Umfrage

Jeder zweite Schweizer findet: Wer dick ist, hat zu wenig Disziplin

Übergewicht ist stark schambehaftet. Das müsse sich ändern, sagt ein Abnehmspritzenhersteller. Er beruft sich auf neue Umfrageergebnisse.

Auf rund 200 Millionen Franken beziffern die Krankenkassen die Kosten der Abnehmspritzen – pro Jahr. Sie fordern deshalb einen Marschhalt und strengere Regeln für die Abgabe des Medikaments. «Die Behandlung wird heute relativ rasch eingesetzt, was zusätzlich eine Sogwirkung entfaltet», sagte Saskia Schenker, die Chefin des Krankenkassenverbands Prioswiss im Interview mit «Schweiz heute».

Hersteller wie Novo Nordisk sehen dies wenig überraschend ganz anders: Sie argumentieren, die Hürden seien aktuell gar noch zu hoch. Viele Patienten mit Übergewicht könnten noch nicht von der Spritze profitieren.

Eigenverantwortung steht im Vordergrund

Um diese Argumentationslinie zu stärken, hat Novo Nordisk eine repräsentative Studie bei GFS Bern in Auftrag gegeben. Das Forschungsinstitut befragte zwischen dem 23. April und dem 17. Mai 2026 1539 Personen sowie 116 Hausärzte.

Die Ergebnisse zeigen, dass Übergewicht und Adipositas nach wie vor stark mit Vorurteilen verbunden sind. 82 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass Betroffene diskriminiert würden. Die Werte entsprechen jenen, die auch bei psychischen Krankheiten und Sucht ermittelt werden.

Eine Diskriminierung kann sich beispielsweise dadurch äussern, dass den Patienten eine Schuld an ihrem Gewicht zugeschrieben wird. Im Sinne von: Man muss sich halt etwas bewegen und gesund essen. 76 Prozent der Befragten schreiben Betroffenen eine hohe Eigenverantwortung zu. Und knapp die Hälfte sieht die Ursache für Übergewicht primär in mangelnder Disziplin und dem Lebensstil.

Auch 41 Prozent der Ärzte teilen diese Ansicht. Die Industrie weist darauf hin, dass es Menschen gibt, die auch mit Sport und gesunder Ernährung ihre überzähligen Kilos nicht loswerden können.

Gemäss der Befragung suchen viele Betroffene wegen der Stigmatisierung gar nicht erst Hilfe. Und wer eine Therapie beginnt, bricht sie deswegen häufig wieder ab. «Um diese Versorgungslücke nachhaltig zu schliessen, müssen wir Schambarrieren abbauen und den Betroffenen einen einfachen, respektvollen Einstieg in eine langfristig koordinierte und ganzheitliche Behandlung ermöglichen», sagt Anne Mette Wiis Vogelsang, Schweiz-Chefin von Novo Nordisk.

Als alleinigen Heilsbringer sehen die Befragten die Spritzen allerdings nicht. Eine Lockerung der Vergütungskriterien sehen zwar 61 Prozent als wirksame Lösung. Deutlich mehr erhoffen sie sich aber von zusätzlicher Prävention im Bereich Ernährung und Bewegung.

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