Los geht es wie gewohnt mit den Nachrichten der Woche. Zürcher dürfen nicht mehr in die Badi Fisibach im Aargau – Anti-Zürcher-Witze ziehen sowieso immer –, die Schweizer Armee will neue Pistolen, und Nestlé bekommt Ärger in Russland. Büssi feuert Pointe um Pointe ab. Nicht jede trifft.
Die Pistole, bei der es Berichte über unbeabsichtigte Schussabgaben gibt, passe laut Büssi eigentlich ganz gut zur neutralen Schweiz: Bei einer autonomen Waffe könne man immer sagen, «wir sind es nicht gewesen». Und junge Männer seien es ohnehin gewohnt, «dass mal unkontrolliert ein Schuss abgeht». Besonders originell ist das nicht.
Besser wird es bei Nestlé. Nachdem der Kreml zwei russische Tochtergesellschaften unter Zwangsverwaltung gestellt hat, freut sich Büssi auf «feine Novitschoki». Auch die technische Panne im Nationalrat sitzt: Weil wie 1848 per Handzeichen abgestimmt werden muss, hätten damals allerdings zuerst alle Frauen den Saal verlassen müssen.
Doch die beste Pointe kommt nicht von Büsser. Reporter Milan Milanski kauft beim SBB-Rampenverkauf einen alten Erste-Klasse-Sitz für die Sendung. Sein Fazit: «Erste-Klasse-Sitz für eine drittklassige Show.» Dem habe ich nichts hinzuzufügen.
Können es die Amerikaner besser?
Dann kommt Karin Keller-Sutter. Drei Stunden sitzt die Finanzministerin im Ständerat, ohne selbst zu Wort zu kommen. «Genau so hat sich das Donald Trump bei ihrem Telefonat vorgestellt», sagt Büssi. Gute Pointe.
Apropos Trump: Stephen Colbert, John Oliver, Jon Stewart – politische Late Night spielt in den USA gefühlt in einer anderen Liga. Sind die Pointen besser geschrieben? Produziert Trump einfach zuverlässig mehr absurdes Material? Oder liegt es am Publikum? Die Schweizer gelten ja nicht gerade als Volk, das sich vor Lachen kaum auf den Sitzen halten kann.
Nach elf Jahren setzte CBS Colberts «Late Show» im Mai ab – angeblich aus finanziellen Gründen. Kurz darauf gab es einen würdigen Abgang: Die Sendung gewann den Emmy, den wichtigsten US-Fernsehpreis. Auch das Autorenteam wurde ausgezeichnet. Eine Dankesrede für einen ähnlichen Preis muss sich Büsser nach diesem Abend vorerst nicht zurechtlegen.
Dabei hätte es gerade an diesem Wochenende Stoff genug gegeben. Trump verbannte CNN, MS NOW und Politico aus dem Weissen Haus, die Reporter wurden abgewiesen. Dass ausgerechnet diese Geschichte in der Sendung keinen Platz findet, erstaunt.
Der Fail
Stattdessen geht es ausführlich um künstliche Intelligenz. Wird sie die Menschheit auslöschen? Den Flugverkehr sabotieren? Die Börsen zum Absturz bringen? Irgendwann taucht die KI gleich selbst in der Sendung auf, lobt Büsser und hackt sich später in seinen Teleprompter. Solange die KI «Late Night Switzerland» gut findet, kann die Menschheit offenbar beruhigt untergehen.
Zwischendurch gibt es ein Video mit Robotern. Das Publikum lacht. Gefühlt mehr als bei den Pointen zuvor. Vielleicht sollte man sich vor der KI also doch fürchten.
Und dann wäre da noch der Teleprompter. Natürlich ist eine Late-Night-Show vorab getextet. Das Problem ist eher, dass man es bei Büssi ständig merkt. Er liest. Und liest. Und liest. Als die KI seinen Teleprompter kapert, weicht er auf ausgedruckte Blätter aus. Spontaner wird es dadurch leider auch nicht.
Der Gast
Hey. Dieses Wort hört man von Joel Basman an diesem Abend ziemlich oft. Der Schauspieler ist derzeit mit «Sonja – ein Junkieleben» auf der Bühne zu sehen und ist ein ziemlich guter Late-Night-Gast.
Basman erzählt von seiner Kindheit im Zürcher Kreis 4 und von Drogensüchtigen in der Nachbarschaft. Trotzdem macht er daraus keine Elendsgeschichte. Diese Menschen hätten Kinder und Probleme gehabt, aber eben auch «Vor- und Nachnamen».
Auch Büssi funktioniert hier besser. Er hört zu und lässt Basman erzählen. Das Gespräch wird ernst, ohne schwer zu werden. Und für den Humor sorgt Basman selbst: Die Schweizer seien schliesslich sehr gut im Gaffen.
Hey, vielleicht können wir doch noch Late Night.
Und was bleibt?
Zum Schluss holt Büssi ein altes Zitat von Basman hervor. Sein Plan B zum Schauspielern: «Kübelmann». Auch als Künstler produziere man schliesslich viel Müll, findet Büssi – seine eigene Sendung inklusive: «Jeden Sonntag mal stinkt es mehr, mal weniger.»
Nächste Woche übernimmt Gabriel Vetter, Büssi ist erst in zwei Wochen zurück.
Bin ich darüber traurig? Hey, eher nicht.







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