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Tatort-Kolumne

Sie sind jung und stechen Augen aus – dieser «Tatort» gibt Kuschelpädagogen recht

Der zweitletzte Fall der Wiener Bibi Fellner und Moritz Eisner führt in die Seelenabgründe jugendlicher Straftäter. Dort ist’s düster, aber auch ganz schön erkenntnisreich.
«Tatort» aus Wien- «Gegen die Zeit», So, 26.4., 20.05 Uhr, SRF1.
Bild: Petro Domenigg / ORF

Heute Abend müssen die Kids ohne Messer essen. Auch wenn die Mahlzeit eines vorsähe, die Bestrafung der Betreuer ist nicht verhandelbar. Wenn am Tisch der Wohngemeinschaft jemand einen Anderen physisch bedroht, müssen alle die Konsequenzen tragen: Die Messer bleiben weggesperrt. Stunden später ist der tot, der für die Weisung verantwortlich war, der Teamleiter. In der Nähe des Jugendheims liegt er erschlagen in seinem Blut.

In ihrem zweitletzten Fall ermitteln Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner(Harald Krassnitzer) in einer sozialpädagogischen Institution, die euphemistischer nicht heissen könnte: Der «Sonnenhof» ist die schattige letzte Chance für jugendliche Straftäter, die von einem beherzten Team davon abgehalten werden sollen, ganz aus der Kurve zu fliegen.

Der Erschlagene war bekannt für seine harte Hand. Konflikte im Team gab es zuhauf, unterschiedliche Auffassungen, wie die Seele eines Kindes zu retten wäre. Mögliche Täter gibt es so viele wie im «Sonnenhof» «Klienten» leben. Die Jugendlichen dealen mit Drogen und prahlen damit, auch ohne Messer, sondern bloss «mit einem Löffel Augen ausstechen» zu können. Die Kids sehen alle ganz brav aus, doch just der Netteste besitzt das dickste Strafregister.

Wer soziale Härte und klischeebefreites Psychodrama schätzt, wer keine Angst hat vor der ungeschönten Realität, weiss diese «Tatort»-Folge zu schätzen. Wer ohne das Prinzip Hoffnung keinen Sonntagabend verbringen will, drückt den «Aus»-Knopf bald.

«Tatort» aus Wien- «Gegen die Zeit»,  So, 26.4., 20.05 Uhr, SRF1. Fünf von fünf Sterne.

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