Jubiläum

30 Jahre «Wannabe»: Wie die Spice Girls mit «Girl Power» eine ganze Generation prägten

1996 betraten die Spice Girls die Bühne – und schrieben Geschichte. Ihr Slogan wurde zum Schlachtruf, ihre Musik zum Soundtrack einer Ära.

Jetzt müssen sich Millennials vielleicht rasch hinsetzen: Heute vor 30 Jahren erschien der Hit «Wannabe» von den Spice Girls. Und hier gleich der nächste Fakt, bei dem man Zeit und Raum infrage stellt:

Zwischen dem Durchbruch und Geri Halliwells Austritt aus der Band am 31. Mai 1998 vergingen nicht einmal zwei Jahre! Doch in nur 704 Tagen katapultierten die Spice Girls den Feminismus mit zwei Wörtern in den Mainstream: «Girl Power»!

So wurden die Spice Girls berühmt: mit guten Songs und noch mehr Selbstbewusstsein. Geris (zweite von l.) kurzes Kleid sorgte sogar für einen Skandal.
Bild: Fiona Hanson/AP

Von lustigen Spitznamen zur kulturellen Revolution?

Klar, es war auch PR, sie zelebrierten ihr Image und schlugen Kapital daraus. Doch vor allem Mel B und Geri Halliwell hatten eine – im besten Sinne des Wortes – grosse Klappe. Und zusammen mit Mel C, Emma Bunton und Victoria Beckham (damals noch Victoria Adams) schrieben sie Girlgroup-Geschichte. Als Scary, Ginger, Sporty, Baby und Posh Spice.

Die Spitznamen gaben sie sich übrigens nicht selbst, wie Mel C kürzlich erzählte: «Ein Journalist kam auf die Idee. Es war nur ein lustiger Artikel, wir haben darüber gelacht. Aber als wir in den USA auftraten, nannten uns plötzlich alle so.»

Das Magazin «Top of the Pops» verpasste den Spice Girls ihre Spitznamen.
Bild: Instagram

In einer Zeit, in der Feministinnen als «Emanzen» abgestempelt wurden und im Radio Frauen wie Mariah Carey oder Céline Dion ihre Balladen schmetterten, platzen plötzlich die fünf «Gewürzmädchen» in die Popmusik.

Natürlich gab es auch vorher schon laute, freche und selbstbewusste Frauengruppen wie Salt’n’Pepa oder Bananarama. Doch die Spice Girls trafen den passenden Moment und wandten sich direkt an Mädchen und junge Frauen.

Mitten im Boyband-Hype sangen sie in «Wannabe» nicht über Männer, sondern über Freundschaft und Zusammenhalt unter Frauen. Frei nach dem Motto: «If you wanna be my lover, you gotta get with my friends. Make it last forever, friendship never ends.»

Bevor die Spice Girls ihren Durchbruch schafften, hiess es: üben, üben, üben.
Bild: YouTube Screenshot

Sie läuteten den Höhepunkt einer neuen Ära ein. Auch im deutschsprachigen Raum. Hier profitierten Tic Tac Toe von dem «Girl Power»-Gefühl und eroberten mit «Ich find' dich scheisse» oder «Verpiss dich» die Charts.

Skandalös – und manchmal widersprüchlich

Bei den Spice Girls galt: Je erfolgreicher sie wurden, desto mehr machten sie, was ihnen passte. Sie boten ihren männlichen Konkurrenten rotzfrech die Stirn und als sie den damaligen Prinz Charles trafen, verpasste Geri ihm sogar prompt einen Schmatzer und tätschelte ihm auf den Hintern.

«Schaut euch sein Gesicht auf dem Bild an. Ich glaube nicht, dass er etwas dagegen hatte», sagte Mel C gegenüber «People» in einem Rückblick. «Es wurde ein historischer Moment, auch wenn es im Rückblick etwas peinlich ist. Gott sei Dank waren wir so mutig. Wir haben gegen die Regeln verstossen.»

1997 trafen die Spice Girls Prinz Charles, der offenbar ein bisschen überfordert war.
Bild: John Giles

Nicht alles war perfekt. Emma stiehlt im Video zu «Wannabe» einem Obdachlosen den Hut. Geri lobte die ehemalige Premierministerin Margaret Thatcher, die sich stets wehrte, Frauen in ihren Stab aufzunehmen, als Verfechterin von «Girl Power». Dass Mel B, als einzige mit dunkler Hautfarbe, Scary Spice genannt wurde, ist ebenfalls fragwürdig. Und sie waren trotz allem eine von Männern gemachte Castingband.

Sogar ihren Slogan «Girl Power» erfanden nicht sie. Es war der Albumtitel der Punk-Girlgroup Bikini Kill. Doch die Spice Girls vermarkteten das besser. Zusammen mit Barbies, Polaroid-Kameras, Turnschuhen, Deos und sogar mit dem völlig abgedrehten Film «Spice World».

Was vom Hype blieb

Nach den anfangs genannten zwei Jahren verliess Geri die Band und wie in so vielen anderen Fällen war das der Anfang vom Ende. Die restlichen vier Mitglieder versuchten es allein, doch irgendwie war der Moment vorbei.

Seither gab es immer wieder Gerüchte über Reunions. Bei den Olympischen Spielen in London 2012 kam es tatsächlich dazu. Während im Stadion verschiedenste britische Wahrzeichen gezeigt wurden – inklusive Mr. Bean –, fuhren standesgemäss die Spice Girls auf schwarzen Taxis vor.

Fulminant kehrten die Spice Girls für ein kurzes Comeback an den Olypischen Spielen zurück.
Bild: Nic Bothma

Heute haben die meisten von ihnen selbst Kinder. Und manche sind bereits älter, als sie es bei ihrem Debüt waren. Mel B's älteste Tochter ist beispielsweise 27 Jahre alt. Da muss man sich als damaliger Fan gleich nochmals hinsetzen.

Doch bis heute gilt: Die Spice Girls waren keine perfekten Feministinnen. Aber neben ihren Ohrwürmern blieb auch ihr Einfluss auf eine ganze Generation hängen.

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