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Not-Kaiserschnitt

«Sie haben ihn wieder in mich hineingeschoben»: «Prinz von Bel-Air»-Star erzählt von traumatischer Geburt

Als Kind wurde Tatyana Ali zum Kinderstar. Heute ist sie Mutter und setzt sich für jene ein, die beim Gebären nicht gehört werden. Aus gutem Grund.
Tatyana Ali nutzt ihre Bakanntheit, weil vielen anderen «kein Mikrofon ins Gesicht» gehalten wird.
Bild: Dan Steinberg

In den 90er-Jahren kannte man sie als Will Smiths kleine Cousine Ashley in «Der Prinz von Bel-Air». Heute steht Tatyana Ali nicht mehr oft vor der Kamera. Stattdessen engagiert sie sich als Aktivistin für Schwangerschaftsgesundheit. Grund ist ihre eigene traumatische Erfahrung bei der Geburt ihres ersten Kindes im Jahr 2016. Nun spricht die 47-Jährige im Podcast «Pod Meets World» darüber, was ihr widerfahren ist.

«Sie hätten ihm das Genick brechen können»

Ihre Schilderungen, die sie nur allzu verständlich als «geburtshilfliche Gewalt» beschreibt, gehen unter die Haut: «Unser Geburtsplan wurde nicht eingehalten.» Es sei ein Not-Kaiserschnitt durchgeführt worden – obwohl sie bereits den Kopf ihres Sohnes spüren konnte: «Ich berührte seine Haare.»

Was folgte, ist kaum zu glauben: «Sie haben ihn wieder in mich hineingeschoben.» Das sei «kein regulärer Eingriff» gewesen, doch Ali weiss bis heute nicht, warum ihre Geburt so ausser Kontrolle geriet. «Es war unglaublich gefährlich, was sie getan haben. Sie hätten ihm das Genick brechen können. Und das, nachdem sie mich stundenlang festgehalten und mir jede Bewegung verboten hatten», sagt sie. Ihr Sohn musste danach mehrere Tage auf der Neonatologie verbringen, weil er als Folge der traumatischen Geburt nicht selbstständig urinieren konnte.

Tatyana Ali bekam 2019 einen weiteren Sohn: «Meine Familie hat Glück, denn mein Baby und ich haben überlebt und ich kann meine eigene Geschichte erzählen.»
Bild: Screenshot Instagram

«Meine Geschichte ist so typisch»

Glücklicherweise blieben keine körperlichen Schäden zurück. Doch erst nach ihrer schlimmen Erfahrung erfuhr Ali, wie verbreitet es in den USA ist, was ihr passierte – vor allem bei schwarzen Frauen. «Wenn man als schwarze Frau, als indigene Person, ein Kind zur Welt bringt, ist die Behandlung völlig anders. Wie sie einen manipulieren und berühren und was sie mit dem Körper anstellen, ist ganz anders. Meine Geschichte ist so typisch.»

Laut der US-Gesundheitsbehörde tragen rassistische Gründe dazu bei, dass schwarze Frauen dreimal häufiger an den Folgen einer Schwangerschaft sterben als weisse. Eine Studie der Universität von Cambridge kam kürzlich ebenfalls zu diesem Schluss. Darum sei es ihr wichtig, ihre Plattform zu nutzen und darüber aufzuklären. Tatyana Ali ist nicht allein.

Serena Williams, Beyoncé und Victoria Beckham

Auch Serena Williams setzte sich nach der Geburt ihrer Tochter Olympia 2017 für die Gesundheit schwarzer Mütter ein. In einem Essay für «Elle» schrieb sie 2022, dass sie sich nach ihrem Not-Kaiserschnitt schlecht fühlte, aber wiederholt vom Spitalpersonal ignoriert worden sei. Schliesslich stellte sich heraus, dass sie mehrere lebensbedrohliche Blutgerinnsel hatte und viermal nacheinander operiert werden musste: «Als ich endlich nach Hause kam, musste ich die ersten sechs Wochen meiner Mutterschaft im Bett verbringen.»

Serena Williams mit Tochter Olympia 2020.
Bild: Chris Symes

Hinzu kommt, dass Kaiserschnitte noch immer oft als «einfacher» wahrgenommen werden als eine natürliche Geburt. Beyoncé erzählte nach der Geburt ihrer Zwillinge 2018 in der «Vogue»: «Nach dem Kaiserschnitt fühlte sich mein Körper anders an. Es war eine grosse Operation, einige Organe werden während der Geburt vorübergehend verlagert. Ich bin mir nicht sicher, ob das jedem bewusst ist.»

Beyoncé 2017 mit ihren Zwillingen Rumi und Sir.
Bild: Screenshot Instagram

Victoria Beckham bekam Schreckliches von der Presse zu hören, nachdem Sohn Brooklyn 1999 via Kaiserschnitt zur Welt gekommen war. In Anlehnung an ihren Spitznamen als Posh Spice tauchte die Schlagzeile «Too Posh To Push» auf – zu Deutsch: «Zu vornehm zum Pressen». 2023 sagte sie in der Netflix-Doku von Ehemann David: «Ich war nicht zu vornehm, um zu pressen. Mir wurde gesagt, es wäre nicht sicher für mich, die Wehen einzuleiten.»

Victoria Beckham hat neben Brooklyn noch die Söhne Romeo und Cruz, sowie Tochter Harper.
Bild: Neil Hall

Am Ende sind alle Mütter froh, dass sie und ihr Kind die Geburt überstanden haben. Doch die Umstände sind alles andere als einfach. Auch ohne dumme Kommentare oder schlimme Erfahrungen. Kein Wunder, findet Tatyana Ali für ihre Motivation deutliche Worte: «Als mir klar wurde, dass unsere Geschichte, unser Trauma sehr verbreitet ist, war ich einfach nur wütend.»

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