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Nostalgie-Dämpfer

«Kann diese Schlampe nicht lesen?»: «Friends»-Star über «brutale» Dreharbeiten

Manche Serien begeistern auch noch Jahre nach Drehschluss. Doch wenn «Friends»-Star Lisa Kudrow verrät, was hinter den Kulissen ablief, können auch die schönsten TV-Erinnerungen Risse bekommen.
Lisa Kudrow spielte in «Friends» zehn Jahre lang die Rolle als exzentrische Phoebe Buffay.
Bild: Carlo Paloni

«Friends» gilt auch 22 Jahre nach der letzten Folge noch als Nostalgie-Feuerwerk für Millionen Fans. Sie klatschen noch immer beim Intro mit, lachen über Chandlers Sprüche und diskutieren die Beziehungspause von Ross und Rachel. Zehn Jahre lang lief die Kult-Serie – doch jetzt gibt es einen Dämpfer für die schönen Erinnerungen.

«Hinter den Kulissen liefen definitiv fiese Sachen ab»

«Friends»-Star Lisa Kudrow begeisterte als abgedrehte Phoebe Buffay. Jetzt packt sie aus, dass hinter den Kulissen längst nicht alles freundlich war. Die Hauptdarsteller waren tatsächlich dicke Freunde. Die Story, wie sie zusammenhielten und so ihre Millionen-Gagen bekamen, ist legendär. Doch von den Autoren mussten sie einiges ertragen.

In «The Times of London» erzählt sie von «fiese Sachen». Die Autoren, die «grösstenteils Männer» waren, zeigten damals etwas, was wir heute «toxic masculinity» nennen: «Man darf nicht vergessen, dass wir vor 400 Zuschauern live aufzeichneten, und wenn man einen Text von einem dieser Autoren verpatzte oder die Reaktion nicht perfekt war, hiess es schon mal: ‹Kann diese verdammte Schlampe nicht lesen? Die gibt sich nicht mal Mühe. Sie hat meinen Text verkackt!›»

Die sechs «Friends»-Stars waren eng befreundet und konnten durch ihre Solidarität, eine der höchten TV-Gagen aushandeln.
Bild: Jon Ragel

Ausserdem hätten sie bis spät in die Nacht über sexuelle Fantasien zu Jennifer Aniston und Courteney Cox diskutiert. «Es war brutal», sagt Kudrow heute. Dennoch habe sie das damals ignoriert, schliesslich schrieben die Autoren die Serie: «Meine Einstellung war also: ‹Sagt, was ihr wollt, hinter meinem Rücken, dann ist es mir egal.›» Möglicherweise tat sie das, weil sie oft unter dem Radar flog. «Niemand hat sich für mich interessiert», erzählte sie kürzlich lachend im Interview mit «The Independent». Sie gewann als erste der «Friends»-Darsteller einen Emmy, doch trotzdem haben manche in ihrer Agentur sie nur als «die sechste Freundin» bezeichnet.

Es ist nicht das erste Mal, dass «Friends» mit negativen Enthüllungen auffällt. Bereits 1999 reichte Amaani Lyle, die damals als Autorenassistentin am Set der Serie arbeitete, Klage ein. Sie behauptete, dass die Drehbuchautoren häufig sexistische und rassistische Bemerkungen machten. Der Fall ging bis zum Obersten Gerichtshof, der gegen Lyle entschied. Der Grund: Das Verhalten sei ein notwendiger Bestandteil des Arbeitsumfelds.

2004 lief die letzte Folge von «Friends».
Bild: Danny Feld

«Friends» ist kein Einzelfall

Natürlich ist nicht alles an der Serie gut gealtert. Bei den Folgen mit Chandlers Vater, einer Transfrau, möchte man heute am liebsten im Boden versinken. Trotzdem tut es als Fan weh, wenn die Lieblingsserie eben doch nicht so schön war, wie man glaubte. Doch genau das ist mehr als oft der Fall.

Die Doku «Quiet on Set: The Dark Side of Kids TV» schockierte mit ihren Enthüllungen zum Missbrauch beliebter Kinderstars der 90er- und 2000er-Jahre. Schauspielerin Mischa Barton wurde 2003 in der Serie «O.C., California» zum Star – 15 Jahre später erzählte sie, wie sie am Set von männlichen Mitarbeitern gemobbt wurde. Und 2010 tauchte ein Video der 80er-Serie «ALF» auf, in dem der Sprecher des Aliens bei Dreharbeiten sexuell anzügliche und rassistische Kommentare machte.

Das trübt so manche schöne TV-Erinnerungen. Ob man das ignoriert, bleibt den Zuschauern überlassen. Im Fall von Lisa Kudrow scheint die Sache klar: Für sie ist es mehrheitlich Schnee von gestern. Und von «Friends» profitiert sie dank Wiederholungen, Streaming-Deals und Lizenzierungen bis heute. Durch die Serie soll sie angeblich 17 Millionen Dollar pro Jahr verdienen.

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