Karyna Herrera zeigt Kunst, die im direktesten Sinne existenziell ist. Denn die 51-Jährige, die seit 2008 in Kriens lebt und 2018 den Krienser Förderpreis erhalten hat, erforscht die Beziehung zwischen Kunst und Leben. Und dies auch im Kontext mit Körper und eigenem Erleben.
Die aktuelle Ausstellung «SOL LA» ist davon besonders betroffen. «Verschiedene Erkrankungen mit körperlichen Einschränkungen, die mich seit Jahren begleiten, haben meine Möglichkeiten, zu arbeiten, stark verändert», sagt die Künstlerin. Deshalb entstehe ihre Kunst unter anderen Bedingungen: in kürzeren Arbeitsphasen, mit Unterbrechungen und in einer ständigen Auseinandersetzung mit dem, was der Körper ermöglicht.
«Die Einschränkungen berühren somit nicht nur das persönliche Leben, sondern auch zwei Bereiche, die für eine künstlerische Existenz wesentlich sind: die Möglichkeit, den Lebensunterhalt zu sichern, und die Möglichkeit, Kunst zu schaffen», erzählt sie. Es ist also eine gleich doppelte Begrenzung.
Körper wird zur Bedingung für Kunst
Es gehe um Zeit und Geld, aber ebenso um Identität. Was bedeutet es, Künstlerin zu sein, wenn man zeitweise kaum Kunst machen kann? Bleibt man Künstlerin, wenn das Denken und Wahrnehmen weitergehen, während der Körper die Umsetzung begrenzt? Mit diesen Fragen hat sich Karyna Herrera sehr konkret befasst. Und wie die Entstehungsprozesse und damit die Werke vermehrt auch von Pausen, Warten, Wiederbeginnen und Grenzen beeinflusst werden. Die Auseinandersetzung mit den Grenzen von Körper und Geist schreibt sich zwingend in die Werke ein. «Präsenz ist für mich nicht mehr selbstverständlich», sagt Herrera. «Gleichzeitig bleibt das Verlangen nach künstlerischem Schaffen bestehen.»
Der Körper spielt in ihren Arbeiten schon lange eine zentrale Rolle. Jetzt ist er selber Bedingung für die Kunst. Was wird aus einer Idee, wenn die Kraft zu ihrer Umsetzung fehlt? Hinter den Werken von «SOL LA» stecken die Erfahrungen, was unter neuen Bedingungen entstehen konnte. Oder vielleicht nicht entstehen konnte. «Schmerz und Freude, Einschränkung und schöpferischer Impuls, Stillstand und Entwicklung müssen sich nicht gegenseitig ausschliessen», sagt Herrera.
Eigene Möglichkeiten immer wieder neu bestimmen
Und so kommt man auf etwas Zentrales des menschlichen Lebens, gerade auch im Prozess des Älterwerdens: Nicht alle Grenzen lassen sich überwinden. Aber wir können unsere Möglichkeiten immer wieder neu bestimmen. So zeigen Herreras Werke eben auch, was zu einem bestimmten Zeitpunkt möglich war.
Neben Skulpturen der Künstlerin werden Arbeiten in Pastell und Kohle auf Leinwand gezeigt. Eine ursprünglich live aufgeführte Performance namens «Mutter Organ» wird im Keller des MakeArt Rooms als Video und mit Relikten der Performance gezeigt. So sind Malerei, Skulptur und performative Handlungen nicht voneinander getrennte Ausdrucksformen. Sondern lassen Räume entstehen, in denen Erfahrung und Ausdruck miteinander in Beziehung treten.
Die Ausstellung «SOL LA» im MakeArt Room, Obergrundstrasse 17, Luzern. Bis 30. August, jeweils Do/Fr/Sa
16 - 19 Uhr. Performance von Karyna Herrera; Sa, 29. August, 17.30 Uhr, im Rahmen von KunstHoch.










Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.