Serie «Entdeckungen»

Der Vierwaldstättersee?  Falsch – dieses Bild führt zu den Indigenen Nordamerikas

Unsere Sommerserie zeigt Entdeckungen in Zentralschweizer Museen. Diesmal geht es nach Altdorf ins Haus für Kunst Uri. Dort sieht man, wie die Landschaft Spuren der Kultur trägt.

In der Sommerausstellung «The Sigh of the Mountain» («Das Seufzen des Bergs») im Haus für Kunst Uri erblicken Besucherinnen und Besucher als Erstes eine Fotografie mit Bergen und Wasser. Die Landschaft mit den steil ins Seewasser abfallenden Berghängen und den Sonnenstrahlen, die durch die Wolken fallen, riecht nach Sommer und erinnert viele an den Vierwaldstättersee. Ja, viele Besucherinnen und Besucher sind ganz fest überzeugt, dass das der heimische See sein muss.

Tatsächlich handelt es sich um ein Kunstwerk von Sky Hopinka. Der 42-Jährige lebt und arbeitet in New York. Und wir blicken nicht auf den Vierwaldstättersee, sondern auf die Landschaften der Heimat des Künstlers und der Heimat seiner Vorfahren, die Ho-Chunk Nation und die Pechanga Band of Luiseño Indians, die seit vielen Jahrhunderten im Gebiet der grossen Seen (im heutigen Wisconsin, Minnesota, Iowa und Illinois) leben.

Werk von Sky Hopinka: «This is the sigh of the sea / This is a desecration» (2025).
Bild: zvg

New Glarus und Tell City: Hoffnung auf besseres Leben

Die Ausstellung ist eine Kollaboration mit dem Kunsthaus Glarus und versammelt Künstlerinnen und Künstler aus der Schweiz und aus der Ausland, die sich mit Spuren und Echos in unseren Landschaften beschäftigen. Für Sky Hopinka tragen diese Landschaften die Sprachen, Widerstandskämpfe, Erzähltraditionen, Mythen und Erinnerungen seiner indigenen Kultur als Spuren in sich.

Im Kontext der Ausstellung sind Sky Hopinkas Fotoarbeiten auch ein Verweis auf die historischen Auswanderungsbewegungen aus den Kantonen Uri und Glarus: In der Hoffnung auf ein anderes, besseres Leben sind viele Menschen aus Uri und Glarus ab Mitte des 19. Jahrhunderts genau in jene Gebiete ausgewandert: New Glarus liegt in Wisconsin, Tell City in Indiana. Sie haben die Landschaften ihrer Heimat hinter sich gelassen und ein Land besiedelt, in dem Menschen bereits seit Jahrhunderten und unter immer schwieri­gen Umständen ihrerseits versuchten, ihre Heimat nicht zu verlieren. Sky Hopinkas Fotografie erinnert an den Vierwaldstättersee und auch an diese Geschichten.

Die Ausstellung «The Sigh of the Mountain» ist eine Kollaboration mit dem Kunsthaus Glarus und kuratiert von Annette Amberg (Glarus) und Gioia Dal Molin (Uri). Sie ist beiderorts bis zum 31.8. zu sehen. Am Samstag, 29.8. um 16:00 spricht die Historikerin Chiara Zgraggen im Haus für Kunst Uri über Auswanderungsbewegungen damals und heute.

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