Im Ausstellungsraum ist es kühl und dunkel. Es klingt, als ob man in einer Grotte oder einer Kirche stehen würde. Die Videoprojektion der Zentralschweizer Künstlerin Judith Albert bringt Licht ins Dunkle.
In ihrer zweiteiligen Videoinstallation «Prolog» (2015) lösen rechte und linke Hand vorsichtig Buchstabe für Buchstabe mithilfe von zwei Nähnadeln aus dem schwarzen Hintergrund. Es bleibt eine weisse Serifenschrift zurück: Mit Präzision folgt ein Schriftzeichen auf das andere – aber nicht von links nach rechts. Vielmehr kommen die Buchstaben scheinbar zufällig aus dem Dunkeln zum Vorschein. Anschliessend klebt die Künstlerin diese auf ihre Hände, ähnlich einem Tattoo.
Buchstaben abgelöst wie bei einer Operation
So erscheint allmählich die Zeile: «In the beginning was the word.» Dieser Satz ist zugleich der Beginn des Johannesevangeliums in der Bibel: «Am Anfang war das Wort.» Auf die meditative Enthüllung der Buchstaben folgt ihre akribische Einsetzung an den ursprünglichen Platz. Das Ablösen des einzelnen Buchstabens von der Haut mit den spitzen Nähnadeln erinnert dabei an eine Operation.
Trotz der Sorgfalt wird der Ursprungszustand der schwarzen Fläche nicht erreicht – die weisse Schrift scheint hervor. Die Videoinstallation hat Judith Albert ursprünglich für die Krypta des Zürcher Grossmünsters geschaffen, doch auch im Kunstmuseum Luzern entfaltet die Projektion ihre Wirkung. Die Gegensätze Erscheinen und Verschwinden, Schrift und Bild, Schwarz und Weiss, Licht und Dunkel, Chaos und Ordnung, Anfang und Ende sind in der Videoarbeit auf poetische Weise vereint.
Das Werk ist Teil der aktuellen Sammlungspräsentation «1 Raum, 1 Werk» und noch bis zum 6. September im Kunstmuseum Luzern zu sehen.





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