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Zweite Krebsdiagnose: Kylie Minogue bricht ihr Schweigen

Jedem Star seine eigene Netflix-Doku? Könnte man meinen. Und oft wird die Vergangenheit kräftig mit dem Weichzeichner bearbeitet. Doch Kylie Minogue überrascht in mehr als einer Hinsicht.
Kylie Minogue lässt in ihrer Netflix-Doku zunächst nicht tief blicken.
Bild: Netflix

«Wo fangen wir an?», fragt Kylie Minogue. Ihre Netflix-Doku liefert sogleich die Antwort: Angefangen in den 80er-Jahren, wird ihr Aufstieg zum TV- und Popstar, Karriereknicks, Liebesleben und den Kampf gegen den Krebs in drei Stunden gepackt. Doch so viel man darin sieht, nahe kommt man der Sängerin nur selten. «Ich verstecke nichts vor euch. Sondern vor mir selbst», sagt die 57-Jährige.

Vom «singenden Wellensittich» zu «Geili Kylie»

Praktisch über Nacht wurde sie als 19-Jährige mit dem Song «Lucky» als fröhliches «Mädchen von nebenan» weltberühmt. Gleichzeitig verriss die Presse sie als «singender Wellensittich», ihre Songs seien oberflächlich und hohl – und singen könne sie sowieso nicht.

Als sie sich neu erfand, erwachsen und sexy auftrat, hagelte es den nächsten Shitstorm: «Sie wurde vom Mädchen nebenan zum Mädchen auf der Matratze!» Sogar eine Brustvergrösserung wurde ihr unterstellt, inklusive Vorher-Nachher-Bildern in der Klatschpresse. Und plötzlich kommt einem das Ganze unheimlich bekannt vor. Jahre später passierte exakt dasselbe bei Britney Spears und Miley Cyrus.

Und noch etwas machte Kylie vor: Ihr Po sorgte für eine wahre Hysterie, als sie selbstbewusst und selbstbestimmt in knappen Hot Pants auftrat und so die Charts eroberte. Lange vor J.Lo oder Kim Kardashian. In unseren Breitengraden wurde sie in dieser Ära als «Geili Kylie» bezeichnet.

Kylie Minogue erfand sich über die Jahre hinweg immer wieder neu – bis sie sich selbst fand.
Bild: Netflix

Die Mauer bröckelt

Von Kylies Gefühlsleben erfährt man derweil frustrierend wenig. Die Ausschnitte aus vergangenen Tagen, die grausamen Interviewfragen und kritischen Schlagzeilen sagen oft mehr aus. Sie bleibt distanziert.

Auch als Ex-Freund Michael Hutchence zum Thema wird. Zwei Jahre war sie mit dem «INXS»-Sänger zusammen, bevor 1991 Schluss war. 1997 starb er an einer Überdosis. Ob auch sie damals Drogen nahm? «Ich war teuflisch genug.» Und an einer Stelle sagt sie in ihrer eigenen Doku prompt: «Wie auch immer, lassen wir das hinter uns.» Erst als seine Beerdigung zur Sprache kommt, zittert ihre Stimme erstmals.

Michael Hutchence hat dank seinem unbändigen Glauben an ihr Talent auch nach seinem Tod grossen Einfluss auf Kylie Minogue.
Bild: Netflix

Und dann kommt die Brustkrebs-Diagnose. 2004 erhielt sie mit 36 Jahren die Schreckensnachricht. «Logischerweise war die Tour gecancelt», lacht sie und versucht erneut die Distanz zu wahren. Vielleicht, weil sich die Presse damals gnadenlos auf sie stürzte: «Ich war in meinem Haus gefangen.»

Am Schluss bricht der Damm

Doch dann wird sie deutlich, spricht von Angst und dunklen Gedanken, von «grossen Momenten», als sie wieder Wimpern hatte – und dass sie die Chemo verschob und mit künstlicher Befruchtung versuchte, Mutter zu werden. «Aber es klappte nicht.» Und dann dieser Satz: «Krebs ist mehr als: Du hast es, du stehst es durch und dann bist du gesund.»

Sie kämpfte sich zurück, und das Comeback war glorreich. Doch in den letzten Minuten erzählt sie, was niemand zuvor wusste: «Ich hatte 2021 eine zweite Krebsdiagnose.» Diesmal wollte sie das nicht mit der Welt teilen: «Und ich konnte es auch nicht. Ich war ein Schatten meiner selbst.» Still und heimlich schaffte sie es erneut, den Krebs zu besiegen.

Kylie Minogues Doku überrascht am Ende doch noch. Nicht nur mit der Veröffentlichung ihrer zweiten Krebsdiagnose. Viel mehr ist es die Erkenntnis, die man als Zuschauer erlangt.

Die Sängerin war in vielerlei Hinsicht eine Vorreiterin. Als Popsternchen belächelt und beleidigt, eroberte sich ihr selbstbestimmtes Image mit hübschem Hintern und rückte mit ihrer Diagnose das Thema Brustkrebs in die Öffentlichkeit. Und sie ist noch nicht fertig: «Es gibt Songs, die ich noch nicht geschrieben und Menschen, die ich noch nicht erreicht habe. Meine Geschichte geht weiter.»

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