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Hollywood

Im Kino ein Bösewicht, im Leben ein verdammt netter Mensch – warum Jesse Eisenberg seine Niere spendete

Jesse Eisenberg ist bekannt für schräge und fiese Filmrollen. Im echten Leben spendete er freiwillig eine Niere und ist auch sonst ein richtig netter Mensch – allerdings nicht ganz uneigennützig.
«Ich wurde im Spital wie ein König behandelt und konnte mir mein Mittagessen aussuchen», erzählt Eisenberg im Podcast von Doctor Mike.
Bild: Screenshot YouTube

In «The Social Network» spielte er den sozial unbeholfenen Mark Zuckerberg. In «Zombieland» war er neurotisch und versessen auf Regeln. In «Now You See Me» war er arrogant und selbstgerecht. Und in «Batman vs. Superman: Dawn of Justice» war er als Bösewicht Lex Luthor so schräg, dass er die «Goldene Himbeere», den Anti-Oskar, als schlechtester Nebendarsteller erhielt. Jesse Eisenberg ist auf dem Bildschirm selten sympathisch. Umso mehr überrascht er im echten Leben.

Im vergangenen Herbst wurde bekannt, dass der Schauspieler anonym einem Fremden eine Niere spenden will. Nun hat er genau das getan und spricht im Podcast «The Checkup with Doctor Mike» erstmals ausführlich darüber – obwohl er höchst ungern über sich selbst redet. «Es fühlt sich einfach ein bisschen seltsam an», findet er. Jesse Eisenberg ist offensichtlich ein sehr untypischer Hollywoodstar: «Hier sitze ich, wieder mal, mit einem Mikrofon vor meinem Gesicht und ich bin so angewidert von mir selbst, dass ich natürlich Menschen bewundere, die nicht über ihre eigenen Leistungen sprechen und sogar die Idee ablehnen, dass es sonst jemand tut.»

«Ich esse Fleisch, also bin ich kein guter Mensch»

Seine Nierenspende im Dezember sieht er absolut nicht als Leistung oder gar als Opfer, das er gebracht hat. Ein guter Mensch sei er deswegen auch nicht, findet der 43-Jährige – und hat dafür einen klaren Grund: «Ich komme aus einer Familie von Vegetariern, die statt Thanksgiving  ‹Thanksliving› feiert. Wir adoptieren Truthähne, stellen Fotos von ihnen auf den Tisch und essen Tofu.» Er selbst isst trotzdem Fleisch. «Mir ist völlig bewusst, dass das eigentlich nicht ethisch ist. Also bin ich kein besonders guter Mensch», meint er.

«Wir alle haben Opfer, die wir bereit sind zu bringen», glaubt der Schauspieler. Doch das sei für jeden anders. Wenn seine vegetarische Schwester einen Soja-Latte trinkt, denkt er: «Ich kann nicht glauben, dass sie dieses Opfer bringt.» Dasselbe, wenn seine Frau als Lehrerin arbeitet: «Das ist ein anstrengender Job. Du darfst nicht mal darüber reden, was dich interessiert, sondern musst dich an den Lehrplan halten. Das sehe ich als Opfer.»

Er spielt selten sympathische Rollen: Jesse Eisenberg als Mark Zuckerberg in «The Social Network».
Bild: Merrick Morton / Sony Pictures

Nierenspende als fröhliches Abenteuer

Bevor er seine Niere spenden konnte, wurde er mehrmals untersucht und musste immer wieder ins Spital. Dort sei ihm etwas bewusst geworden: «Ich sass mit Menschen im Wartezimmer, die den schlimmsten Tag ihres Lebens hatten. Menschen, die erfahren, dass sie Krebs haben, Menschen, die Angst haben zu sterben. Und ich war auf diesem kleinen, fast fröhlichen Abenteuer.» Bei einer Untersuchung kam ihm der Gedanke: «Ich bin heute vermutlich der einzige Mensch, der hier ist, ohne Panik zu haben.»

Seine Operation sei ohne Probleme verlaufen, und er habe sich perfekt erholt: «Schneller als Frauen nach einem Kaiserschnitt. Doch das betrachten wir ganz anders. Wenn jemand eine Niere spendet, heisst es: ‹Oh wow, du hast eine Operation hinter dir!› Aber ein Kaiserschnitt? Das scheint einfach dazuzugehören. Aber mein Gott, meine Frau hatte mehr Probleme, sich von ihrem Kaiserschnitt zu erholen, als ich von der Nierenspende!»

Jesse Eisenberg spricht nicht gerne über sich, obwohl es zu seinem Job gehört: «Heute musst du bei Jimmy Fallon mit nacktem Oberkörper rappen, um deinen Film zu promoten.»
Bild: Jordan Strauss

«Egoistische» Beweggründe

Immer wieder fällt auf, dass Jesse Eisenberg unglaublich nett ist. Er hat sogar Mitleid mit den Charakteren, die er spielt: «Für mich sind sie unglaublich sympathisch, gerade, weil sie schreckliche Dinge tun. Für mich sind das einfach fehlerhafte Menschen – wie wir alle.» Es sei ein Privileg für ihn, nett zu sein: «Es bedeutet, ich muss mir keine Sorgen machen, wo meine nächste Mahlzeit herkommt, und dass ich genug Ressourcen habe, um jemandem zu helfen, ein Organ zu spenden oder was auch immer.» Der Schauspieler spricht völlig nonchalant über seine Nierenspende – weil es für ihn keine grosse Sache war.

Seine Beweggründe seien sogar «fast egoistisch», ist er sich sicher: «Ich wollte eine Verbindung zu etwas haben, das grösser ist als ich selbst.» Das helfe ihm, mit seinen Ängsten und Schuldgefühlen umzugehen. Denn diese habe er ständig, so funktioniere sein Gehirn nun mal: «Ich gebe dieses Interview, weil ich berühmt bin, aber wenn ich hier rausgehe, werde ich denken: ‹Ich bin so ein Angeber. Warum habe ich über mich selbst geredet? Wie narzisstisch war das denn?›» Im Gespräch mit seinem Therapeuten sei ihm bewusst geworden, dass er ihm helfe, wenn er hilfreich sei. «Dann fühle ich mich mit mir im Reinen, und das ist mein liebster Zustand», sagt er. Und wenn er könnte, würde er täglich eine Niere spenden.

Der Podcast in voller Länge:

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