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Netflix-Doku

«Hulk Hogan: Real American» ist so echt wie ein Wrestling-Match und so amerikanisch, dass es weh tut

«Alles war gelogen», gesteht Hulk Hogan auf Netflix. Doch in der PR-Show von «Hulk Hogan: Real American» sucht man die Wahrheit vergeblich.
«Die Legende von Hulk Hogan wird ewig leben», heisst es in der Netflix-Doku. Und diese gibt sich Mühe, den Mythos aufrecht zu erhalten.
Bild: Alex Brandon

Wer in den 80er- und 90er-Jahren aufgewachsen ist, kam kaum an ihm vorbei: Hulk Hogan war mit Action-Figuren, TV-Serien und monumentalem Ego der berühmteste Wrestler der Welt – und bleibt es auch nach seinem Tod 2025. Das bietet genug Material für eine faszinierende Doku. Theoretisch. Die Realität sieht ganz anders aus.

Der Geldgeber schreibt das Drehbuch

Genau wie im Ring ist auch in «Hulk Hogan: Real American» praktisch nichts echt. Dafür sehr amerikanisch. Und hollywoodreif: die bescheidenen Anfänge, der Aufstieg zum Superstar, der tiefe Fall, die oscarverdächtige Reue und die Zuwendung zur Religion. Und zu Donald Trump. Sie seien sich sehr ähnlich, meint der US-Präsident. Und ja, er taucht tatsächlich in der Doku auf. Bevor er «ein grosses Russland-Meeting» hat, nimmt er sich Zeit, um seinen langjährigen Freund mit Lob zu überhäufen.

Genau das macht auch die Doku. Der Titel ist nicht etwa sarkastisch gemeint, sondern todernst. Und doch steckt nichts dahinter. Kein Wunder, schliesslich wurde das Ganze in Zusammenarbeit mit der Wrestling-Föderation WWE produziert. Da darf man natürlich nichts Böses über die Geldgeber sagen. Es werden gerade genug «dunkle Geheimnisse» verraten, um es als grosses Geständnis von Hogan zu verkaufen.

Seine Tochter blieb der Doku fern

«Alles, was ich tue, ist echt. Ich lüge nie», sagte er früher in den Interviews, in denen er stets klang wie ein Gorilla voller Red Bull. «Natürlich habe ich gelogen», sagt er in der Doku. Dass er Steroide nahm, gestand er bereits Anfang der 90er-Jahre. Und schon damals überraschte das nicht wirklich.

Reue zeigt er aber keine mehr. Die Karriere war ihm wichtiger, sagt er. Obwohl er dadurch 25 Mal operiert werden musste – allein 11 Mal am Rücken – und in die Medikamentensucht abstürzte. Auch das klingt aus seinem Mund beinahe heldenhaft: «Ich nahm 80 Milligramm Fentanyl am Morgen und schob es mir unter das Zahnfleisch. Ich hatte zwei 300 Milligramm-Fentanyl-Pflaster an den Beinen und bekam sechs 1500 Milligramm Fentanyl-Lutscher zu essen.» Noch nie habe jemand so viel genommen, er hätte eigentlich tot sein müssen, erzählt er.

Der angekündigte Blick auf den echten Menschen hinter Hulk Hogan bleibt aus. Genau wie die Klagen wegen Erpressung, Körperverletzung oder Vergewaltigung. Und es fällt auf, dass Hogans erste Frau Linda und sein Sohn Nick zwar präsent sind, Tochter Brooke aber nicht. Sie hat sich schon vor Jahren von der Familie distanziert, Nick war nach Hogans Tod Alleinerbe. Doch das passt natürlich nicht ins Bild, weshalb Brooke in einer Aufnahme zu hören ist, von der man nicht weiss, von wann sie stammt.

Familie Hogan: Tochter Brooke bleibt der Doku als Einzige fern.
Bild: Jeff Christensen

Es hat eine gewisse Tragik: Die Doku hätte viel Potenzial gehabt, Hogans Leben war schliesslich ein wilder Ritt zwischen Welterfolg, performativem Patriotismus und den dunklen Seiten des Showbusiness. Stattdessen bekommt man eine vierstündige PR-Kampagne mit einer Endlosschleife aus alten Wrestling-Clips vorgesetzt.

In einer Szene sieht man, wie ein junger Hogan im Ring mit grossem Tamtam vom Bösewicht in die Rolle des Helden wechselt. «Ich wurde vom Sünder zum Heiligen», sagt er im anschliessenden Interview. Gut 40 Jahre später macht diese Doku dasselbe. Und meint es ernst.

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