati?
Einerseits hat Buck selber Handball gespielt, andererseits ist Luca Sigrist sein Patenkind. Der 20-Jährige ist das grösste Talent des Schweizer Handballs und wird im kommenden Sommer von Kriens-Luzern zu Melsungen in die Bundesliga wechseln. Neben Sigrist haben zwei weitere Nati-Spieler Berühmtheiten in ihrem Familien-Portfolio. Portners Vater Zlatko war in Serbien eine Handball-Legende. Mit Jugoslawien wurde er 1986 Weltmeister und gewann zwei Jahre später Olympia-Bronze. 2020 ist er verstorben. Rubins Vater Martin war in der Schweiz eine grosse Nummer. In der ewigen Nati-Torschützenliste rangiert er mit 878 Treffern auf Position vier.
Sind die Natispieler alle Profis?
Ja, wenn man Profitum damit definiert, dass alle zu 100 Prozent auf den Sport setzen. Aber das heisst nicht, dass die Handballer sich nebenbei nicht anderweitig beschäftigen. Viele Spieler bilden sich parallel zum Sport weiter, absolvieren ein Fernstudium, um sich für die zweite Karriere vorzubereiten.
Kann man als Handballer Millionär werden?
Ein etablierter Nationalspieler verdient in der Schweiz zwischen 6000 und 9000 Franken pro Monat. Mehr verdienen kann man in der Bundesliga. Dort sollen die Topstars zwischen 30'000 und 40'000 Euro brutto kassieren. Das Monatsgehalt des dänischen Welthandballers Mathias Gidsel (Füchse Berlin) wird auf 50'000 Euro brutto geschätzt. Schweizer, die ihren ersten Vertrag in Deutschland unterschreiben, tun dies in der Regel für 6000 bis 9000 Euro brutto. Bestverdiener in der Nati ist Goalie Portner.
Warum sitzt der grösste Star der Schweiz auf der Bank?
Was Andy Schmid erreicht hat, ist, als würde ein Holländer den Ski-Weltcup gewinnen. Fünfmal wurde er zum wertvollsten Spieler der Bundesliga gewählt. Einzig bei der Wahl zum Welthandballer konnte er nie reüssieren. Was damit zusammenhängt, dass die Schweiz während Schmids Blütezeit so konkurrenzfähig war wie eben die Holländer im alpinen Skisport. Nach der EM 2024 beendete Schmid mit 40 seine Karriere und wurde wenig später Nationaltrainer.
Was kann man von Schmid und Co. für die Zukunft erwarten?
Als er vor eineinhalb Jahren übernahm, tat er dies mit dem klaren Fernziel 2028. Dann richtet die Schweiz gemeinsam mit Spanien und Portugal die EM aus. Natürlich sind die Perspektiven der Nati verlockend, allein der Altersstruktur wegen, aber auch, weil immer mehr Spieler im Ausland engagiert sind, wo Niveau und Leistungsdruck ganz anders sind als in der Liga zu Hause. Aber schon jetzt vom Medaillengewinn 2028 zu reden, wie dies dem Vernehmen nach einzelne Exponenten im Verband tun, ist doch ein bisschen vermessen.
Warum gibt es fast keine Romands und keinen Tessiner in der Nati?
Mehdi Ben Romdhane ist in Lausanne aufgewachsen, Goalie Mathieu Seravalli wurde im Genfer Vorort Lancy geboren. Sie sind die einzigen Romands in der Nati. Es gibt zwar immer wieder Bestrebungen, den Handball in der Romandie zu pushen. So wurde Chênois 2006 direkt aus der 1. Liga in die NLA promoviert. Nachhaltig konnte sich Chênois nie in der höchsten Liga etablieren. Trister ist die Situation im Tessin, wo es mit Pallamano Ticino erst seit 2018 einen Klub gibt.









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