Wie stände es um Ihren Gefühlshaushalt, wenn Ihnen jemand erklären würde: Sorry, der Moderator aus der «Sendung mit der Maus» ist im richtigen Leben ein arroganter Rüpel?
Das Kind in Ihnen kriegt so etwas nicht so schnell weggesteckt. Schliesslich wollen Sie sich das Stück heile Kindheit nicht umsonst bis ins Erwachsenenalter hinübergerettet haben.
Im neuen Kölner «Tatort» müssen die Fans einer fiktiven Kindersendung aber genau durch diesen Schmerz. In «Sachen und lachen», der Titel ein Zitat auf die erwähnte Sach- und Lachgeschichten produzierende Kindersendung, erklären ein Ehepaar und ein Plüsch-Tapir vor der Kamera Kindern seit Jahrzehnten die Welt, pädagogisch wertvoll aufbereitet und viel «sinnvoller als Krimis», wie Ermittler Freddy Schenk (Dietmar Bär) zu seinem Kollegen Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) sagt.
Als aber innert einer Woche erst der Kameramann, dann der Moderator und Co-Produzent Frank Anders (Comedian Max Giermann) ermordet werden, wird das die Ouvertüre für eine bitterböse Satire aufs Unterhaltungsfernsehen.
Regisseurin Isabell Šuba setzt die fiesen Sätze aus dem Produktionsteam genüsslich in Szene, nutzt (manchmal auch ohne Dringlichkeit) einen Split-Screen um noch tiefer ins Kaleidoskop von Täter-Opfer-Umkehr, Obsession, Machtmissbrauch und Grenzverletzungen gegenüber Schutzbedürftigen abzusteigen. Derweil verteidigen die Figuren ihre Vision bis zur totalen Realitätsverweigerung, was aus «Showtime» eine kurzweilige Komödie macht.
«Tatort» aus Köln – «Showtime». So, 12.4., 20.05 Uhr, SRF1. Vier Sterne.





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