
Der Druck auf Fifa-Präsident Gianni Infantino nimmt immer mehr zu. Wie diverse britische Medien berichten, hat Wales am späten Sonntagabend als erster Landesverband dem Schweizer offiziell die Unterstützung zur Wiederwahl im März 2027 entzogen.
«Dass Infantino die Interessen des Fussballs nicht an erster Stelle setzt, ist ein Versagen, das wir nicht akzeptieren können», heisst es in der Mitteilung der Waliser. Die jüngsten Versäumnisse in guter Unternehmensführung, Kommunikation und Urteilsvermögen hätten dazu geführt, dass der Präsident das Vertrauen des walisischen Verbands verloren habe. Wenig später zog auch der englische Verband nach, laut «Times» werde der Verband Infantino ein entsprechendes Schreiben zukommen lassen.
Auch Sport-Geschäftsführer vom des Deutschen Fussball-Bund (DFB), Andreas Rettig, sieht das Verhältnis zum Fifa-Präsidenten auf Dauer zerstört. «Das ist aus meiner Sicht ein irreparabler Vertrauensverlust - und nicht nur zum DFB», sagte Rettig in einem Interview mit dem Stern.
Rettig nannte dafür nach der Affäre um den gescheiterten WM-Investorendeal zwei Gründe. Einerseits die «Art und Weise, wie diese Entscheidung herbeigeführt wurde - Stichwort stilles Kämmerlein - und die unlauteren Köder, die ausgeworfen wurden». Und andererseits «den Inhalt. Daran sieht man auch, dass Herr Infantino sich mittlerweile mit Menschen umgeben hat, die von ausserhalb des Fussballs kommen.»
«In höchstem Masse ungehörig»
Beim Versuch, Anteile an der Fussball-WM und an anderen Fifa-Turnieren an Investoren zu verkaufen, habe Infantino versucht, «den Weg über Überraschung, Zeitdruck und vor allem diesen 20-Millionen-Köder zu gehen», betonte Rettig: «Das ist in höchstem Masse ungehörig. Was hier verkauft werden sollte, ist ein unbezahlbarer immaterieller Vermögenswert.»
Bei den Fifa-Wahlen 2027 wünsche er sich, «dass es überhaupt zu einer Wahl kommt». Namen möglicher Gegenkandidaten aber nannte Rettig nicht.
Weitere Misstrauensvoten erwartet
In den nächsten Stunden und Tagen dürften fast alle europäischen Landesverbände ähnliche Misstrauensvoten einreichen. Vor der Bekanntgabe der Pläne, einen Teil der Fifa an Investoren verkaufen zu wollen, hatten 52 von 55 europäischen Verbänden der Fifa zugesichert, Infantino im kommenden März wiederzuwählen. Einzig Deutschland, Norwegen und Rumänien verzichteten auf die Unterstützungs-Garantie.
Nachdem die Investorenpläne Infantino in den letzten Tagen um die Ohren flogen und der Schweizer in dieser Hinsicht einen Rückzieher machen musste, dürften diese Vertrauensentzüge nach und nach bei der Fifa eintrudeln. Wie der Guardian berichtet, haben die UEFA-Mitgliederverbände zwar auch einen gleichzeitigen Rückzug besprochen. Wenn jedes Land Infantino einzeln das Vertrauen entziehe, sei das aber wirkungsvoller und käme einem tatsächlichen Misstrauensvotum gleich.
Infantino hat auch Unterstützer
Am Wochenende haben aber auch einzelne Landesverbände von anderen Kontinenten Unterstützung für Infantino geäussert. Dazu gehören neben Katar, Marokko und Ägypten auch die eher kleineren Verbände von Sri Lanka, dem Libanon oder Kuwait. Der asiatische Kontinentalverband AFC hat sich hingegen genau wie der nord- und mittelamerikanische Verband Concacaf der UEFA-Kritik an Infantino angeschlossen. Auch innerhalb der Fifa hat der Walliser an Unterstützung verloren: Sein engster Vertrauter Carlos Cordeiro hat vor wenigen Tagen seinen Job aufgegeben.
Infantino wollte innerhalb der FIFA eine Tochtergesellschaft namens Fifa Forward Enterprise (FFE) gründen, die alle kommerziellen Aktivitäten und Turnierorganisationen bündeln soll. Private Investoren hätten sich dann an der FFE beteiligen dürfen. Rund 20 Prozent der Anteile hätten verkauft werden sollen, was im ersten Jahr rund 4,2 Milliarden US-Dollar (3,7 Milliarden Euro) einbringen soll. Und Infantino wäre nach seinem Ausscheiden als Fifa-Chef prädestiniert gewesen, den FFE-Vorsitz zu übernehmen. Nach heftiger Kritik aus der ganzen Fussballwelt zog Infantino die Pläne in der Nacht auf Samstag aber wieder zurück. (abu/dpa)



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