Was bleibt nach diesem Sonntagabend?
Vermutlich eine schlaflose Nacht. Genau deshalb schaue ich mir normalerweise keine Krimis an. Und dieser «Tatort» hat mich in der Entscheidung bestätigt. Nicht unbedingt, weil er besonders gruselig wäre, sondern weil die Storyline etwas konfus ist und er ziemlich viel in seine 90 Minuten packt. Und natürlich gibt es einen Mord. Oder mehrere?
Irgendwann fragt man sich, wozu es neben einem Atomschlag-Szenario auch noch die Entschärfung einer Weltkriegsbombe braucht. Als wäre ein Mordfall samt Überlebenstraining und Atomangst nicht schon genug Weltuntergang für einen Sonntagabend. Die Bombe sorgt zwar dafür, dass halb Köln im Ausnahmezustand ist – für die Geschichte wirkt sie aber vor allem wie eine Katastrophe, die unbedingt noch reinmusste.
Wird dieser «Tatort» mein Leben verändern?
Ich denke kaum, denn ich werde meine Sonntagabende künftig wohl anders verbringen. Vielleicht mit Büssis «Late Night Switzerland»? Wobei irgendwann konnte selbst ich nicht mehr abschalten. Halbwegs spannend war es dann nämlich doch. Vielleicht übernehme ich sogar eine Tradition aus dem Film und trinke nächsten Sonntag ein Gläschen Limoncello.
Wann hätte ich beinahe zum Smartphone gegriffen?
Dafür war ich zu beschäftigt mit Kopfschütteln. Etwa als die Teilnehmer des Überlebenstrainings in Gasmasken einen Sack mit den letzten nicht kontaminierten Lebensmitteln durch den Bunker schleppten – auf Zeit. Offenbar soll das auf das Überleben in einer feindlichen Umgebung vorbereiten. Ich hätte gedacht, beim Weltuntergang wäre Energiesparen angesagt, aber immerhin weiss ich jetzt: Wenn die Atombombe fällt, bloss die Stoppuhr nicht vergessen.
Welche Sätze bleiben hängen?
«Auf die Toten. Die haben es hinter sich.» Und dann wird der Limoncello auf Ex getrunken. Später noch einer. Nach der ganzen Flasche wird zu Vicky Leandros’ «Ich liebe das Leben» getanzt. Desillusionierung kann erstaunlich beschwingt sein. Fast noch besser: «Wenn Sie so knapp bei Kasse sind, könnten Sie ja am Waschpulver sparen.» Ein scheinbar nebensächlicher Satz des Kommissars Max Ballauf, der sich am Ende als ziemlich entscheidend erweist.
Was erzählt uns dieser «Tatort» über die Gegenwart?
Dass man einem Kind vielleicht nicht jede eigene Angst vererben sollte. Der Vater glaubt, seinen Sohn für eine brutale Welt wappnen zu müssen: Der Stärkere gewinnt. «Ich dachte, ich bereite dich auf das Leben vor, so wie es ist», sagt er sinngemäss. Heraus kommt allerdings kein besonders gut vorbereiteter Sohn, sondern einer, der gelernt hat, dass Gewalt Probleme löst. Vielleicht ist das die banalste Erkenntnis dieses ziemlich abstrusen «Tatorts»: Wer die Welt ständig als feindlichen Ort beschreibt, prägt auch, wie sein Kind sie sieht. Dabei wäre eine Lektion über das Schöne und Gute vielleicht mindestens so wichtig gewesen.
«Die letzten Menschen von Köln» Sonntag, 20.05 Uhr, SRF 1
Bewertung: 3 von 5 Sternen







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