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Luzerner Neustadt

Gewerbe ärgert sich über neues Verkehrsregime – doch nun wird es definitiv eingeführt

Weniger Platz für Autos – mehr für Velos und Lieferwagen: Das neue Verkehrsregime Winkelriedstrasse sei ein Erfolg, findet die Stadt. Das Gewerbe sieht's anders.
Begrünung statt Parkplätze: Die umgestaltete Winkelriedstrasse.
Bild: Pius Amrein
(Luzern, 2. 5. 2025)

Die Testphase für das Ende April 2025 eingeführte Verkehrsregime an der Winkelriedstrasse sollte rund ein Jahr dauern. Doch bereits jetzt ist klar: Es bleibt permanent. «Nach zehn Monaten Test zeigt sich aufgrund der gemessenen Daten und der Rückmeldungen: Ziel weitgehend erreicht», heisst es in einer Mitteilung der Stadt.

Mit der Umgestaltung wollte die Stadt die Sicherheit für den Velo- und Fussverkehr sowie die Aufenthaltsqualität auf der Winkelriedstrasse erhöhen. Viele Autoparkplätze wurden aufgehoben und in Grünflächen und Veloparkplätze umgewandelt. Gleichzeitig entstanden spezielle Parkplätze für Handwerksbetriebe sowie für den Güterumschlag.

Bald gibts wieder zwei Parkplätze mehr

Sämtliche Fahrten und Parkmanöver wurden während der Testphase anonym aufgezeichnet und analysiert. Dabei zeigte sich zum Beispiel, dass die Handwerksparkplätze tagsüber im Schnitt zu 80 Prozent belegt waren. Die verbliebenen öffentlichen Parkplätze waren noch begehrter: Ihre Auslastung lag gemäss Stadt «nahe bei 100 Prozent».

Ein Augenschein am Dienstagmittag vor Ort zeigte aber auch, dass das neue Verkehrsregime zu Konflikten führen kann. Im Zeitraum von gut zwei Stunden waren mehrere Handwerksparkplätze von Privatfahrzeugen besetzt, was bei den Handwerksbetrieben Ärger auslöste.

Eine scheinbar nicht seltene Konfliktsituation: Ein «falsch» belegter Parkplatz – gedacht für Handwerksleute – führt zu Diskussionen.
Bild: sif
(Luzern, 03.02.2026)

Die Güterumschlagsplätze werden hingegen weniger stark genutzt, wie die Statistik zeigt. Das gilt auch für die Nachtstunden: Dann stünden diese Plätze eigentlich für Anwohnende zum Parkieren zur Verfügung. Doch davon wird offenbar nur wenig Gebrauch gemacht.

Die Stadt hat auch Umfragen durchgeführt. Die Neuerungen auf der Winkelriedstrasse kommen bei Anwohnenden und Passanten «überwiegend positiv» an. Bei den Gewerbetreibenden sieht die Beurteilung anders aus. Die Mehrheit bewertet das Regime negativ: Sie kritisieren die Parkplatzreduktion für die Kundschaft.

Ein Geschäftsführer eines Detailhandelsgeschäfts bemängelt, dass die Stadt keine Alternative oder Kompensation bietet. Er habe etliche Kunden verloren, die wegen der erfolglosen Suche nach einem Parkplatz «halt einfach wieder nach Hause fuhren». Dieselbe Erfahrung machten auch das Sportgeschäft Wirth und zwei weitere Geschäfte im Quartier, die befragt wurden.

Die Stadt reagiert auf die Kritik: Sie hatte bereits nach einer Zwischenbilanz wieder Parkplätze geschaffen. Und nun sollen im nördlichen Teil der Strasse zwei zusätzliche Kurzzeitparkplätze eingerichtet werden. Weiter wird eine Fläche für mobile Begrünung zu einem Veloparkplatz umgenutzt.

«Was nützen noch mehr Flächen für Velos?»

Für den Inhaber von Wirth Sport, Mario Simmen, zielen diese Massnahmen aber an den Wünschen der Geschäfte vorbei: «Was nützen denn noch mehr Flächen für Velos? Der Grossteil der fahrradfahrenden Kundschaft stellt die Velos direkt vor die Schaufenster.» Zu den zwei zusätzlichen Parkplätzen, die die Stadt jetzt plant, hat er lediglich ein Schulterzucken übrig. Diese würden kaum etwas bewirken, «wenn mit dem Baubeginn des Durchgangsbahnhofs das grosse Bahnhofsparking zugeht».

Nicht alle Geschäfte beklagen sich über die «neue» Winkelriedstrasse. Insbesondere den neuen Güterumschlagsflächen gewinnen die Inhaber des Koffeinshops viel Positives ab. Ihnen kämen diese entgegen, da ihre Kundschaft selten länger als fünf Minuten für einen Einkauf benötige. Ein Anwohner, der selber als Gastronom tätig ist, sieht darin ebenfalls eine Chance für die ansässigen Geschäfte: «Die Kunden können doch online vorbestellen und die Güter- und Kurzzeit-Parkplätze effizient nutzen. Kurz halten, Ware abholen, einladen und weg – das geht keine fünf Minuten.»

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