Man meint, Wasser zu erkennen, ist sich sogar sicher. Aber etwas irritiert. Was? Es gibt wohl einen Horizont, aber keinen Himmel, der sich farblich vom Wasser abgrenzt. Lösen sich Wasser und Himmel ineinander auf? Die Serie «Darkness & Diamonds» aus diesem Jahr spielt auf das Wechselspiel von Schatten und aufblitzendem Licht an – weiss auf monochromem Grund. Es ist ein Leitmotiv in Ladina Gaudenz' Malerei, die flüchtige Naturphänomene wie Spiegelungen, Nebel oder Blüten in atmosphärische Bilder übersetzt.
Eindeutig ist die Bündnerin, 1962 in Scuol im Engadin geboren und aufgewachsen, nie. Sie bildet nicht ab, eher scheint ihre Kunst aus der Erinnerung, aus der persönlichen Wahrnehmung eines vergänglichen und bereits wieder vergangenen Moments zu entstehen. «Zwischen der Schönheit und den geheimnisvollen Seiten der Natur entstehen Bilder, die das Flüchtige für einen Augenblick sichtbar machen», formuliert es «arttv.ch», das der Künstlerin einen Beitrag widmet. Von 1982 bis 83 besuchte sie die – damals noch – Kunstgewerbeschule Luzern, danach bis 1989 die École Supérieure d'Art Visuel in Genf, wo Ladina Gaudenz heute lebt und arbeitet.
Vergängliche Blüten am Kirschbaum
Die Serie «Tschirescher», rätoromanisch für Kirschbaum, entstand 2019/20 und zeigt blühende Kirschbäume, deren Blüten nur für kurze Zeit sichtbar sind. Gaudenz interessiert das flirrende Weiss der Blüten, das Licht zwischen den Ästen, der Schatten und die Auflösung der Formen. Ob auf wenige Schatten reduzierte menschliche Figuren an Stränden («Prada») oder der Himmel als ein Feld von Licht, Farbe und Rhythmus («Géométrie du Ciel») – ihre Malerei entwickle sich stets «aus der Natur heraus», schreibt Kunstkritikerin Françoise Jaunin, mit Blick auf das fragile Verhältnis von Mensch, Natur und Umwelt.
Die Ausstellung zeigt neue Gemälde und eine eigens für den Raum geschaffene grossformatige Wandmalerei. «Die Malerei soll diesmal den Raum selbst erobern», heisst es. «Und die Gemälde werden nicht nur gehängt, sondern treten mit der Architektur in Beziehung.» Begleitend finden Führungen mit der Künstlerin (17. September und 19. November) und der Kunsthistorikerin Katharina Holderegger bzw. dem Kurator Marco Obrist statt. Am 17. Oktober gibt die Bündner Liedermacherin Martina Linn ein Konzert, das in die melancholische, herbstliche Welt des Engadins und des Val Müstair entführt. (reg)
Bis 28. November, Max Wandeler Stiftung, Brüggligasse 2, Luzern; Do 14.00–17.30/Sa 13.00–17.00 und nach Vereinbarung.






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