Der Vorwurf von Prinz Ali bin al-Hussein, Präsident des jordanischen Fussballverbands und ehemaliger FIFA-Vizepräsident, ist happig, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtet. Auf X schreibt er: «Während der Weltmeisterschaft wurde mir mündlich mitgeteilt, dass meine Unterstützung für Infantino (bei den anstehenden Wahlen im März 2027) unserem Fussballverband erheblich helfen würde. Wir haben ihn vorher nicht unterstützt und werden es auch jetzt nicht tun, aber die ganze Situation ist Erpressung, und wir weigern uns, ihr nachzugeben.»

Prinz Ali bin al-Husseins Vorwürfe gehen noch weiter. «Wir warten seit Dezember auf die Prämien für unsere Spieler im Zusammenhang mit dem Arabien-Pokal in Katar, einem FIFA-Turnier», bemerkte der jordanische Prinz. «Das Geld, das unsere Mannschaft für das Erreichen des Finals erhalten sollte, wurde noch nicht ausgezahlt, während die FIFA gleichzeitig damit prahlt, wie viele Milliarden sie in Reserve hat.»
Krisensitzung am Mittwoch
Medienberichten zufolge hat Infantino für diesen Mittwoch zu einer Krisensitzung des Weltverbandes nach Marokko geladen. Die Zeitung «The Times» sowie der englische Sender Sky meldeten, dass der heftig in der Kritik stehende Weltverbandschef wichtige Mitarbeiter zu einem Treffen in die Hauptstadt Rabat beorderte. Den Meldungen zufolge sei allerdings unklar, was der Schweizer dann genau besprechen wolle.
Infantino hatte zuletzt für eine Welle der Empörung in der Fussball-Welt gesorgt, als Pläne zum Verkauf von WM-Rechten an Investoren bekannt wurden. Der FIFA-Präsident lenkte zwar ein und verwarf die Idee - dennoch aber formiert sich vor allem in Europa heftiger Widerstand gegen ihn. Möglicherweise bedeutet die aktuelle Krise das Ende von Infantinos FIFA-Präsidentschaft.
Wichtige Vertraute wenden sich ab
In den vergangenen Tagen hatten selbst enge Mitarbeiter Infantinos Kritik an ihrem Chef geübt. FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström beklagte eine «traurige und tadelnswerte Reihe von Ereignissen» sowie einen «Aufruhr». Ex-Coach Arsène Wenger, bei der FIFA der Direktor für die globale Fussball-Entwicklung, ging auf Distanz zu Infantino. Dessen enger Vertrauter und Berater Carlos Cordeiro war schon in der vorigen Woche aus Protest zurückgetreten.
In Rabat ist der regionale Hauptsitz der FIFA für Afrika; 2027 stehen dort der 77. FIFA-Kongress sowie die nächsten Präsidentenwahlen an. In der Hauptstadt des WM-Co-Gastgebers von 2030 war Infantino in der vorigen Woche als Gast von König Mohammed VI. öffentlich aufgetreten. (dpa)



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