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Stadt Luzern

Die Testphase für das neue Verkehrsregime auf der Winkelriedstrasse ist gestartet

Kein Rechtsvortritt mehr, 42 umfunktionierte Parkplätze und Grünelemente – die viel frequentierte Strasse wird zum Reallabor.
Auf der Winkelriedstrasse in Luzern gibt es während einer einjährigen Testphase unter anderem eine Begrünung und mehr Platz auf dem Velostreifen.
Bild: Pius Amrein (Luzern, 2. 5. 2025)

Seit Freitag wird auf der Winkelriedstrasse in Luzern offiziell im Abschnitt zwischen der Pilatus- und der Bundesstrasse eine neue Verkehrsführung getestet. Die Testphase dauert ein Jahr. Die Planung entstand unter Berücksichtigung der Anforderungen der Mobilitäts-, Klima- und Energiestrategie. Die Stadt verfolgt mit der Umgestaltung zwei Ziele, wie David Walter, Projektleiter Tiefbauamt, erklärt: «Erstens, die Verkehrssicherheit zu verbessern und zweitens, die Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmenden sowie dem Gewerbe und den Anwohnenden unter einen Hut zu bringen.»

Brenzlige Situationen entstanden bisher beispielsweise, wenn alle Parkplätze besetzt waren und Zulieferer auf der Strasse stoppen mussten, wie Sibylle Lehmann, Co-Leiterin Mobilität, erläutert. Während des Medienrundgangs sagt sie: «Wir sehen schon jetzt, dass keine zweite Parkreihe mehr entsteht.»

Marco Baumann (FDP), der Umwelts- und Mobilitätsdirektor der Stadt Luzern, hat bei vorgängigen Gesprächen «grundsätzlich eine Offenheit für den Test wahrgenommen». Es gebe aber auch ambivalente Haltungen: «Geschäfte befürchten beispielsweise, dass sie weniger Kundinnen und Kunden haben werden, weil öffentliche Parkplätze wegfallen.»

Das ist neu

Die Winkelriedstrasse ist neu als Velohauptroute signalisiert. 42 der 52 Parkplätze entlang der Winkelriedstrasse werden umgenutzt. Neu gibt es:

keinen Rechtsvortritt mehr. Die Verkehrsteilnehmenden auf der Winkelriedstrasse sind durchgehend vortrittsberechtigt.

eine neue Regel für verbleibende öffentliche Parkplätze. Die Parkkarte D gilt werktags von 7 bis 19 Uhr nicht mehr.

sechs gelb markierte Parkfelder für den Güterumschlag. Erlaubt ist auch das Ein- oder Aussteigenlassen von Personen. Parkieren ist hingegen verboten, auch nachts.

sieben Parkplätze, die werktags von 6 bis 18 Uhr für Handwerkerinnen und Handwerker sowie Servicebetriebe reserviert sind. Parkieren darf in dieser Zeit nur, wer die entsprechende Parkkarte besitzt. In der Nacht stehen die Parkplätze für die öffentliche Nutzung zur Verfügung.

ein Parkplatz für Menschen mit eingeschränkter Mobilität

zwei rollstuhlgängige E-Ladestationen

drei separate Parkflächen für Lastenvelos

zusätzliche Parkflächen für Velos und Motorräder

einen breiteren Velostreifen

mobile Grünelemente.

Das sagen Verkehrsteilnehmende dazu

Zufrieden ist Tom Bucher, der zu Fuss und auch regelmässig mit dem Velo unterwegs ist: «Ich finde es gerade mit den Grünräumen hübsch gemacht. Zudem haben Velofahrer nun mehr Platz.»

Die Realisierung der Signalisationen erfolgte bereits während der letzten zwei Wochen. Handwerker Elvis Schürmann sagt: «Ich war zunächst skeptisch. Aber schon in dieser Zeit habe ich anders als zuvor jeden Tag ohne langes Suchen einen Parkplatz gefunden.» Für Handwerker sei dies ein Vorteil. Mit Blick auf andere Autofahrer sagt er: «Wer einen Parkplatz sucht und ein Blumenbeet findet, ist wahrscheinlich nicht so erfreut.»

«Einseitig» findet das Konzept eine Taxifahrerin, die anonym bleiben möchte. «Wir werden verbannt. Ich empfinde es eher als Gegeneinander statt als Miteinander», sagt sie. Taxis können die Güterumschlagsfläche einzig zum Ein- und Aussteigenlassen nutzen, die Handwerker- und Serviceplätze stehen ihnen nicht zur Verfügung.

Das geschieht während und nach der Testphase

Um dem noch bestehenden Erklärungsbedarf gerecht zu werden, ist während der ersten zwei Wochen ein Mitarbeitender der Securitas im Einsatz. Zudem gibt es Informationstafeln und einen gemeinsam mit dem Quartierverein Hirschmatt-Neustadt gestalteten Flyer.

Die Testphase wird anhand einer Vorher-Nachher-Umfrage der Hochschule Luzern, zwei Mitwirkungsveranstaltungen sowie einer Verkehrsmessung ausgewertet. «Wir wollen Aussagen treffen können über die Geschwindigkeit der Verkehrsteilnehmenden, wie lange sie parkieren oder ob es auch zu Falschparkierungen kommt», erklärt Walter. Die Verkehrsmessung erfolgt durch Sensoren.

Baumann betont: «Dieser Test ist ergebnisoffen. Wenn nötig, wird die Strasse in den alten Zustand zurückversetzt.» Es ist aber auch denkbar, dass die Strassengestaltung ganz oder in Teilen definitiv umgesetzt wird. Die Erkenntnisse aus dieser Testphase sollen dereinst auch für die Planung anderer Strassenzüge genutzt werden.

www.stadtluzern.ch/test-winkelriedstrasse , Feedback: www.dialogluzern.ch

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