Kunst

Stahlblech hat es ihr angetan – die Luzerner Künstlerin Barbara Jäggi erklärt ihre Vorliebe

Die Luzerner Künstlerin Barbara Jäggi stellt im Raum K in Horw aus. Sie zeigt neben Stahlblech-Objekten auch neuere Wandreliefs aus Pfeifengras.

«Ich habe mit vielen Materialien gearbeitet, mit Holz, Stein, Gips. Aber das Stahlblech spricht mich am stärksten an.» So erklärt die 70-jährige Barbara Jäggi ihre Hauptausrichtung der letzten 40 Jahre. Und weiter: «Es ist ein einfaches Material, das gefällt mir. Ich kann sehr vielseitig damit arbeiten und brauche keine Helfer, Assistentinnen und grosse Maschinen. Ob leichte oder schwere Objekte, ich kann sie alleine gestalten.»

Barbara Jäggi im Raum K.
Bild: uvg

Viele Menschen kennen ihre Objekte aus Stahlblech, sei es von Ausstellungen in Galerien, im Freien, in Skulpturenparks, an öffentlichen Orten, als musikalische Objekte an Konzerten und Performances oder als Elemente in Theater- und Tanzstücken. So arbeitete sie wiederholt mit Regisseur Louis Naef in dessen Landschaftstheatern.

Oxidation ermöglicht unterschiedliche Farbtöne

Im Raum K in Horw präsentiert Barbara Jäggi eine Auswahl aus ihrem reichhaltigen Fundus sowie neue Arbeiten. Im «Raum Walter» überraschen die Wandreliefs aus Stahlblech-Elementen mit ihren repetitiven Mustern, die sich subtil voneinander unterscheiden. Die «Konkrete Rostwand» besteht aus einer Vielzahl von oxidierten Blechteilen, die rasterförmig angeordnet sind. «Ich habe die Blechteile während Wochen unter einen Baum gelegt und ab und zu Salz darübergestreut.» Jedes Blechelement hat aufgrund der Oxidation eine eigene farbliche Note und bildet einen Mosaikstein für das Ganze.

Die Arbeiten sind geprägt von strengen Formen und genau geplanten Objekten. Ihre Reliefs haben aufgrund ihrer Anordnung und Gestaltung eine oft illusionistische Wirkung. Einen Kontrast dazu geben die drei Körper aus Tetraedern, die auf dem Boden liegen. Die Optik ihrer mehrgliedrigen Flächen löst ebenfalls eine sanfte Irritation aus.

Arbeit mit Pfeifengras wie eine Improvisation

Im «Raum Hildegard» legt Barbara Jäggi den Fokus auf ihre aktuelleren Arbeiten mit Pfeifengras. «Ich arbeite seit einer Ausstellung in der Peterskapelle Luzern mit Sumpfbinsen und Pfeifengras. Ich kam auf dieses pflanzliche Material, da ich in diesem Raum nur leichte Objekte hängen durfte.» Mit diesen Gräsern zu arbeiten, sei mit Zeichnen oder Modellieren zu vergleichen. «Ich mache keine Modelle wie bei den Blech-Objekten, sondern gehe von einem Schritt zum nächsten, wie eine Improvisation.»

Teils hängen die Pfeifengrasobjekte in Kombination mit Stahlblech-Reliefs an den Wänden, teils sind sie direkt mit Rostblech unterlegt und bilden ein neues Ganzes. Oder sie kommen als fragil transparente Objekte in allen möglichen Dimensionen bis zu winzigen Geflechten nur für sich zur Geltung.

Auch im Aussenbereich des Raum K. hat es Objekte von Barbara Jäggi – wie diese Stahlblechskulptur.
Bild: zvg / Doris Hüsler

Barbara Jäggi denkt und gestaltet gerne in Kontrasten. Das durchzieht auch diese Ausstellung, wo massive und transparente, kleine und grosse Formen aufeinander einwirken und das Organische und das Konstruierte, die Natur und die Geometrie einander ergänzen. «Auch wenn ich arbeite, muss ich immer mal wieder vom Schweren zum Leichten oder vom Geplanten zum Chaotischen wechseln.»

Die Ausstellung im Raum K (Altsagenstrasse 24, Horw) läuft bis 15. November. Am 29. August (Kunsthoch) gestaltet Leslie Schnyder einen literarisch inspirierten Rundgang durch die Ausstellung. Am 13. September kommt es zu einer Klangintervention von Roland Dahinden (Posaune). Alle Infos: www.raum-k.ch

Mehr zum Thema:

Mehr zum Thema:

Mehr zum Thema:

Kommentare (0)