Was geschieht, wenn ein Hochhaus aus einem Bett wächst oder zwei Einkaufswagen durch eine Brücke miteinander verbunden werden? Solches sieht man in der Ausstellung «Vanishing Point» des kubanischen Künstlers und Architekten Camilo Villalvilla Soto.
Architektur steht für Ordnung, Macht und gesellschaftliche Systeme. Doch Villalvilla Soto zeigt auch, wie fragil diese Ordnungen sein können. Den Triumphbogen seiner kubanischen Heimatstadt Havanna lässt er wie Dominosteine zusammenbrechen. Pilzartige Organismen befallen monumentale Gebäude – Sinnbild eines Zerfalls, der von innen beginnt. Architektur trifft auf Natur, Kontrolle auf Vergänglichkeit.
Betten werden zu berühmten Hochhäusern
Daneben steht die poetische Werkgruppe «One Thousand Dreams»: In den grossformatigen Werken verwandeln sich Betten in ikonische Hochhäuser. So wächst das One Thousand Museum von Miami aus einem Bett, in einer anderen Arbeit erhebt sich das Chrysler Building über dem Schlafenden. Das Bett wird zum Ort zwischen Begrenzung und Freiheit, es zeigt den menschlichen Wunsch nach Weiterentwicklung und Transzendenz. Im Schlaf erlebt man die Freiheit, so weit zu reisen, wie Gedanken einen tragen können - jenseits von körperlichen oder gesellschaftlichen Grenzen.
Und immer wieder erscheint die Brücke. In «Red vs Blue vs Red »treffen zwei Einkaufswagen über eine Brückenkonstruktion aufeinander. Es geht um das Verhältnis von Markt und Kommunikation. Die Einkaufswagen stehen für Austausch, Wahlfreiheit und Begehren. Die Brücke macht die Unterschiede zwischen den beiden Seiten sichtbar und eröffnet die Möglichkeit, sie zu überwinden.
Die Arbeiten des 50-Jährigen, der heute vor allem in Miami lebt, sind von Kuba geprägt, gehen jedoch weit darüber hinaus. Sie stellen eine hochaktuelle Frage: Wie können Menschen, Gesellschaften und unterschiedliche Positionen miteinander verbunden bleiben, wenn politische und ideologische Kräfte sie auseinanderziehen?
Japanische Technik auf höchstem Niveau
Während der Ausstellung von Camilo Villalvilla Soto werden die Schaufenster von der Luzernerin Angela Burkhardt-Guallini bespielt. Sie gehört zu den wenigen Keramikkünstlerinnen weltweit, die die traditionelle japanische Neriage-Technik auf Topniveau beherrschen: Aus eingefärbten Porzellanmassen entstehen vielschichtige Schalen mit organischen, mosaikartigen Mustern von höchster Präzision und zeitloser Eleganz.
Ihre Arbeiten werden weltweit in renommierten Galerien, Museen und internationalen Keramikausstellungen präsentiert; zudem erhielt sie Werkbeiträge der Stadt und des Kantons Luzern. (zvg/are)
Ausstellung bis 10. Oktober in der Galerie Vitrine, Stiftstrasse 4, Luzern. Öffnungszeiten
Do/Fr 14.00 – 18.30, Sa 12.00 – 16.00.









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