notifications
Review

«Malcolm mittendrin» ist zurück – Nostalgie-Streicheleinheit oder nicht?

Wer schon um die Jahrtausendwende vor der Glotze sass, erlebt seit einiger Zeit ein wahres TV-Nostalgie-Feuerwerk. Nun wagt auch «Malcolm mittendrin» ein Comeback.
«Malcolm» ist erwachsen geworden: Frankie Muniz spielte die Rolle schon als kleiner Junge von 2000 bis 2006.
Bild: Evan Agostini

Kaum wurde die Neuauflage von «Malcolm Mittendrin» im Dezember 2024 angekündigt, wimmelte es auf Social Media von Kommentaren mit einem Satz: «Bitte versaut es nicht!» Retro-TV ist seit Jahren in. Erst letzten Monat feierte «Scrubs – Die Anfänger» ein Revival, zuvor wurden «Full House», «Roseanne», «Gilmore Girls», «Sex And The City», «Die wilden 70er» und viele andere Serien mit mehr oder weniger veränderten Titeln aus der Versenkung geholt. Doch manche hätte man lieber ruhen lassen. Wie sieht es nun also mit «Malcolm mittendrin» aus?

Darum geht's:

20 Jahre nach der ersten Folge sind Malcolm und seine Familie für vier Folgen zurück – und «das Leben ist unfair wie immer», wie es im neuen Titel heisst. Alles dreht sich um den 40. Hochzeitstag von Lois und Hal, zu dem Malcolm unbedingt auch kommen soll. Doch dieser hat seit Jahren kaum mehr Kontakt zur Familie und ist, wie er findet, nur darum glücklich und erfolgreich. Doch das hält natürlich nicht lange. Als die Familie bei ihm aufkreuzt, wird der erwachsene Mann flugs wieder zum gestressten, zynischen und egozentrischen Jungen von damals.

Auch wenn die Haare nun weiss sind, sind Lois und Hal noch dieselben wie früher.
Bild: David Bukach

Auch der Rest der Familie hat sich kaum verändert. Hal ist nach wie vor höchst emotional, Lois ist ein Kontrollfreak, Francis jammert nonstop, Reese ist dumm und Dewey ein musikalisches Genie, das die Welt bereist. In der Neuauflage ist aus Kleinkind Jamie ein junger Mann geworden, der bei der Küstenwache arbeitet, und mit Kelly hat die Familie sogar einen non-binären Teenager, der als einziges Kind der Familie keine Polizeiakte hat.

Veränderung oder Kopie von damals?

Mit nur knapp 30 Minuten haben die Folgen dieselbe angenehm kurzweilige Dauer wie früher, und die Eltern Lois und Hal sind unbestritten das absolute Highlight der Neuauflage. Schauspieler Jane Kaczmarek und Bryan Cranston schlüpfen scheinbar mühelos in ihre alten Rollen und ringen einem beim Zuschauen ein seliges Lächeln ab. Auch die Brüder haben sich kein Stück weiterentwickelt. Doch genau das bremst die Begeisterung auch ein wenig.

Trotz Neuzugängen und 20 Jahren Unterschied: Die Familie bleibt das pure Chaos.
Bild: David Bukach

Neuauflagen haben es immer schwer. Manche versuchen, die Magie des Originals auf Biegen und Brechen herauszuprügeln und wirken damit wie ein trauriger Abklatsch. So geschehen bei «Die wilden 90er», bei denen neben den Gastauftritten der früheren Stars nicht viel übrig blieb. Andere versuchen, etwas gar krampfhaft, eine neue Richtung einzuschlagen. Der «Roseanne»-Nachfolger wollte frühere «Fehler» glätten, doch der bissige und politisch unkorrekte Ton war in «The Connors» futsch. Und in der «Sex And The City»-Serie «And Just Like That» verkamen Carrie und Co zu regelrechten Karikaturen.

Trotzdem können Revivals natürlich funktionieren. «Scrubs» ist das neueste Beispiel dafür. Die Charaktere haben sich verändert, sind aber gleichzeitig noch die alten. Und sogar eine völlige Rundumerneuerung kann gelingen: «Cobra Kai» verlegte den Fokus aus «Karate Kid» auf den früheren Bösewicht Johnny und landete damit einen Hit.

(Zu) hohe Erwartungen

Doch es ist ein wahnsinnig schmaler Grat. Vor allem, weil Zuschauer meistens selbst keine Ahnung haben, was sie eigentlich wollen. Alles soll sein wie früher, aber eben auch nicht genau gleich. Damit hat auch «Malcolm» zu kämpfen: Die alten Figuren haben sich kein bisschen weiterentwickelt. Aber würde die Serie überhaupt funktionieren, wenn sie es täten? Gleichzeitig sind einem die Neuzugänge schnurzegal, weil sie nicht ins Nostalgie-Bild passen. Will man also einfach eine lustige, kurzweilige Unterhaltung? Oder die Zeit zurückdrehen?

Genau wie die Vergangenheit oft schön gemalt wird, haben Zuschauer auch den Hang dazu, alte Serien zu glorifizieren. Darum ist das Revival nicht perfekt und erfüllt längst nicht alle Erwartungen. Aber sie macht trotzdem Spass. Auch wenn «Malcolm» sich nicht wirklich verändert hat, aber wir uns hoffentlich schon.

«Malcolm Mittendrin: Unfair wie immer» läuft ab sofort auf Disney+

Mehr zum Thema:

Mehr zum Thema:

Mehr zum Thema:

Kommentare (0)