Nach dem tödlichen Gondelabsturz vom Mittwoch am Titlis rückt ein möglicher technischer Zusammenhang mit einem früheren Vorfall in den Fokus. 2019 kam es bei der Rotenfluebahn am Mythen zu einem ähnlichen Unfall: Eine Gondel wurde bei starkem Wind seitlich ausgelenkt, kollidierte mit einem Mast und wurde vom Seil gerissen. Der Unfall ereignete sich beim Leerfahren, verletzt wurde niemand.
Die Parallelen zum aktuellen Unglück werfen nun neue Fragen zur Sicherheit auf, denn beide Anlagen nutzen die gleiche Kuppelklemme «DT 108», wie die «SonntagsZeitung» berichtet. Hersteller Garaventa informierte die Betreiber danach über eine mögliche Nachrüstung, die ein solches Szenario verhindern könnte. Konkret geht es um eine technische Anpassung an der Klemme, die verhindern soll, dass sich Gondeln bei extremen Ausschlägen vom Seil lösen.
Die Titlis-Bahnen bestätigten gegenüber der «SonntagsZeitung», ein entsprechendes Bulletin im Jahr 2022 erhalten zu haben, verzichteten jedoch auf eine Umrüstung, da diese nicht als zwingend eingestuft worden war. Nach Angaben der Bergbahnen habe es keinen direkten Hinweis auf den Mythen-Unfall gegeben, weshalb ein Zusammenhang nicht erkannt worden sei.
Ob ein solcher besteht, wird nun von den Behörden untersucht. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob die bekannte Problematik bei starken Windereignissen ausreichend berücksichtigt wurde. Die bisherigen Überprüfungen zeigen zudem, dass sich die Gondelbahn im Skigebiet Engelberg-Titlis technisch in einwandfreiem Zustand befand.
Auch die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) geht derzeit nicht von einem systematischen technischen Problem etwa bei einem bestimmten Klemmentyp aus, sondern untersucht insbesondere Wetterbedingungen und Betriebsabläufe.
Auch hierzu liegen neue Aussagen vor. Im Interview mit dem «SonntagsBlick» betont Titlis-CEO Norbert Patt, dass der Entscheid über den Betrieb allein beim technischen Leiter liege. Dieser handle unabhängig und ohne Einfluss der Geschäftsleitung. Hinweise auf wirtschaftlichen Druck weist Patt zurück.
Er betont, sicherheitsrelevante Entscheide würden bei den Titlis-Bahnen konsequent von Fachpersonen getroffen. Gleichzeitig bestätigt er, dass kurz vor dem Unfall eine unerwartet starke Windböe auftrat. Die Messlage sei jedoch lückenhaft: An der Unfallstelle selbst existiert kein eigenes Messsystem, sondern nur Windmesser, die allerdings weiter entfernt waren. Damit lasse sich die konkrete Situation vor Ort nur eingeschränkt rekonstruieren. Im Gebiet wurden bereits am Vormittag kritische Windspitzen gemessen, wie diese Zeitung berichtete. Die für den Betrieb relevanten Schwellenwerte seien früh erreicht worden. Wann genau der Betrieb eingestellt wurde, wird derzeit aufgearbeitet.
Gondelbahn seit Samstag wieder in Betrieb
Drei Tage nach dem Unglück kehren die Bergbahnen schrittweise wieder in den Normalbetrieb zurück. Am Samstag nahmen die Bergbahnen die obere Sektion der Gondelbahn Titlis Xpress zwischen Trübsee und Stand wieder in Betrieb. Am Sonntagmorgen konnte die Bahn wegen starken Windes nicht fahren. Am Mittwoch war eine Gondel abgestürzt. Eine 61-jährige Frau aus der Region kam ums Leben. Die Gondelbahn ist seit 2015 in Betrieb.






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